Werbung in sozialen Medien beeinflusst unser Denken unbewusst. Früher war sexistische Werbung weit verbreitet, doch auch heute gibt es problematische Beispiele, wie eine Dr. Oetker-Werbung aus dem Jahr 2018, in der es heißt: “Back deinen Mann glücklich, auch wenn er eine zweite Liebe hat.”
Solche Botschaften verankern frauenfeindliche Werte tief in uns. Frauen sollen laut Gesellschaft harmonisch und leise sein, während laute Frauen abgewertet werden. Feminismus wird oft negativ gesehen, obwohl es um Gleichberechtigung geht. Selbst Frauen haben unbewusst frauenfeindliche Denkmuster übernommen, was die Gleichberechtigung ebenfalls blockiert. Das ganze klingt einfacher als es ist, aber diese Strukturen sind so tief in uns verankert, dass wir sie nur durchbrechen können, wenn wir reflektieren und an uns arbeiten.
Zwischen Klischee und Realität
Wir werden von klein auf in die Erwartungshaltungen der „Erwachsenenwelt“ geworfen. Als Frau sollte man nicht schreien, keinen Kampfsport ausüben, sich mädchenhaft anziehen, im Haushalt helfen und noch so viel mehr. Als Mann sollte man stark sein, nicht weinen oder auch nur irgendeine Emotion zeigen, nicht über seine Gefühlswelt reden oder auch nur einen Gedanken daran verschwenden, im Haushalt zu helfen. Klingt das klischeehaft? Natürlich tut es das, dennoch entspricht diese vereinfachte Aufzählung unserer Realität.
Was würde passieren, wenn wir diese Normen durchbrechen? Wenn Männer Emotionen zeigen und über Gefühle reden und dazu zu gleichen Teilen Care-Arbeit übernehmen, sodass Frauen mehr arbeiten können und der nicht vorhandene Kinderwunsch respektiert wird? Gleichberechtigung und eine Gesellschaft, in der sich alle ein bisschen wohler fühlen.
Falsche Schlussfolgerungen
Wer jetzt denkt: „Ja, aber viele Männer übernehmen doch schon große Teile der Care-Arbeit“, den muss ich leider enttäuschen. Mehrere Studien im deutschsprachigen Raum ergaben, dass Frauen neben ihrer Berufstätigkeit zwei Drittel der Care-Arbeit und doppelt so viel Haushalt erledigen wie Männer. Vergleicht man das nun mit der Aussage aus männlicher Sicht, die Hälfte zu machen oder diese Aufgaben fifty-fifty aufgeteilt zu haben, ergibt sich ein ernüchterndes Ergebnis.
Wenn man dann noch den Fakt erwähnt, dass Frauen mit Kindern aufs Leben gerechnet 40 bis 70 Prozent weniger verdienen als Männer, wird klar: Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir stehen sollten. Denn auch wenn die meisten wissen, dass Frauen immer noch wesentlich mehr leisten müssen, verändert sich alles nur schleichend.
Wieso?
Wegschauen ist einfach
Die harte Wahrheit ist: Für Männer ist es gemütlicher, wegzuschauen, denn es wäre ja Arbeit, etwas zu verändern und zu übernehmen. Und auch wenn viele das leugnen würden, ist es insgeheim vielleicht doch anders. Aber Frauen spielen auch eine Rolle, zum einen, weil sie es nicht einfordern. Das kann mehrere Gründe haben: keine Energie mehr, noch mit dem Partner darüber zu streiten, wenn er diesbezüglich keine Einsicht hat, oder weil es uns so sehr anerzogen wurde, dass wir es gar nicht anders kennen. Und das ist der Knackpunkt.
Denn zum anderen haben Frauen in den meisten Fällen leider immer noch am meisten mit der Erziehung der Kinder zu tun. Allerdings ist es falsch zu sagen, dass Frauen alleine „schuld“ sind, wenn die Kinder diese Strukturen übernehmen, denn Väter sind ein lebendes Vorbild, sowohl bei der Care-Arbeit und beim Haushalt, als auch bei der Kindererziehung. Wenn der Vater mit gutem Beispiel vorangeht und den Kindern beibringt, wie wichtig es ist, nicht nur zu helfen, sondern sich darum zu kümmern, verändert man die veraltete Sicht, die man selbst hat, auf eine neue.
Wenn wir unseren Söhnen von Anfang an – genau gleich wie wir es bei Mädchen tun – beibringen, wie man im Haushalt hilft, verändert man die veraltete Sicht, die man selbst hat, auf eine neue. Diese Kinder finden sich nicht in Partnerschaften, die derart unausgeglichen sind, und wehren sich auch gegen dieses sexistische Bild.
Wenn wir unbewusst frauenfeindliche Denkmuster verinnerlicht haben, merken wir dann überhaupt, wenn wir uns sexistisch verhalten?
Sprache ist mächtig. Sie prägt, wie wir denken und wie wir andere sehen. Doch obwohl viele versuchen, sexistische Ausdrücke im Alltag zu vermeiden, sind tief verwurzelte Stereotype nach wie vor präsent. Eine Umfrage der Sprachplattform Babel zeigt, dass Begriffe, die wir oft unbewusst verwenden, noch immer sexistische Züge tragen. Ein Beispiel dafür ist das Wort "Powerfrau".
Zunächst klingt es positiv, weil es erfolgreiche Frauen beschreibt. Doch es impliziert, dass eine Frau erst durch außergewöhnliche Leistungen als "wertvoll" gilt. Es setzt Frauen also unter Druck, immer mehr leisten zu müssen, um Anerkennung zu finden. Es ist wichtig, diese Begriffe zu hinterfragen und zu reflektieren, was sie wirklich aussagen. Fehler sind dabei menschlich. Der Schlüssel liegt in der ständigen Auseinandersetzung und der Bereitschaft zur Veränderung.
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