Kultur Kärnten Fakten

Lyriker Christoph Klimke: "Der Papierkorb ist der beste Freund"

Gedichte als Musik, Sehnsucht als zentrales Motiv und eine Schreibmaschine als treuer Begleiter: Bei einer Lesung am Alpen-Adria-Gymnasium Völkermarkt gab der bekannte Autor, Lyriker und Dramatiker Christoph Klimke spannende Einblicke in sein literarisches Schaffen. Im anschließenden Interview sprach er mit uns über seine Schreibprozesse und seine Arbeit fürs Theater.

Gute Literatur ist wie gute Musik oder ein gutes Gespräch. (Foto: Pixabay/popmelon)

Wir Schülerinnen und Schüler des Alpen-Adria-Gymnasiums Völkermarkt hatten kürzlich die besondere Gelegenheit, den Autor, Lyriker und Dramatiker Christoph Klimke persönlich kennenzulernen. Im Rahmen einer Lesung stellte er ausgewählte Gedichte aus seinen letzten drei Lyrikbänden vor und gab uns einen eindrucksvollen Einblick in seine Arbeit als Schriftsteller.

Dabei thematisierte er unter anderem Natur, Sehnsucht, Liebe, Großstadtleben und den Umgang mit Sprache und Klang in der Lyrik. Klimke sprach nicht nur über seine Gedichte, sondern auch über seinen persönlichen Zugang zum Schreiben, seine langjährige Arbeit fürs Theater sowie über den kreativen Prozess hinter literarischen Texten. Besonders betonte er, Gedichte seien wie Musik komponiert und ihre Bedeutung würde sich oft erst durch mehrmaliges Lesen erschließen. Im Anschluss an die Lesung stellte sich Klimke unseren Fragen in einem Interview, in dem er über seine Inspirationen, seinen Schreiballtag, seine Themen und seine vielfältige Tätigkeit als Autor sprach.

Interview mit Christoph Klimke

von Kilian Ziegler-Polanšek & Selina Srienz

Kilian: Herr Klimke, Sie hatten gerade eine Lesung bei uns an der Schule. Wie fanden Sie diese?

Klimke: Ich mache ja öfter Schullesungen und lese dann, je nachdem, was mit der Schule abgesprochen ist, aus meinen Büchern. Heute war das Thema Lyrik und deshalb habe ich aus meinen letzten drei Gedichtbänden vorgelesen und gesagt, welche verschiedenen Themen sich durch alle meine Bücher ziehen, wie zum Beispiel Natur, Liebe, Großstadt Berlin, Fernweh oder so.

Kilian: Wollen Sie vielleicht die letzten drei Bände beim Namen nennen?

Klimke: Ich habe gelesen aus einem Buch, das heißt „Fernweh“ ,ein Lyrikband, dann der zweite heißt „Das Alphabet des Meeres“ und der dritte heißt „Eine Partitur aus Fährten“.

Kilian: Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?

Klimke: Es geht eigentlich durch meine Gedichtbände durch, dass bestimmte Themen meines Lebens und auch gängige Themen der Lyrikliteratur, wie Liebe, Tod, Verlust, Sehnsucht, Träume, Natur, Großstadt, Zukunft, die Zerstörung der Welt, Kriege etc. dort thematisiert werden, weil es mich selbst auch als Leser interessiert. Der Schriftsteller ist immer auch Leser.

Kilian: Was würden Sie sagen, was ist Ihr Lieblingsthema zum Schreiben?

Klimke: Es ist eigentlich tatsächlich egal, zu welchen Themen ich was schreibe, das Thema ist immer eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach etwas, was es vielleicht nicht gibt oder was verloren gegangen ist oder was ich noch nicht entdeckt habe oder was ich irgendwo suche.

Kilian: Haben Sie eine bestimmte Routine beim Schreiben, oder einen bestimmten Ort wo Sie schreiben?

Klimke: Ja, bei Gedichten ist es so, dass du es auch unterwegs machen kannst. Die Leute denken, dass der Dichter sich mit einer Rotweinflasche hinsetzt, und irgendwas wird ihm schon einfallen. Das ist natürlich nicht so. Das ist schon eine Frage der Konzentration und der Überarbeitung. Der Papierkorb ist der beste Freund, weil man viele Fassungen macht, viele kommen auch gar nicht ins Buch, sondern bleiben im Papierkorb oder in irgendwelchen Mappen, wo man denkt, das ist nicht so gelungen sind.

Selina: Wie kommen Sie dazu, immer noch auf der Schreibmaschine zu schreiben?

Klimke: Ich komme natürlich noch aus einer anderen Zeit, wo es keinen Computer gab, und ich habe mir das bewahrt, nicht weil ich zu faul bin, mit dem Computer zu arbeiten, sondern weil ich einfach dieses Instrument der Schreibmaschine und dieses Haptische des Papiers mag. Ich liebe Papier und ich liebe auch diesen komischen Klang von Schreibmaschinen, dieses laute Hämmern und dieses Einspannen des Papiers Ich sammle alte Schreibmaschinen. Ich habe zum Beispiel, ich glaube zu Hause 9 oder 10 Schreibmaschinen, weil ich immer Angst habe, dass meine kaputt gehen.

Kilian: Wieso schreiben Sie nur Auftragsstücke?

Klimke: Das hat sich bei mir so ergeben. Also ich schreibe keine Stücke, wo ich mir ein Thema überlege, lege los und dann schicke ich es an Theater, in der Hoffnung, dass das jemand macht, sondern ich schreibe und ich lebe auch vom Theater. Ich lebe nicht von meinen Büchern. Ich habe inzwischen vielleicht auch einen Namen oder ein Reservoir an Kontakten, dass es Intendanten gibt, die mich anrufen. Und dann schreibe ich für dieses Theater ein Stück und dann bekomme ich ein Auftragshonorar nur fürs Schreiben.

Selina: Würden Sie sagen, Sie haben eine Sache, die Sie am liebsten schreiben, also ein Genre?

Klimke: Ich habe mit der Lyrik angefangen und sie ist auch noch heute meine liebste Gattung.

Selina: Sie hatten ja gestern eine Lesung im Werner Bergmuseum. Wie haben Sie diese gefunden?

Herr Klimke: Mir hat die Lesung sehr gefallen.

Kilian: Es war sehr schön, Sie hier zu haben.

Herr Klimke: Danke.

Verschriftlicht von Kevin Theuermann




Dir gefällt der Artikel?

campus a college-Preis für Schüler*innenjournalismus Melde dich an um abzustimmen.

Kommentare