Ein Kommentar zu einem TikTok-Clip. Ein beleidigendes Meme in einer Instagram-Story. Oder Hunderte von Hassnachrichten unter einem Beitrag. Was man früher vielleicht nur im Schulhof geflüstert hat, ist heute oft dauerhaft im Internet zu finden. Darüber sprach Kommunikationswissenschaftler Jörg Matthes in einem Online-Meeting über Digital Hate.
Im Gespräch wurde schnell klar: Die sozialen Medien sind ein großer Faktor, wenn es um Hate Speech geht. Dank Plattformen wie TikTok, Instagram oder X kann man Inhalte in Sekunden mit Tausenden Leuten teilen. Zugleich glauben viele Nutzerinnen und Nutzer, dass sie im Internet vollkommen anonym seien. Genau das ist oft der Grund, warum Grenzen schneller überschritten werden.
Doch wo endet freie Meinung und wo beginnt strafbarer Hass?
Alles sagen zu dürfen, ist nicht das, was freie Meinungsäußerung bedeutet. In einer Demokratie sind Kritik und Diskussionen wichtig, solange sie respektvoll sind und niemanden beleidigen oder bedrohen. Es wird problematisch, wenn Menschen absichtlich herabgewürdigt, bedroht oder diskriminiert werden. Österreichische Stellen erklären, dass Hassrede Beleidigungen, Mobbing, Drohungen oder sogar Verhetzung umfassen kann und in manchen Fällen strafbar ist.
Im Meeting habe ich Jörg Matthes gefragt: „Welche Verantwortung tragen Plattformen wie TikTok oder Instagram im Umgang mit Hasskommentaren? Müssen die etwas unternehmen oder ist man ganz auf sich allein gestellt?“
Er ließ keinen Raum für Zweifel: Plattformen müssen gegen illegale Inhalte aktiv werden. In erster Linie dürfen strafbare Inhalte wie Mobbing, Gewaltandrohungen oder Verhetzung nicht einfach online bleiben. Es sei jedoch nicht einfach, die richtige Balance zwischen Meinungsfreiheit und Hass zu finden. Es gibt oft Grauzonen, in denen es schwierig ist zu bestimmen, was noch Meinung und was schon Hass ist.
Eines der größten Probleme liegt genau dort. Obwohl viele Plattformen bestimmte Inhalte entfernen, bleibt dennoch vieles online. Österreichische Initiativen gegen Hass im Netz berichten, dass Frauen, Mädchen, LGBTQIA+-Personen und Minderheiten besonders häufig Opfer digitaler Gewalt sind. Es handelt sich dabei oft nicht nur um Einzelkommentare, sondern um gezielte Attacken, Drohungen oder öffentliche Bloßstellungen.
Das hat auch Auswirkungen auf die Demokratie. Menschen, die aus Angst vor der Meinung anderer nicht posten oder sich online zeigen, ziehen sich oft zurück. Experten nennen das „Silencing“. Betroffene reduzieren ihre Stimme im Netz oder verschwinden ganz aus den Diskussionen. Wichtige Stimmen gehen so verloren.
Deshalb ist es besonders wichtig, dass Jugendliche sich ihrer Rechte bewusst sind. Man muss Hass im Netz nicht einfach hinnehmen. Beiträge können gemeldet, blockiert oder angezeigt werden. Es gibt auch Pflichten: Wer selbst online ist, sollte darauf achten, wie man mit anderen spricht.
Außerdem machte Jörg Matthes deutlich, dass digitale Medien nicht per se schlecht sind. Es gilt nur zu lernen, wie man richtig mit ihnen umgeht. Genau das ist oft eine Herausforderung, weil soziale Medien sich extrem schnell wandeln und viele Erwachsene kaum noch mithalten können.
Was tun, wenn man selbst betroffen ist?
Eine wichtige Botschaft kam im Gespräch immer wieder zur Sprache: Beantworte Hass nicht mit Hass. Aggressive Reaktionen von jemandem, der selbst betroffen ist, verschärfen oft die Situation. Es sei besser, ruhig zu bleiben, die Kommunikationsebene zu ändern oder Diskussionen absichtlich zu verlassen.
Denn am Ende gestalten nicht nur die Technologien das Internet, sondern auch die Menschen, die es nutzen. Gerade in Zukunft könnte das Thema noch wichtiger werden. Durch KI-generierte Inhalte, Deepfakes und Algorithmen können Hassbotschaften heute schneller verbreitet werden als je zuvor. Oft reichen wenige Sekunden, damit beleidigende Inhalte tausendfach gesehen und geteilt werden. Genau deshalb wird die Frage, wie man Meinungsfreiheit schützt und gleichzeitig Menschen vor digitalem Hass schützt, in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.
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