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Zwölfjährige im Steinbruch: Kinderarbeit, und was ihr dagegen tun könnt

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Volontärin · ibc Hetzendorf
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21.06.2026
4 Min.

Mit 16 Jahren bin ich mittlerweile in dem Alter, in dem man in Österreich die erste Arbeitserfahrung sammelt. Darunter leidet meine Ausbildung aber keinesfalls, Sommerpraktika sind sehr wünschenswert und an berufsbildenden Schulen wie meiner sogar Pflicht. Im Gegensatz dazu: Die 12-jährige Adama arbeitet seit fünf Jahren gemeinsam mit ihren Eltern in einem Steinbruch, mit der Hoffnung, genug Geld zu sparen, um irgendwann ihre Ausbildung bezahlen zu können.

Am 12. Juni war Welttag gegen Kinderarbeit. Du bist nicht betroffen, oder? (Foto: Pexels, Audy of Course)

Starten wir mit den guten Nachrichten: Die Anzahl der Betroffenen von Kinderarbeit ist seit Beginn des Jahrhunderts um fast 50% zurückgegangen. (2000: 245,5 Millionen; 2024: 138 Millionen)

Das war‘s leider auch schon, denn neue Schätzungen von UNICEF und ILO bestätigen: Adama bleibt kein Einzelfall. 138 Millionen Kinder in unserer Welt, während wir uns über Notenschluss-Stress beschweren, wünschten, sie säßen an unseren Tischen und hätten all die Möglichkeiten, die wir zu oft als gegeben sehen.

Ausbeutung statt Kindheit

Das Problem ist, diese Kinder und Jugendlichen arbeiten nicht aus Lust oder Laune heraus. Sie haben keine andere Wahl, denn ihre Lebensumstände zwingen sie dazu. Die Zeit, die sie beispielsweise in Steinbrüchen schuften, investieren wir in unsere Ausbildung, weswegen die betroffenen Kinder und Jugendlichen in ihrem späteren Leben viele Nachteile haben werden.

Dazu kommt, rund 54 Millionen von ihnen gehen einer gefährlichen Form von Kinderarbeit nach, die ihre Gesundheit und Sicherheit gefährden. Zum Beispiel berichtet UNICEF von Kinderarbeit in Goldminen in Burkina Faso, auf Baumwollfeldern in Indien, in Steinbrüchen in Benin, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika.

Andere Lebensrealitäten

UNICEF Deutschland berichtet online über die Leben verschiedenster Kinder. Darunter ist Adama, ein 12-jähriges Mädchen, welches, seit sie sieben ist gemeinsam mit ihren Eltern in einem Steinbruch in Sierra Leone arbeitet und mit einem Vorschlaghammer einen großen Granitfelsen in kleinere Schotterstücke zerschlägt, um sie an Bauunternehmen zu verkaufen.

Ihre Familie verfügt über unzureichend finanzielle Mittel, für mehr als eine Mahlzeit zu sorgen oder Kleidung zu kaufen, geschweige denn, ihr eine Ausbildung zu finanzieren. Viel kann man sich von umgerechnet zwei Euro am Tag auch nicht erwarten. Adama erzählt, sie sei unglücklich zu arbeiten während ihre Freundinnen in der Schule lernen und wünsche sich Hilfe von den Behörden, um ebenfalls die Schule besuchen zu können.

Ein weiteres Beispiel ist der 8-jährige Tsifeheza, welcher in einer Glimmermine mit seinen Eltern in Madagaskar arbeitet. Seine Familie musste wegen ausbleibendem Regen die Landwirtschaft aufgeben und er ist nun eines von etwa 10.000 Kinder, die im Bergbau arbeiten. Die Glimmerindustrie wird in Madagaskar mit wenig Regulierung betrieben und die Arbeit in den Minen ist für Kinder zu gefährlich.

Kinderarbeit in der Landwirtschaft

Wenn ich an Landwirtschaft denke, denke ich an den Bauernhof meines Onkels und wie ich es früher liebte, die neugeborenen Kälbchen zu füttern. Für 61 Prozent der Betroffenen von Kinderarbeit, die derzeit in diesem Sektor tätig sind, sieht der Alltag jedoch nicht wie ein Urlaub am Bauernhof aus. Die meisten Kinder arbeiten täglich bis zur Erschöpfung, und das für Löhne, die kaum zum Überleben reichen.

Grundsätzlich sind mehr Jungen als Mädchen von Kinderarbeit betroffen. Werden jedoch unbezahlte Arbeit im Haushalt von über 21 Stunden pro Woche dazugezählt, sind es mehr Mädchen als Jungen. Dies ist ein oft unsichtbares Problem.

Wo Kinderarbeit am stärksten verbreitet ist

Besonders betroffen ist weiterhin Sub-Sahara Afrika von Kinderarbeit. Beispielsweise lebt und arbeitet Adama in Sierra Leone und gehört zu 87 Millionen Kindern und Jugendlichen auf dem Kontinent. Obwohl die Zahlen leicht zurückgehen, muss noch eine Menge passieren, um ihr Schicksal zu ändern.

Auch in Asien, Lateinamerika und der Karibik ist Kinderarbeit noch zu stark verbreitet. Außerdem kommt sie ebenfalls im Mittleren Osten, Europa und den USA vor. Laut des Berichts von UNICEF und ILO wurden die meisten Fortschritte in den letzten Jahren in Asien und in Pazifik Regionen erzielt.

Warum gibt es Kinderarbeit?

Der Grund für Kinderarbeit ist meist Armut und damit ist es schwer zu sagen, die Eltern tragen allein die Schuld am Leid ihrer Kinder. Teilweise fehlt auch das Bewusstsein, wie schädlich Kinderarbeit per Definition (unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben) für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist.

Meist spielen aber verschiedene Faktoren zusammen: das nicht vorhandene ausreichende Einkommen der Eltern, krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, ein fehlendes Elternteil oder die Abwesenheit von sozialen Absicherungen durch den Staat.

Verschärft wird die Not abermals durch Wirtschaftskrisen, Konflikte oder Naturkatastrophen, welche vermehrt mit den Auswirkungen von politischer Instabilität und der Klimakrise verbunden sind.

Das Ziel

Das SDG-Ziel 8.7: „Keine Kinderarbeit bis 2025“ wurde offensichtlich verfehlt. Um allen Kindern ihre Rechte in Zukunft sichern zu können, ist es laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unter anderem notwendig, verstärkt in Bildung zu investieren. Strengere Gesetze allein reichen nicht aus, da die Ursachen, wie Armut und fehlende Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten, adressiert werden müssen, um einen langfristigen Unterschied zu bewirken.

Weiter braucht es verschiedenste Akteure, die einen positiven Beitrag zur Lösung des Problems aktiv priorisieren und dazu gehören auch wir. Du und ich.

Was du tun kannst

Wir müssen bei den Produkten, die wir kaufen, kritisch hinterfragen, unter welchen Bedingungen diese hergestellt wurden, da dies einerseits Druck auf Unternehmen aufbaut, sich an die Menschenrechte zu halten, und andererseits ein Signal als Gesellschaft sendet.

Dass wir Kinderarbeit im 21. Jahrhundert nicht mehr akzeptieren und ignorieren, sondern dass wir darauf aufmerksam machen, und für jedes Kind kämpfen, eine Kindheit zu haben.


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