Politik Niederösterreich Meinung

Wie Populismus funktioniert und warum Beteiligung zählt

Profile Image
Volontärin · BRG 4
20.04.2026
4 Min.

Populistische Parteien sprechen viele junge Menschen besonders stark an. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt es aber, ob Jugendliche wählen gehen? Diese Themen besprach campus a college ei einem Online-Meeting mit dem Politikwissenschaftler Laurenz Ennser-Jedenastik von der Uni Wien.

 

Wählen gehen: Es scheint manchmal wenig zu bringen, doch es ist die Grundlage des politischen Mitgestaltens. (Foto: Shutterstock)

„Populismus lebt davon, dass er politische Zusammenhänge stark vereinfacht und als Konflikt zwischen ‚dem Volk‘ und ‚der Elite‘ darstellt.“ Gleich zu Beginn des Online-Meetings mit campus a college bringt Laurenz Ennser-Jedenastik seine zentrale These auf den Punkt. Während die Teilnehmenden zuhören, entfaltet sich daraus Schritt für Schritt ein Bild davon, warum populistische Parteien gerade heute so erfolgreich sein können.

Warum Vereinfachung so wirksam ist

Ennser-Jedenastik erklärt, populistische Parteien würden bewusst auf Vereinfachung setzen. Komplexe politische Prozesse, die oft schwer zu durchschauen sind, würden reduziert und in klare Gegensätze übersetzt. Es entstehe ein Narrativ, in dem „das Volk“ einer „Elite“ gegenüberstehe. Diese Darstellung sei zwar inhaltlich verkürzt, wirke aber gerade deshalb so eingängig. Wer politische Zusammenhänge nicht im Detail verfolge, könne sich so schneller orientieren.

Dabei greifen populistische Parteien laut Ennser-Jedenastik gezielt Themen auf, die viele Menschen unmittelbar betreffen. Zukunftsängste, steigende Lebenshaltungskosten oder Unsicherheiten im Berufsleben seien zentrale Anknüpfungspunkte. Diese Themen würden nicht abstrakt verhandelt, sondern direkt benannt. Gerade junge Menschen fühlten sich davon angesprochen. Die Botschaften seien so formuliert, dass sie schnell verstanden werden können – ohne lange Erklärungen, ohne komplizierte Fachbegriffe.

Emotionen als Schlüssel zur Aufmerksamkeit

Im weiteren Verlauf des Gesprächs betont Ennser-Jedenastik, populistische Kommunikation sei deshalb so erfolgreich, weil sie emotional zugänglich sei. Inhalte würden nicht nur vermittelt, sondern auch spürbar gemacht. Es gehe darum, Gefühle anzusprechen – etwa Angst, Unsicherheit oder auch Wut. Diese emotionale Ebene erleichtere es, Aufmerksamkeit zu gewinnen und Menschen zu erreichen. Gleichzeitig bedeute das aber auch, dass inhaltliche Genauigkeit in den Hintergrund treten könne.

Er erklärt, es gehe in der politischen Kommunikation oft weniger darum, möglichst differenziert zu argumentieren, sondern darum, wie eine Botschaft vermittelt werde. Verständlichkeit spiele eine zentrale Rolle. Wer es schaffe, komplexe Themen einfach darzustellen, habe einen klaren Vorteil im politischen Wettbewerb.

Politik im Format der sozialen Medien

Auch wenn soziale Medien im Gespräch nicht im Detail thematisiert werden, lässt sich beobachten, wie gut diese Form der Kommunikation zu Plattformen wie TikTok oder Instagram passt. Kurze Videos, zugespitzte Aussagen und klare Botschaften prägen dort den Stil. Inhalte müssen innerhalb weniger Sekunden verständlich sein. In diesem Umfeld entfalten vereinfachte und emotional aufgeladene Botschaften eine besondere Wirkung.

Diese Entwicklung lässt sich als Erweiterung dessen verstehen, was Ennser-Jedenastik beschreibt. Wenn politische Inhalte ohnehin vereinfacht werden, passen sie umso besser in Formate, die auf Schnelligkeit und Aufmerksamkeit ausgelegt sind. Populistische Inhalte wirken dadurch oft direkter und persönlicher, während klassische Parteien im Vergleich häufig formeller auftreten.

Zwischen Wirkung und Verantwortung

Aus den Ausführungen Ennser-Jedenastiks ergibt sich, dass Emotionen eine zentrale Rolle in der politischen Kommunikation spielen. Wenn Inhalte vereinfacht werden, entsteht Raum für eine stärkere emotionale Ansprache. Diese sorgt nicht nur dafür, dass Botschaften besser verstanden werden, sondern auch dafür, dass sie im Gedächtnis bleiben.

Gleichzeitig macht Ennser-Jedenastik deutlich, dass politische Kommunikation immer auch Verantwortung mit sich bringt. Vereinfachung könne helfen, Zusammenhänge verständlicher zu machen – sie könne aber auch dazu führen, dass wichtige Aspekte verloren gehen. Entscheidend sei daher, wie diese Mittel eingesetzt werden.

Warum Wählen entscheidend ist

Im weiteren Verlauf richtet sich der Blick auf die Rolle der Wählerinnen und Wähler. Ennser-Jedenastik betont, dass politische Macht in einer Demokratie letztlich vom Volk ausgehe. Diese Aussage gewinnt im Kontext des Gesprächs an Gewicht. Sie macht deutlich, dass politische Entwicklungen nicht nur von Parteien bestimmt werden, sondern auch von den Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger.

Gerade für junge Menschen ergibt sich daraus eine besondere Bedeutung. Wer wählen geht, nimmt Einfluss auf politische Prozesse. Wer nicht wählen geht, überlässt diese Entscheidung anderen.

Wahlrecht ab 16 im Kontext

Auch das Wahlrecht ab 16 ordnet Ennser-Jedenastik in diesen Zusammenhang ein. Seine Einführung sei nicht ausschließlich aus idealistischen Gründen erfolgt, sondern werde von Parteien auch strategisch betrachtet. Junge Wählerinnen und Wähler stellten eine relevante Zielgruppe dar, die politisch angesprochen werden könne.

Gleichzeitig eröffne das Wahlrecht ab 16 die Möglichkeit, früher an politischen Prozessen teilzunehmen. Es verschiebe den Zeitpunkt politischer Mitbestimmung nach vorne – und damit auch die Verantwortung.

Beteiligung als entscheidender Faktor

Ein besonders wichtiger Punkt im Gespräch ist die tatsächliche Wahlbeteiligung. Ennser-Jedenastik erklärt, der Unterschied liege weniger zwischen 16- und 18-Jährigen, sondern vielmehr zwischen jungen und älteren Menschen insgesamt. Jüngere Menschen würden seltener wählen gehen als ältere – und genau das sei entscheidend für die politische Wirkung.

Damit wird klar: Das Recht zu wählen allein reicht nicht aus. Es muss auch genutzt werden. Politische Beteiligung zeigt sich nicht nur in Meinungen oder Diskussionen, sondern auch in konkreten Handlungen.

Frustration und ihre politische Nutzung

Im Gespräch spricht Ennser-Jedenastik auch die Gefahr an, sich aus Frustration von Politik abzuwenden. Ein solcher Rückzug sei keine Lösung. Wer sich nicht beteiligt, verliere Einfluss auf politische Entscheidungen.

Gleichzeitig könnten gerade solche Stimmungen politisch aufgegriffen werden. Hier zeigt sich erneut die Verbindung zu populistischer Kommunikation: Wenn Frustration und Unzufriedenheit bestehen, bieten vereinfachte und emotionale Botschaften eine Möglichkeit, genau diese Gefühle anzusprechen und zu verstärken.

Fazit: Eine Frage der eigenen Haltung

Die Ausführungen von Laurenz Ennser-Jedenastik zeichnen ein klares Bild: Populismus funktioniert über Vereinfachung, klare Gegensätze und emotionale Ansprache. Diese Mechanismen machen politische Botschaften zugänglich – bergen aber auch die Gefahr, Komplexität auszublenden.

Gleichzeitig wird deutlich, dass politischer Einfluss nicht automatisch entsteht. Er hängt davon ab, ob Menschen sich beteiligen, informieren und Entscheidungen treffen.

Am Ende bleibt damit eine offene Frage: Wie gehen junge Menschen mit politischen Botschaften um, die einfach und emotional sind, aber nicht immer die ganze Realität abbilden? Eine mögliche Antwort liegt in der eigenen Beteiligung. Denn wer sich einbringt, schafft die Grundlage dafür, dass Politik nicht nur vereinfacht dargestellt wird, sondern aktiv mitgestaltet werden kann.



Universität Wien Logo

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

Kommentare