Jedes Jahr kommen knapp 200 Staaten für zweiwöchige Verhandlungen im Rahmen der Weltklimakonferenz zusammen. Vor Ort sind jedoch nicht nur Staats- und Regierungschefs, sondern auch NGOs und Aktivistinnen und Aktivisten. Insgesamt nahmen heuer rund 50.000 Personen teil.
Die diesjährige COP30 fand in Belém, Brasilien, statt. Dieser Ort wurde vom brasilianischen Präsidenten ausgewählt, da er als bedeutender Natur-Hotspot gilt. Zudem hat Belém eine wichtige symbolische Funktion, denn diese Region des Amazonas-Regenwaldes ist stark von den Folgen der Klimakrise betroffen.
Zentrale Verhandlungsthemen
Jedes Jahr stehen verschiedene Themen auf der Agenda. Eines der größten Themen in diesem Jahr war der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen – ein Punkt, der bereits in den vergangenen Jahren intensiv diskutiert wurde. Rund 30 Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kolumbien und Österreich, forderten den Ausstieg. Besonders die Inselstaaten, die durch den steigenden Meeresspiegel bedroht sind, unterstützten dieses Vorhaben.
Allerdings gab es auch Länder, die dem Thema skeptisch gegenüberstanden, darunter China, Indien und Russland. Diese Industrienationen äußerten Einwände und Bedenken, was schließlich dazu führte, dass der Beschlussentwurf am offiziell letzten Konferenztag keinen Plan für die Abkehr von fossilen Brennstoffen mehr enthielt.
Reaktionen von Politikerinnen und Politikern
Da fossile Energien laut der französischen Ministerin Monique Barbut für mehr als 80 Prozent des Klimawandels verantwortlich sind, rückt das 1,5-Grad-Ziel ohne einen klaren Ausstiegsplan in weite Ferne. Viele Politikerinnen und Politiker sowie NGOs zeigten sich daher enttäuscht über die fehlende Einigung.
„Dies reicht nicht annähernd an die Ambition heran, die wir bei der Emissionsminderung brauchen“, sagte EU-Kommissar Wopke Hoekstra. Die österreichische EU-Abgeordnete Lena Schilling (Grüne), die ebenfalls in Belém anwesend war, zeigte sich besorgt: „Niemand kann ernsthaft erwarten, dass wir den Kampf gegen die Klimakrise gewinnen, wenn wir ausgerechnet den Kern des Problems – den Ausstieg aus der fossilen Ära – ausklammern.“
Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) war nach eigenen Angaben aus Termingründen bereits abgereist. Seine Einschätzung übermittelte er schriftlich: Es wirke so, als würde Klimaschutz nur auf den Schultern der EU und einiger weiterer westlicher Staaten liegen – das sei nicht akzeptabel. Zudem erklärte er: „Einige Staaten scheinen noch nicht verstanden zu haben, dass es bei einem Klimagipfel in erster Linie um die Reduktion von Treibhausgasen und den Umstieg auf erneuerbare Energien geht.“
Verlängerung & Einigung
Die Konferenz wurde – wie bereits mehrfach in den vergangenen Jahren – verlängert, diesmal um mehr als 19 Stunden. Das liegt vor allem daran, dass eine Einigung zwischen knapp 200 Staaten äußerst schwierig ist. Zusätzlich kam es heuer zu einer Unterbrechung durch einen Brand auf dem Gelände.
Am Ende wurden dennoch einige Beschlüsse gefasst:
- Reichere Länder wollen ihre Klimahilfen für ärmere Staaten an die Folgen des Klimawandels anpassen und bis 2035 verdreifachen.
- Maßnahmen zur Beschleunigung des Klimaschutzes wurden festgelegt.
- Eine Überprüfung von Handelsbarrieren soll stattfinden.
- Brasilien hat einen freiwilligen Regenwaldfonds geschaffen, der Staaten belohnen soll, die den Tropenwald erhalten.
Kritik
Wie jedes Jahr gab es auch Kritikpunkte. Der Austragungsort sei „zu abgelegen, zu schwer erreichbar“. Auf Anordnung der brasilianischen Regierung wurde eine vierspurige Autobahn gebaut, die durch ein geschütztes Gebiet des Amazonas-Regenwaldes führt. Die offizielle Begründung: Es handle sich um eine nachhaltige Mobilitätsmaßnahme, die den Verkehr in der Stadt entlaste.
Weitere Kritik bezog sich auf die Unterkünfte: Die Preise für Hotels seien zu hoch gewesen. Daher wurden Besucherinnen und Besucher in Kreuzfahrtschiffen untergebracht, die als zusätzliche Unterkünfte dienten – allerdings mit einem sehr hohen CO₂-Ausstoß verbunden.
Zusammenfassung und Ausblick
Viele hatten gehofft, dass die COP30 einen klaren globalen Plan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas beschließt. Dass dies nicht gelungen ist, führte zu Enttäuschung bei vielen Teilnehmenden. Dennoch wurden einige neue Initiativen beschlossen, die zum Klimaschutz beitragen sollen. Vielleicht gelingt bei der nächsten Weltklimakonferenz eine klare gemeinsame Strategie. Die COP31 wird im November 2026 in Antalya, Türkei, stattfinden. Den Vorsitz wird Australien übernehmen.
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