Zwischen Gewohnheit und innerem Dranbleiben

Profile Image
Volontärin · HAK1 Klagenfurt - Handelsakademie & Handelsschule
22.04.2026
4 Min.

Oft sind es nicht die großen Entscheidungen, die etwas über einen verraten, sondern die kleinen Dinge, an denen man im Alltag immer wieder hängen bleibt. Eine Überraschung, die man sofort ganz auflösen will, ein unaufgeräumtes Zimmer oder der Griff zur immer gleichen Marke zeigen, wie stark Gewohnheiten, Bedürfnisse und innere Unruhe das eigene Denken mitbestimmen.

Unsere Einkaufsgewohnheiten verraten einiges über uns (Foto: jsylatorre95 via Pixabay)

Wenn ich eine Überraschung einfach nicht aushalte

Mein Freund sagt zu mir, dass er eine Überraschung für mich hat. Eigentlich müsste ich mich einfach freuen und abwarten. Aber genau das schaffe ich nicht. Sofort geht es in meinem Kopf los. Was ist es? Hat er etwas gekauft? Hat er etwas vorbereitet? Ich frage nach. Dann nochmal. Und nochmal. Komm, sag es einfach. Bitte nur einen kleinen Tipp.

Irgendwann verrät er mir, dass er überall in meinem Zimmer kleine Zettelchen mit süßen Worten für mich versteckt hat. Eigentlich ist das schon wunderschön genug. Aber selbst dann kann ich nicht aufhören. Dann will ich auch wissen, wo jedes einzelne ist. Ich suche, frage weiter und lasse nicht locker, bis er mir verrät, wo alle versteckt sind. Dieses Nichtwissen halte ich einfach nicht aus. Sobald ich weiß, dass da noch etwas auf mich wartet, will ich es auch finden.

Dieses Gefühl, etwas nicht einfach offenlassen zu können, kenne ich auch aus ganz anderen Situationen.

Wenn Unordnung mich sofort aus dem Kopf bringt

Ich setze mich hin, weil ich eigentlich Bewerbungen schreiben muss. Ich weiß, dass ich mich konzentrieren sollte, weil ich den Text formulieren, auf die richtigen Wörter achten und alles ordentlich machen will. Aber dann fällt mein Blick auf mein Zimmer. Da liegt noch etwas auf dem Sessel, am Schreibtisch liegt Zeug herum und irgendwo steht vielleicht noch ein Glas. Sofort denke ich: Nein, so geht das nicht. So kann ich mich nicht konzentrieren.

Dann fange ich an aufzuräumen. Ich lege Kleidung weg, richte Dinge gerade und räume alles an seinen Platz. Eigentlich wollte ich längst mit den Bewerbungen anfangen, aber ich merke, wie die Unordnung mich die ganze Zeit stört. Erst wenn alles ordentlich ist, wird es auch in meinem Kopf ruhiger. Dann habe ich das Gefühl, mich endlich hinsetzen und wirklich anfangen zu können.

Auch beim Einkaufen zeigt sich dieses Festhalten an dem, was sich für mich richtig anfühlt.

Wenn ich immer wieder zur selben Marke greife

Ich gehe einkaufen und habe Lust auf Chips. Eigentlich stehen da genug verschiedene Marken. Pringles, Clever und noch andere. Aber mein Blick geht fast automatisch immer zu Kelly’s. Ohne lang zu überlegen, greife ich genau dorthin. In meinem Kopf ist sofort dieser Gedanke: Nein, ich will genau die. Die anderen sprechen mich gar nicht richtig an.

Vielleicht schmecken sie auch gut, aber ich habe trotzdem gar keine Lust, etwas anderes auszuprobieren. Wenn ich einmal etwas gefunden habe, das ich mag, bleibe ich dabei. Dann will ich genau diese Marke und nicht irgendeine andere. Es geht dann nicht nur darum, dass ich Chips will, sondern genau diese Chips. Alles andere fühlt sich in dem Moment einfach nicht richtig an.

Gewohnheiten verraten einiges über uns

Wenn ich diese drei Situationen zusammendenke, merke ich, dass sie alle etwas gemeinsam haben. Ich bin jemand, der Dinge nicht einfach nur halb will. Wenn mich etwas beschäftigt, dann richtig. Wenn mich etwas stört, dann sofort. Und wenn ich etwas mag, dann bleibe ich auch dabei. Bei der Überraschung will ich unbedingt alles wissen. Bei meinem Zimmer brauche ich Ordnung, damit ich mich überhaupt konzentrieren kann. Und beim Einkaufen greife ich lieber zu dem, was ich kenne und mag, statt lange herumzuprobieren.

Das zeigt mir ziemlich klar, wie ich ticke. Ich brauche Klarheit, Ordnung und Verlässlichkeit. Ich will Dinge nicht nur ungefähr wissen, sondern ganz. Ich will nicht nur ein bisschen Ruhe, sondern ein Umfeld, in dem ich wirklich denken kann. Und ich entscheide mich oft nicht für das Neue, sondern für das, was sich für mich bewährt hat.

Das ist nicht nur eine Schwäche. Es sagt auch etwas darüber aus, was mir wichtig ist. Ich nehme Dinge ernst, ich bleibe an ihnen dran und ich merke sofort, wenn etwas für mich nicht passt. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass mich genau das manchmal unnötig unter Druck setzt. Ich muss nicht jede Überraschung sofort auflösen. Ich muss nicht jeden Moment perfekt ordnen. Und ich muss nicht immer automatisch zum Vertrauten greifen.

Genau das nehme ich aus diesen Beobachtungen mit: Diese Seiten gehören zu mir, aber ich kann lernen, gelassener mit ihnen umzugehen. Gerade in solchen kleinen Alltagssituationen merkt man oft am besten, wie man wirklich ist und woran man noch wachsen kann.



Kommentare