Panorama Niederösterreich Meinung

Trotz Chaos und Stress kann der Schulalltag manchmal auch schön sein

Kein Profil-Bild gefunden.
Volontärin · Bundes-Bildungsanstalt für Sozial- und Elementarpädagogik
02.04.2026
3 Min.

Ich stehe morgens vor dem Spiegel, starre mich an und denke: Heute wird alles anders. Ich bin motiviert, organisiert, habe sogar meine Tasche am Abend vorher gepackt. Spoiler: Zwei Stunden später ist davon nichts mehr übrig.

Wir alle kennen den Moment der Panik: Man muss an die Tafel und vor der ganzen Klasse die Aufgabe vorrechnen (Foto: Shutterstock)


Der Tag beginnt schon mit einem kleinen Drama. Ich habe mir extra drei Wecker gestellt. 6:15, 6:20 und 6:30. Der erste klingelt, ich drücke auf Snooze. Beim zweiten bin ich mir sicher, dass ich schon wach bin. Beim dritten schlafe ich einfach wieder ein. Dann dieser Moment der Panik. Ich schaue auf die Uhr und mein Herz bleibt kurz stehen: 7:12. Mein Bus fährt um 7:18. Plötzlich geht alles im Schnelldurchlauf.

Zähne putzen in unter einer Minute, das erstbeste Hoodie greifen (natürlich das mit dem kleinen Kaffeefleck von gestern), Schuhe halb im Rennen anziehen. Und auf halbem Weg zur Tür merke ich es: Ich habe mein Matheheft vergessen. Genau heute. Genau an dem Tag, an dem wir die Hausaufgaben kontrollieren.

Unterricht oder Gedankenkarussell?

Ich sitze im Klassenzimmer, dritte Reihe am Fenster, eigentlich ein guter Platz. Vorne steht die Mathelehrerin und schreibt Gleichungen an die Tafel. Irgendwas mit linearen Funktionen und „y = mx + b“. Ich schaue nach vorne, nicke ab und zu so, als würde ich alles verstehen. Aber in meinem Kopf läuft ein ganz anderer Film.

Was esse ich nach der Schule? Habe ich die Matheaufgaben vielleicht doch irgendwo anders aufgeschrieben? Warum schaut mich die Person zwei Tische weiter gerade so komisch an? Habe ich noch genug Akku auf meinem Handy?

Schockmoment an der Tafel

Und dann plötzlich: „Kannst du bitte Aufgabe 3 vorrechnen?“. Natürlich genau ich. Natürlich genau der Moment, in dem ich absolut keine Ahnung habe, wie wir auf die Lösung gekommen sind. Ich gehe nach vorne, nehme den Stift, starre kurz auf die Zahlen: 2x + 5 = 17.

Okay… irgendwie ging das doch so…

Ich schreibe langsam: 2x = 12. Das heißt, x = 6

Ein kurzer Blick nach hinten, ein paar nicken. Die Lehrerin sagt nichts. Also setze ich mich wieder hin, als hätte ich alles komplett im Griff. Innerlich bin ich einfach nur erleichtert.

Die große Pause als sozialer Überlebenskampf

Die Pause klingt immer nach Entspannung. In Wirklichkeit ist es eher ein kleines soziales Abenteuer. Ich stehe mit meinen Freunden auf dem Schulhof neben dem Kiosk. Einer erzählt etwas von einem Streit aus der Parallelklasse, jemand anderes zeigt ein Video, das ich nur halb mitbekomme, während ich gleichzeitig versuche, mir ein Brötchen zu kaufen.

Man führt gefühlt fünf Gespräche gleichzeitig, lacht an den falschen Stellen und vergisst mittendrin, was man selbst eigentlich sagen wollte. Und dann gibt es diesen kurzen Moment, wenn ich einfach nur dastehe, um mich herum Stimmen, Gelächter, Bewegung. Und ich denke kurz: Was mache ich hier eigentlich gerade?

Das Schöne in all dem Chaos

Aber genau diese Momente sind es auch, über die man später lacht. Wenn man sich nachmittags schreibt: „Weißt du noch, wie du einfach mitten im Satz aufgehört hast zu reden?“

Am Ende des Tages bin ich müde, leicht genervt und mein Matheheft hat mir natürlich wirklich gefehlt. Aber irgendwie bin ich auch zufrieden. Weil, wenn man ehrlich ist: So chaotisch ein Schultag auch sein kann, genau das macht ihn besonders.


Kommentare