Es war ein Nerven aufreibender Fall: Ein Freund war in einen Streit mit seinem Vermieter geraten, der ihm die Wohnung fristlos gekündigt hatte. Die Situation war für ihn sehr belastend, denn er wusste nicht, ob die Kündigung rechtens war und ob er seine Wohnung verlieren würde. Erst durch die Unterstützung eines Anwalts konnte er klären, ob die Kündigung rechtens war. War sie nicht. Mein Freund durfte in der Wohnung bleiben. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass Recht nicht nur aus trockenen Paragrafen besteht, sondern ganz konkret das Leben von Menschen beeinflusst.
Sinnvoller Beruf
Seitdem stelle ich mir immer wieder die Frage: Möchte ich später Rechtsanwältin werden? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Wenn ich an diesen Beruf denke, denke ich weniger an Gerichtsverhandlungen, Aktenberge oder Gesetzestexte, sondern vielmehr an Gerechtigkeit, Verantwortung und schwierige Entscheidungen. Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen begleiten Menschen oft in sehr herausfordernden Situationen ihres Lebens, was den Beruf für mich gleichzeitig spannend und anspruchsvoll macht.
Besonders reizvoll finde ich die argumentative Arbeit und die Möglichkeit, sich für die Rechte anderer einzusetzen. Gleichzeitig bin ich mir aber auch der Schattenseiten bewusst: Der hohe Druck, die große Verantwortung und die oft langen Arbeitszeiten stellen hohe Anforderungen an die persönliche Belastbarkeit. Zudem muss man lernen, mit Konflikten professionell umzugehen und auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.
Meine Haltung gegenüber diesem Beruf ist daher offen. Ich schließe nicht aus, später Rechtsanwältin zu werden, weiß aber, dass dieser Weg viel Engagement, Durchhaltevermögen und Überzeugung erfordert. Umso wichtiger finde ich es, sich früh Gedanken über die eigene Motivation zu machen, denn Recht zu vertreten bedeutet immer auch, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.
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