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Zwei verschossene Elfmeter kosten Rapid Millionen

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
27.08.2026
4 Min.

Rapid Wien ist nach einem dramatischen Abend gegen Heart of Midlothian aus der Conference-League-Qualifikation ausgeschieden. Sportlich fehlt damit ein großes Saisonziel. Finanziell wiegt das Aus noch schwerer: Geschätzte sieben Millionen Euro Bruttoeinnahmen fallen weg. Jetzt könnte sich sogar der Kader verändern.

Rapid scheitert im Elferschießen gegen Heart of Midlothian und verpasst damit die Ligaphase der Conference League. Das Bild wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt und zeigt die Szene symbolisch. (Foto: Künstliche Intelligenz )

Marco Tilio läuft zum Elfmeterpunkt. Rapid braucht seinen Treffer, um im Elferschießen gegen Heart of Midlothian im Rennen um die Conference League zu bleiben. Der Australier schießt, Hearts-Torhüter Beau Reus hält. Wenige Sekunden später ist Schluss. Rapid ist draußen.

Dabei hatte es kurz davor noch nach einer Rettung ausgesehen. Rapid lag im Play-off-Rückspiel gegen den schottischen Vizemeister 1:2 zurück, obwohl Hearts seit der 76. Minute nur noch zu zehnt spielte. In der 119. Minute erzielte Nenad Cvetković das 2:2. Im Elferschießen scheiterten schließlich Moulaye Haidara und Tilio.

Für Rapid endet damit am 26. August die internationale Saison, bevor die eigentliche Ligaphase überhaupt begonnen hat. Das kostet den Verein weit mehr als sechs zusätzliche Europacup-Abende.

Sieben Millionen Euro sind weg

Der Einzug in die Ligaphase hätte Rapid nach Schätzungen insgesamt rund sieben Millionen Euro Bruttoeinnahmen bringen können. Allein die fixe UEFA-Prämie für die Teilnahme beträgt 3,17 Millionen Euro. Dazu wären Einnahmen aus Heimspielen sowie mögliche Prämien für Siege, Unentschieden und die Platzierung gekommen.

Wie wichtig diese Einnahmen für Rapid sein können, zeigte bereits die Saison 2024/25. Damals erreichten die Wiener das Viertelfinale der Conference League. Allein von der UEFA kamen rund 11,5 Millionen Euro. Mit Ticketverkäufen und weiteren Einnahmen brachte die Europacupsaison dem Verein deutlich höhere Summen.

Im selben Geschäftsjahr erzielte Rapid erstmals einen Umsatz von über 60 Millionen Euro. Die Europacupspiele waren ein wichtiger Grund dafür. Ein ausverkauftes internationales Heimspiel kann laut damaligen Berechnungen rund eine Million Euro brutto einbringen. Davon müssen zwar Kosten für Sicherheit, Organisation, Reisen und Spielerprämien bezahlt werden. Trotzdem ist der Europacup für Rapid ein bedeutendes Geschäft.

2026/27 fällt dieses Geschäft nun weitgehend weg.

Ein Kader für Spiele, die es nicht gibt

Das könnte Folgen haben, die Fans schon in den kommenden Tagen bemerken.

Rapid hat seinen Kader auch mit Blick auf eine Saison zusammengestellt, in der bis mindestens Dezember regelmäßig internationale Spiele stattfinden sollten. Mit Conference League wären zur österreichischen Bundesliga und zum ÖFB-Cup sechs Ligaphasenspiele in Europa gekommen.

Diese Spiele gibt es jetzt nicht.

Sportgeschäftsführer Markus Katzer kündigte deshalb nach dem Ausscheiden Gespräche mit Trainer Johannes Hoff Thorup über die weitere Ausrichtung des Kaders an. Von einer großen Personalreduktion wollte er zwar nichts wissen. Rapid werde sich aber ansehen, welche Möglichkeiten es gebe.

Die Zeit dafür ist knapp. In vielen europäischen Ligen läuft die Transferperiode Anfang September aus. Spieler, die Rapid für die zusätzliche Belastung im Europacup eingeplant hatte, könnten deshalb noch wechseln.

Für uns Fans bekommt ein verschossener Elfmeter damit eine zweite Bedeutung. Es geht nicht nur darum, welche Mannschaft am nächsten europäischen Donnerstag im Allianz Stadion spielt. Fehlende Einnahmen können beeinflussen, welche Spieler wir dort in einigen Wochen überhaupt noch sehen.

Was sieben Millionen für Rapid bedeuten

Sieben Millionen Euro klingen im Profifußball schnell nach einer weiteren großen Zahl. Im Verhältnis zu Rapids Geschäft lässt sich die Dimension besser erkennen.

In der Saison 2024/25 setzte der Verein 61,4 Millionen Euro um. Sieben Millionen entsprechen damit rechnerisch gut elf Prozent dieses damaligen Jahresumsatzes.

Die sieben Millionen sind allerdings kein sicherer entgangener Gewinn. Die vom ORF genannte Summe beschreibt geschätzte Bruttoeinnahmen bei einem Aufstieg. Für Europacupspiele entstehen gleichzeitig zusätzliche Kosten. Außerdem hängt ein Teil der möglichen Einnahmen davon ab, wie erfolgreich eine Mannschaft in der Ligaphase spielt.

Sicher verloren ist hingegen das Startgeld von 3,17 Millionen Euro. Die UEFA zahlt diese Summe jedem Verein, der die Ligaphase der Conference League erreicht.

Und Rapid weiß aus eigener Erfahrung, wie viel daraus bei einer erfolgreichen Saison werden kann.

Vor zwei Jahren bis ins Viertelfinale

2024/25 wurde der Europacup für Rapid zu einer finanziell außergewöhnlichen Saison. Vier Siege und ein Unentschieden in der damaligen Ligaphase brachten zusätzliche Punkteprämien. Der vierte Platz brachte eine weitere Prämie. Danach kamen Gelder für das Erreichen des Achtel- und Viertelfinales dazu.

Insgesamt überwies die UEFA Rapid rund 11,5 Millionen Euro. Ticketing kam noch dazu.

Solche Einnahmen können einem österreichischen Verein Spielraum verschaffen: für Transfers, Verträge und Investitionen in den Kader. Gleichzeitig können gute internationale Leistungen Spieler für größere Vereine interessanter machen.

Dieses Schaufenster bleibt Rapids Spielern in diesem Herbst geschlossen.

„Keine Schnellschüsse“

Trainer Thorup wollte nach dem Ausscheiden trotzdem keine Krise ausrufen. Seine Mannschaft war stark in die Saison gestartet. Vor dem Rückspiel hatte Rapid seine ersten vier Europacup-Partien der Saison gewonnen. Thorup sieht das Ausscheiden deshalb als Enttäuschung, aber nicht als Rückschritt in der Entwicklung seiner Mannschaft.

Katzer will ebenfalls Ruhe bewahren. „Wir brauchen keine Schnellschüsse, sondern müssen jetzt einmal analysieren“, sagte der Sportgeschäftsführer.

Viel Zeit zum Ärgern bleibt ohnehin nicht. Am Sonntag wartet im Allianz Stadion Sturm Graz. Ausgerechnet jener Verein, der Hearts wenige Wochen zuvor in der Champions-League-Qualifikation über zwei Spiele mit insgesamt 6:0 besiegt hatte.

Rapid wird dann wieder um drei Punkte in der Bundesliga spielen. Die sechs geplanten europäischen Abende im Herbst bringt allerdings auch ein Sieg gegen Sturm nicht zurück.

Am Mittwochabend fehlte am Ende ein Elfmeter. In Rapids Saisonplan fehlen jetzt sechs Spiele und Millionen Euro.



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