Zwischen Kontrolle, Geborgenheit und dem, was auf mich abfärbt

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Volontärin · HAK1 Klagenfurt - Handelsakademie & Handelsschule
01.05.2026
4 Min.

Oft sind es nicht die großen Entscheidungen, die etwas über mich verraten, sondern die kleinen Gewohnheiten, die sich im Alltag ständig wiederholen. Der schnelle Blick in meine E Mails, das Schlafen mit Kuscheltieren oder Wörter, die ich von meinem Freund übernehme, wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Aber genau darin zeigt sich, was mir Sicherheit gibt, was mich berührt und wie stark Menschen, die mir nah sind, auf mich wirken.

Kuscheltiere: Wenn sie da sind, fühle ich mich nicht allein. Sie machen etwas mit einem Raum und mit einem Gefühl, das ich gar nicht richtig erklären kann. Es ist einfach sofort gemütlicher, weicher und vertrauter. (Foto: Tchibo)

Ich schaue jeden Tag so oft in meine E Mails. Nicht, weil ich jedes Mal auf etwas ganz Wichtiges warte oder weil ich immer sofort etwas beantworten muss. Es passiert einfach so. In ganz zufälligen Momenten denke ich mir plötzlich: Ich schaue mal in meine E Mails. Dann öffne ich die App und sehe nach, ob etwas Neues da ist.

Manchmal scrolle ich einfach nur durch mein Handy und weiß gerade nicht, was ich anschauen oder machen soll. Ich öffne kurz eine App, schließe sie wieder und lande fast automatisch bei meinen E Mails. Einfach nur kurz schauen. Hat mir jemand geschrieben? Ist etwas Neues gekommen? Auch wenn seit dem letzten Blick wahrscheinlich nichts passiert ist, kontrolliere ich trotzdem noch einmal. Es ist fast so, als bräuchte ich dieses kurze Gefühl von Überblick, auch wenn ich genau weiß, dass ich erst vor Kurzem nachgeschaut habe.

Dieses Bedürfnis, mich in bestimmten Momenten nur dann ruhig zu fühlen, wenn ich etwas kontrolliert habe, kenne ich auch aus anderen Situationen.

Wenn Kuscheltiere für mich mehr sind als nur Deko

Ich liebe es, mit Kuscheltieren zu schlafen. Das ist schon seit ich klein bin so. Für andere sind sie vielleicht einfach nur etwas Kindliches oder nur Deko auf dem Bett. Für mich nicht. Wenn sie da sind, fühle ich mich nicht allein. Sie machen etwas mit einem Raum und mit einem Gefühl, das ich gar nicht richtig erklären kann. Es ist einfach sofort gemütlicher, weicher und vertrauter.

Besonders merke ich das, wenn mein Freund mir ein neues Kuscheltier schenkt. Zuletzt schenkt er mir einen Hasen, weil ich ihn immer Hasi nenne. Und allein dieser Gedanke macht mich schon fertig im besten Sinn. Dass er sich so etwas merkt. Dass er weiß, was mich wirklich glücklich macht. In solchen Momenten fange ich fast an zu weinen, weil es mich so sehr berührt. Nicht nur wegen dem Kuscheltier selbst, sondern weil in so einem Geschenk so viel Liebe steckt. Es ist klein und gleichzeitig fühlt es sich riesig an. Genau dann merke ich, wie viel mir solche Dinge bedeuten, gerade weil sie mir ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit geben.

Auch in Gesprächen mit meinem Freund fällt mir auf, dass Dinge von ihm viel schneller bei mir hängen bleiben, als ich manchmal denke.

Wenn seine Wörter plötzlich auch meine werden

Wenn ich mit meinem Freund rede und er neue Wörter benutzt, färbt das total auf mich ab. Ich merke das oft erst, wenn ich das Wort selbst plötzlich auch sage. Zuletzt sagt er neuerdings immer wieder „cooked“, also in dem Sinn, dass man geliefert ist oder einfach richtig dran ist. Oder auch so etwas wie „digga“, was so viel wie bro, Kumpel oder Freund bedeutet und das er ab und zu sagt. Und ich übernehme das dann einfach.

Er sagt etwas und kurze Zeit später sage ich es ihm schon nach, fast ohne darüber nachzudenken. Es ist nicht so, dass ich mir bewusst vornehme, diese Wörter jetzt auch zu benutzen. Es passiert einfach. Wahrscheinlich, weil ich so viel mit ihm rede und weil mir seine Art zu sprechen so vertraut ist. Irgendwie bleiben seine Wörter bei mir hängen, bis sie dann ganz selbstverständlich aus meinem eigenen Mund kommen. Daran merke ich, wie stark Menschen, die man liebt, nicht nur das Gefühl beeinflussen, sondern sogar die Sprache.

Wenn ich diese drei Situationen zusammendenke, merke ich, dass sie alle etwas gemeinsam haben. Es geht jedes Mal um Nähe und um das, was mir innerlich Sicherheit gibt. Bei den E Mails suche ich Kontrolle und Überblick. Bei den Kuscheltieren suche ich Geborgenheit. Und bei den Wörtern von meinem Freund zeigt sich, wie sehr mich ein Mensch prägt, wenn er mir wirklich nah ist.

Das zeigt mir ziemlich klar, wie ich funktioniere. Ich hänge an Dingen, die mir ein gutes Gefühl geben. Ich kontrolliere lieber noch einmal, statt etwas zu verpassen. Ich halte an kleinen Dingen fest, die mich nicht allein wirken lassen. Und ich nehme mehr von Menschen auf, als ich im ersten Moment vielleicht denke. Gerade bei meinem Freund merke ich, wie sehr Liebe auch in die kleinsten Gewohnheiten hineinwirkt.

Was für mich hängen bleibt, ist deshalb ziemlich eindeutig: Ich bin jemand, der stark auf Gefühl, Vertrautheit und Nähe reagiert. Das ist nichts, was ich verstecken oder kleinreden muss. Im Gegenteil. Es zeigt mir, was mir wichtig ist. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich nicht jede kleine Unruhe sofort mit Kontrolle beantworten muss. Ich muss nicht ständig nachsehen, ob etwas Neues da ist. Aber ich darf genauso anerkennen, dass Geborgenheit für mich etwas sehr Echtes ist und dass Menschen, die ich liebe, Spuren in meinem Alltag hinterlassen.

Genau das nehme ich aus diesen Beobachtungen mit. Ich erkenne immer deutlicher, was mich beruhigt, was mich glücklich macht und was auf mich abfärbt. Und gerade in solchen kleinen Alltagssituationen merke ich am deutlichsten, wie ich wirklich ticke.




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