In wenigen Monaten sitze ich bei der Musterung und werde erfahren, wie meine Zukunft für eine gewisse Zeit aussehen könnte. Genau deshalb beschäftigt mich die Diskussion über eine Verlängerung der Wehrpflicht besonders. Sechs Monate Bundesheer oder neun Monate Zivildienst wirken auf dem Papier überschaubar. Doch wenn man gerade die Schule abschließt, vielleicht studieren oder arbeiten möchte, fühlen sich selbst sechs Monate plötzlich sehr lang an.
Zeitverschwendung?
Freunde von mir sind bereits eingerückt. Einer erzählt, dass er in den ersten Wochen vor allem Disziplin gelernt hat, pünktlich sein, Verantwortung übernehmen, durchhalten. Ein anderer meinte, vieles sei monotone Routine gewesen, Wachdienst, Warten, Wiederholungen. Wenn ich das höre, frage ich mich: Würde eine Verlängerung wirklich mehr Sicherheit bringen oder nur mehr Zeit kosten?
Guten Vorbereitung
Die weltpolitische Lage wirkt unsicherer als noch vor einigen Jahren. Aufrüstung ist in vielen Ländern ein Thema. Grundsätzlich verstehe ich daher das Argument, dass eine fundierte Ausbildung Zeit braucht. Sechs Monate erscheinen mir eher knapp, um militärisch wirklich gut vorbereitet zu sein. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass wir junge Menschen auch Pläne haben. Ein ganzes zusätzliches Quartal kann bedeuten, später mit dem Studium zu beginnen oder ein Jobangebot zu verpassen.
Faire Verteilung
Spannend finde ich die Frage nach einer Wehrpflicht für Frauen. Wenn es um Gleichberechtigung geht, sollte man zumindest offen darüber diskutieren. Pflichten sollten fair verteilt sein. Vielleicht wäre ein gemeinsames verpflichtendes Gesellschaftsjahr, ob militärisch oder sozial, gerechter und sinnvoller.
Für mich ist die Wehrpflicht weder nur Last noch nur Chance. Sie kann beides sein. Ich sehe sie als Möglichkeit, über mich hinauszuwachsen, aber auch als Eingriff in meine persönliche Freiheit. Ob eine Verlängerung sinnvoll ist, hängt davon ab, was in dieser Zeit wirklich vermittelt wird. Wenn sie gut genutzt wird, kann sie ein Gewinn sein. Wenn nicht, bleibt sie Zeit, die uns jungen Menschen fehlt.
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