Wenn mein Bildschirm sauber sein muss, bevor ich anfangen kann
Ich sitze vor meinem MacBook und will eigentlich einfach anfangen. Einen Text schreiben, für die Schule lernen oder Netflix schauen, zum Beispiel meine Lieblingsserie The Blacklist. Aber bevor ich überhaupt richtig loslege, bleibt mein Blick schon am Bildschirm hängen. Da ist ein Fingerabdruck. Dann noch einer. Vielleicht ein kleiner Fleck, den andere gar nicht beachten würden. Ich aber schon. Sofort denke ich: Nein, so kann ich das nicht anschauen. So kann ich mich nicht konzentrieren.
Dann hole ich ein Tuch, wische den Bildschirm ab, schaue noch einmal genau hin und drehe ihn leicht, damit ich sehe, ob wirklich alles sauber ist. Erst dann setze ich mich richtig hin. Erst dann fühlt es sich so an, als könnte ich anfangen. Es geht dabei nicht nur um Sauberkeit. Es ist eher dieses Gefühl, dass zuerst alles stimmen muss, bevor ich meinen Kopf auf eine Sache richten kann. Solange mich so etwas Kleines stört, bleibe ich daran hängen.
Wenn ich Lernen so lange aufschiebe, bis es fast zu spät ist
Ich weiß genau, dass ich lernen sollte. Für die BWR Matura. Für die Mathe Matura. Und trotzdem sage ich mir immer wieder: Ich mache es später. Morgen reicht auch noch. Heute bin ich zu müde. Heute bringt es eh nichts mehr. Also schiebe ich es weiter weg, obwohl ich genau weiß, dass es dadurch nicht besser wird.
Das war schon früher so. In der 4. Klasse habe ich eine BWR Schularbeit so lange aufgeschoben, bis ich erst in der Nacht davor anfange. Eigentlich hätte das komplett schiefgehen können. Trotzdem schaffe ich irgendwie noch einen 2er. Genau das bleibt dann hängen. Nicht der Stress, nicht das schlechte Gefühl davor, sondern dieser Gedanke: Es ist ja eh noch einmal gut gegangen. Und vielleicht ist genau das ein Teil des Problems.
Denn jetzt merke ich, wie ich wieder in dieses Muster rutsche. Bei der BWR Matura, bei der Mathe Matura, bei Dingen, die eigentlich viel zu wichtig sind, um sie einfach wegzuschieben. Es ist mir nicht egal. Eher das Gegenteil. Gerade weil es wichtig ist, mache ich innerlich so einen Druck daraus, dass ich lieber noch kurz nicht anfange. Aber dieses Später wird nie leichter. Es wird nur enger. Aus einem Ich mache es später wird irgendwann ein Warum habe ich nicht längst angefangen?
Wenn Bargeld sich nicht nach echtem Ausgeben anfühlt
Mir fällt auf, dass ich mit Bargeld ganz anders umgehe als mit dem Geld auf meinem Konto. Wenn ich bar zahle, fühlt es sich viel weniger so an, als würde ich gerade wirklich Geld verlieren. Dann kaufe ich mir eher auch einmal teurere Sachen, zum Beispiel ein Louis Vuitton Wallet oder ein neues MacBook, weil ich diesen Verlust nicht direkt vor mir sehe. Ich gebe das Geld zwar aus, aber ich sehe nicht schwarz auf weiß, wie plötzlich 500 oder 1200 Euro weg sind.
Auf meinem Konto ist das ganz anders. Dort ist alles genau aufgelistet. Da steht dann klar minus 500. Minus 1200. Und genau das trifft viel härter. Viel direkter. Am Konto wirkt Geld realer, weil ich die Zahl sehe und weil sie bleibt. Bargeld verschwindet einfach aus der Hand. Auf dem Konto bleibt der Verlust stehen. Vielleicht gehe ich genau deshalb mit Bargeld lockerer um, obwohl es am Ende natürlich dasselbe Geld ist.
Wenn ich diese drei Situationen zusammendenke, merke ich, dass sie alle etwas gemeinsam haben. Es geht jedes Mal darum, wie stark mein Gefühl meinen Alltag mitbestimmt. Beim MacBook brauche ich Ordnung, bevor ich mich konzentrieren kann. Beim Lernen schiebe ich etwas weg, obwohl ich weiß, dass es wichtig ist. Und beim Geld entscheide ich nicht nur nach Zahlen, sondern auch danach, wie real sich ein Verlust in dem Moment anfühlt.
Das zeigt mir ziemlich klar, wie ich funktioniere. Ich nehme Dinge nicht einfach sachlich hin. Ich reagiere stark auf das, was etwas in mir auslöst. Ein unsauberer Bildschirm stört mich sofort. Lernen wird in meinem Kopf zu etwas, das ich wegschiebe, bis es mich fast einholt. Und Geld fühlt sich für mich nicht immer gleich an, nur weil am Ende derselbe Betrag dahintersteht.
Was bei mir hängen bleibt, ist deshalb ziemlich eindeutig: Ich darf mich nicht immer von meinem ersten Gefühl steuern lassen. Ich muss nicht warten, bis alles perfekt ist, um anzufangen. Ich kann wichtige Dinge nicht ewig vor mir herschieben und dann hoffen, dass es schon irgendwie wieder gut geht. Und ich darf mir bei Bargeld nichts vormachen. Es ist nicht weniger wert, nur weil ich den Betrag nicht direkt am Konto sehe.
Genau das nehme ich aus diesen Beobachtungen mit. Ich erkenne diese Muster inzwischen schnell. Und gerade deshalb will ich bewusster mit ihnen umgehen. Nicht alles muss sich zuerst richtig anfühlen, damit ich beginne. Nicht alles darf ich auf später verschieben. Und nicht jede Ausgabe wird harmloser, nur weil sie nicht digital vor mir aufscheint.
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