Manchmal sitze ich in einer Runde und höre zu, wie andere von ihrer Zukunft erzählen. Dieser will Medizin studieren, jene hat schon den Studienplatz gesichert. Alles klingt so klar, so geplant. Ich nicke, lächle und merke innerlich, dass ich noch gar nicht weiß, wohin mein Weg führt. Es ist ein komisches Gefühl, dieses leise Unbehagen, wenn alle scheinbar wissen, was sie wollen, und man selbst noch sucht.
Der Druck, schon eine Antwort zu haben
Die Frage kommt immer wieder: „Und, was machst du nach der Matura?” Ich atme kurz durch, überlege, antworte irgendwas. Dabei ist die ehrliche Antwort oft: Ich weiß es noch nicht.
Und je öfter ich das höre, diese perfekten Pläne, diese fertigen Lebensläufe desto mehr frage ich mich, ob ich der einzige Mensch bin, der noch keine klare Richtung hat. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich denken viele so. Sie sagen es nur nicht laut.
Ein Jahr, das gehört mir
Ich stelle mir vor, wie es wäre: Ein Flugzeug, zwei beste Freundinnen, Südamerika. Neue Gerüche, fremde Sprachen, Straßen, die ich noch nie gesehen habe. Kein Stundenplan, kein Prüfungsstress, einfach nur Leben.
Ich möchte nicht fliehen. Ich glaube nur, dass wir uns manchmal erst selbst finden müssen, bevor wir wissen, wohin wir wollen. Reisen verändert einen. Es zeigt, was wirklich wichtig ist und was nicht.
Direkt starten oder durchatmen?
Wer bereits weiß, was er studieren möchte, hat einen klaren Vorteil: keine verlorene Zeit, kein Umweg. Das ist absolut legitim. Aber ein Gap Year ist kein Scheitern und kein Umweg, es kann der direkteste Weg zu sich selbst sein. Freiwilligenarbeit, Reisen, Work & Travel: All das lehrt Dinge, die kein Hörsaal je vermitteln kann. Selbstständigkeit, Anpassungsfähigkeit, den Mut, ins Unbekannte zu springen.
Am Ende ist es keine Frage von richtig oder falsch. Es ist eine Frage davon, was man gerade braucht. Ich jedenfalls weiß eines: Bevor ich entscheide, wohin mein Leben geht, möchte ich erst die Welt ein bisschen sehen. Mit meinen besten Freundinnen, irgendwo in Südamerika, wo der nächste Plan noch offen ist.
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