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Zwei Banken, ein Übernahmekampf, eine Aktie mittendrin

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
22.07.2026
3 Min.

An der Wiener Börse tobt seit Wochen ein ungewöhnlicher Bieterkampf um die Addiko Bank. Die heimische Raiffeisen Bank International und die slowenische Nova Ljubljanska Banka überbieten sich gegenseitig, während der Aktienkurs seltsam gelassen bleibt und Hunderte Beschäftigte in Wien und Klagenfurt um ihre Jobs bangen.

Zwei Banken, ein Ziel: RBI und NLB liefern sich einen offenen Bieterkampf um die Wiener Addiko Bank. (Foto: Alexander Höbe)

Wer in den vergangenen Wochen die Kurstafel der Addiko-Aktie an der Wiener Börse verfolgt hat, konnte etwas Ungewöhnliches beobachten. Zwei Banken bieten offen und öffentlich um dasselbe Unternehmen, die Angebote liegen mittlerweile 10,50 Euro pro Aktie auseinander, und trotzdem pendelt der tatsächliche Börsenkurs bei rund 26,80 Euro, weit unter dem höheren der beiden Gebote. Genau dieses Spannungsfeld macht den Fall zu einem Lehrstück dafür, wie Übernahmekämpfe an der Börse tatsächlich funktionieren.

Ein Angebot, das aus heiterem Himmel kam

Anfang April 2026 legte die Raiffeisen Bank International (RBI) ein Übernahmeangebot für die in Wien ansässige Addiko Bank vor, ohne dass zuvor Kontakt zwischen den beiden Instituten bestanden hatte. Die Addiko Bank selbst bezeichnete den Schritt offiziell als „feindlichen“ Übernahmeversuch. Ursprünglich bot die RBI 23,05 Euro je Aktie, musste ihr Angebot aber mehrfach nachbessern, zuletzt auf 26,50 Euro. Kurz darauf mischte sich mit der slowenischen Nova Ljubljanska Banka (NLB) ein zweiter Interessent ein und bot ihrerseits zunächst 29 Euro, inzwischen 37 Euro je Aktie. RBI-Chef Johann Strobl begründete das Interesse an der Übernahme damit, mit dem Zukauf zur viertgrößten Bank in Kroatien aufzusteigen und erneut in den slowenischen Markt einzusteigen.

Warum der Kurs unter dem höheren Angebot bleibt

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, dass die Addiko-Aktie trotz eines Angebots von 37 Euro nur bei rund 26,80 Euro notiert. Der Grund liegt in der Unsicherheit der Anlegerinnen und Anleger, ob dieses höhere Angebot überhaupt zum Zug kommt. Beide Bieter haben ihre Mindestannahmequoten zuletzt deutlich gesenkt, die RBI von ursprünglich 75 auf mehr als 55 Prozent, die NLB von 75 auf mehr als 50 Prozent. Da der RBI bereits Annahmeerklärungen für 51,28 Prozent aller Addiko-Aktien vorliegen, kann die NLB ihre eigene Schwelle nach aktuellem Stand rechnerisch nur noch erreichen, wenn Aktionärinnen und Aktionäre ihre bereits erteilten Zusagen an die RBI zurückziehen und stattdessen der NLB andienen. Genau dieses Risiko drückt den Kurs unter das höhere Gebot, denn ein Teil des Marktes rechnet schlicht damit, dass am Ende die RBI gewinnt.

Ein Kampf mit echten Konsequenzen für die Belegschaft

Hinter den Kurszahlen und Prozentangaben steht für die Beschäftigten der Addiko Bank an den Standorten Wien und Klagenfurt eine sehr konkrete Frage: Behalten sie ihren Job? Der Betriebsrat der Bank äußerte sich in einer offiziellen Stellungnahme kritisch zum RBI-Angebot, da die RBI plane, die österreichischen Aktivitäten der Addiko einzustellen und die Gesellschaft später zu liquidieren oder mit einer anderen Gesellschaft zu verschmelzen. Bei einem Sieg der NLB wiederum befürchtet die Arbeitnehmervertretung eine schleichende Verlagerung von Funktionen ins slowenische Ljubljana. In beiden Fällen fordert der Betriebsrat einen Sozialplan und belastbare Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, bevor über die eigentliche Übernahme entschieden wird.

Die Gegner werben um dieselben Aktionäre

Beide Bankchefs versuchen, die verbliebenen Aktionärinnen und Aktionäre noch auf ihre Seite zu ziehen. „Die maximale Auszahlung für alle Aktionäre ist klar und transparent, und es sind keine bedingten Zahlungen vorgesehen“, sagt Blaž Brodnjak, Vorstandsvorsitzender der NLB. Dieser Satz verdeutlicht, wie die slowenische Bank ihren höheren Preis als Verkaufsargument gegenüber der günstigeren RBI-Offerte positioniert, zumal ihr Angebot bereits in Serbien, Österreich und Nordmazedonien fusionskontrollrechtlich freigegeben wurde. Auf der anderen Seite verweist Johann Strobl auf die Planungssicherheit seines Hauses: „Bis Ende Juli sollten wir eine gute Vorstellung davon haben, ob wir erfolgreich sind.“ Dieser Satz verdeutlicht, dass die RBI trotz des niedrigeren Preises fest davon ausgeht, mit der bereits erreichten Mehrheit am Ende die Übernahme abzuschließen.

Was Anlegerinnen und Anleger jetzt beobachten sollten

Die Annahmefrist für beide Angebote läuft noch bis 22. Juli 2026, danach dürfte sich zeigen, welche der beiden Banken die notwendige Schwelle tatsächlich erreicht. Für Kleinanlegerinnen und Kleinanleger, die Addiko-Aktien im Depot halten, bedeutet das eine grundsätzliche Entscheidung: das aktuell höhere NLB-Angebot annehmen und auf dessen Erfolg hoffen, oder auf das bereits mehrheitlich angenommene RBI-Angebot setzen, das weniger Geld bringt, aber deutlich sicherer wirkt. Der Fall zeigt exemplarisch, dass an der Börse nicht automatisch das höchste Angebot gewinnt, sondern jenes, dem der Markt die größte Erfolgswahrscheinlichkeit zutraut.


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