Manchmal sitze ich in meinem Zimmer, schaue mich um und frage mich, wie es sein kann, dass ich bald mit der Schule fertig bin. Auf meinem Schreibtisch liegen Lernzettel für die Abschlussprüfungen, daneben noch alte Fotos von früher – vom ersten Schultag, mit viel zu großem Rucksack und zwei Zöpfen. Irgendwie fühlt es sich an, als wäre das gestern gewesen. Und doch muss ich jetzt - nach 13 Jahren - eine Entscheidung treffen.
Alle fragen mich gerade das Gleiche: „Und, was machst du nach der Schule?“ Ich antworte meistens: „Ich möchte studieren.“ Und das stimmt auch. Ich habe Pläne, Träume und Ziele. Ich möchte etwas erreichen, meinen eigenen Weg gehen und später einmal auf eigenen Beinen stehen. Aber wenn ich ehrlich bin, kommt nach diesem Satz immer ein leises „… aber“.
Aber ich bin noch nicht bereit auszuziehen.
Nicht bereit, mein Zuhause einfach hinter mir zu lassen.
Nicht bereit, plötzlich ganz erwachsen zu sein.
Nicht bereit, auf eigenen Füßen zu stehen und für mich selber verantwortlich zu sein.
Zuhause bedeutet Sicherheit.
Zuhause bedeutet, dass meine Eltern in der Küche sitzen, dass ich nicht alles alleine entscheiden muss, dass jemand da ist, wenn ein Tag schlecht war. Der Gedanke, in eine andere Stadt zu ziehen, vielleicht in eine kleine Wohnung, ganz alleine – das macht mir Angst. Nicht, weil ich es mir nicht zutraue. Sondern weil ich mich innerlich noch nicht ganz erwachsen fühle.
Manchmal denke ich, ich müsste schon viel reifer sein. Selbstständiger. Klarer in meinen Entscheidungen. Doch dann merke ich: Vielleicht ist genau dieses Zweifeln ein Teil vom Erwachsenwerden. Ich stehe gerade zwischen zwei Welten. Nicht mehr ganz Kind – aber auch noch nicht ganz erwachsen.
Ich weiß, dass ich studieren will.
Ich weiß, dass ich meinen Weg finden werde.
Aber vielleicht muss ich nicht alles auf einmal schaffen. Vielleicht darf ich mir Zeit lassen. Erwachsenwerden passiert nicht an einem bestimmten Tag. Es ist ein Prozess.
Und vielleicht bedeutet Erwachsensein nicht, keine Angst mehr zu haben – sondern den nächsten Schritt trotzdem zu gehen, auch wenn man sich noch ein bisschen wie das Mädchen mit dem viel zu großen Rucksack fühlt.
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