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Zwischen den Boxen: Meine Suche nach einer Identität zwischen Mann und Frau

Ein persönlicher Einblick in die Herausforderungen einer Generation, die traditionelle Geschlechterrollen hinterfragt und nach neuen Definitionen von Identität sucht. Während manche Menschen problemlos in gesellschaftliche Rollen schlüpfen, müssen sich andere verbiegen, um in die Kategorien "Mann" oder "Frau" zu passen.

Ist Idenität wirklich schwarz-weiß? Für mich reicht so eine einfältige Einteilung nicht aus! (Foto: Tim Mossholder)

Schon von klein auf haben mich Fragen über mein Geschlecht und welche Rolle ich einnehmen soll geplagt. „Wer soll ich sein?“ „Wie muss ich mich als Mädchen verhalten?“ „Was ist überhaupt ein Mädchen?“ Heute stehe ich, mit 18 Jahren, noch immer vor diesen Fragen. Die Antwort darauf fällt mir schwerer denn je.

Unser Leben lang bemühen wir uns, in Boxen zu passen. Für manche ist das leicht. Alle Boxen wirken auf sie riesengroß. Genug Platz, um sich in ihnen problemlos auszuleben. Andere müssen sich für manche Boxen geradezu ihrer Gliedmaßen entledigen, um auch nur hoffen zu können, in bestimmte Boxen zu passen. Eine dieser „Boxen“ ist der Begriff „Frau“.

Was ist überhaupt eine Frau? Rasch führt diese Frage in ein „boxenartiges“ Terrain. Wir bewerten, betiteln Eigenschaften und Verhaltensweisen als weiblich. Ein Geschlecht erhält ganz salopp Verhaltensmuster zugeordnet. Das schränkt ein. Gewisse Dinge sollen Frauen machen, andere wiederum sind ihnen verboten.

Doch Erscheinungsbilder und Interessen sind individuell. Dabei ist es egal, was für ein Geschlechtsorgan sich bei Menschen zwischen den Beinen befindet. Zudem ist die Frage, was für bestimmte Geschlechter normal oder angemessen wäre, unsinnig. Jeder Mensch entwickelt selbstständig eine eigene Identität. Die Identität ist persönlich und lässt sich oft gar nicht wirklich in Worte fassen. Deshalb sollte jeder Mensch selbst festlegen, welche Pronomen andere beim Sprechen über ihn verwenden und mit welchem Namen sie ihn ansprechen.

Trotzdem bewerten unzählige Menschen täglich die Identität anderer. Sogar die Regierung tut das. Eine Namensänderung ohne Personenstandsänderung, also die Änderung des Geschlechtseintrages, kostet 16-mal so viel wie mit dieser Änderung. Logisch gesehen macht das keinen Sinn. Woher nimmt die Regierung das Recht, Beweggründe für eine Namensänderung als wesentlicher oder unwesentlicher zu behandeln? Schließlich ist ein Name etwas sehr Persönliches. Etwas, was nur den angesprochenen Menschen selbst betrifft. Etwas, bei dem niemand anderes mitreden sollte.

Geschlechtsidentität ist ein Spektrum. Für viele Menschen lässt es sich nicht auf die Begriffe „Frau“ und „Mann“ einschränken. Rechtlich gesehen ist es trotzdem nur intersexuellen, also Menschen, welche körperliche Geschlechtsmerkmale von beiden Geschlechtern aufweisen, erlaubt, sich als „divers“ zu definieren. Falls dann ein Mensch rechtlich gesehen eine Frau ist, aber den Genderkonformitäten nicht entspricht, kritisieren wir das genauso. Passt ein Mensch nicht in eine gewisse Box, muss er fast schon mit Diskriminierung rechnen.

Wir sollten die Box namens Frau erweitern. Raum bieten für Menschen wie mich, die vielleicht nur mit einem Fuß drinstehen und ihren Arm in einer anderen haben. Den Begriff „Frau“ sollten wir nicht so eng sehen. Keine strikten Einhaltungen der Rahmenbedingungen verlangen. Für manche ist eben eine Box einfach zu klein. Meine Identität ist nicht schwarz oder weiß. Auf die Frage „Bist du eine Frau?“ ist die Antwort weder ein Ja noch ein Nein. Ist denn wirklich kein Platz für ein Vielleicht?








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Kommentare

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    am 09.02.2026 Johanna Wagmeier
    Ich fände es schön, wenn wir die Boxen überhaupt aufgeben würden. Wofür brauchen wir sie eigentlich?
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      vor 3 Wochen Jay Eichberger
      Gute Frage, evolutionär gesehen hat solch ein Boxendenken sicher einen Vorteil gehabt, aber ich finde es ist an der Zeit, dass wir so etwas hinter uns lassen.

      Vermutlich wäre das lockere sehen dieser Boxen nur der erste Schritt, da wir als Gesellschaft noch nicht ganz bereit sind diese komplett aufzugeben.