Warme Sommerluft streifte mein Gesicht, als ich auf dem Geschriebenstein stand und meinen Blick über die scheinbar endlose Weite des burgenländischen Flachlandes schweifen ließ. Es war mein erster Besuch bei meiner Tante und schon nach kurzer Zeit gab es viel zu entdecken. Ich schlenderte durch die Gässchen mit den Buschenschänken, tobte mich in der Trampolinhalle in Oberwart aus und entspannte in der Sonnentherme Lutzmannsburg. So schön all diese Erlebnisse auch waren, am meisten beeindruckte mich schließlich Stadtschlaining.
Stadtschlaining ist eine Stadt des Friedens
In einer Zeit wie dieser, in der es so viele kriegerische Auseinandersetzungen gibt, ist die Friedensbotschaft dieser mittelalterlichen Stadt aktueller denn je. Die hohe, lange Brücke über den ehemaligen Wassergraben und die große Burganlage sind hervorragend erhalten. Da ich mich sehr für Geschichte interessiere, kann ich mir gut vorstellen, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Auf dieser Festung würde ich mich ebenfalls sicher fühlen!
Ein Spaziergang über den historischen Hauptplatz
Nur wenige Meter neben der Burg befindet sich der runde, von Häusern umschlossene Hauptplatz mit seinem Kopfsteinpflaster. Früher herrschte hier wohl reger Betrieb: Auf dem Markt boten Bauern und viele verschiedene Handwerker ihre Waren an. Heute ist der Platz nahezu menschenleer, nur einige Autos parken dort. Mein Blick schweift auf das Dach eines Hauses, wo sich gerade ein Storch auf einem Kamin in seinem Nest niederlässt. Auch in Osttirol habe ich schon einmal einen Storch gesehen. Wegen eines Schlechtwettereinbruchs legte er auf dem Acker hinter unserem Haus einen Zwischenstopp ein. Nach ein paar Tagen zog er jedoch wieder weiter.
Spuren jüdischen Lebens
Zurück zum Hauptplatz in Stadtschlaining auf den Spuren jüdischen Lebens. Ich gehe in die Synagoge. Anfangs ist mir dieser Ort fremd, denn ich war zuvor noch nie in einem jüdischen Gotteshaus. Dennoch spüre ich sofort seine besondere spirituelle Atmosphäre. Deshalb habe ich dort auch kein Foto gemacht. Ich bewundere die schöne Innenausstattung. Ein junger Mann stellt sich höflich als Guide vor und erzählt anschaulich von der Geschichte des Judentums im Burgenland. Besonders bewegt mich seine Schilderung, wie das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Vielen Menschen wurden ihre Heimat und ihr Leben genommen.
Gedanken über Krieg und Frieden
Ich denke an den verfallenen jüdischen Friedhof neben dem Haus meiner Tante. Es gibt keine Angehörigen mehr im Ort, die die Gräber pflegen könnten. Alles ist überwuchert, einige Grabsteine sind umgestürzt. Krieg bringt immer nur Leid und Zerstörung. Deshalb lohnt es sich, sich für den Frieden einzusetzen. Das ist mir bei meinem Besuch im Burgenland wieder einmal besonders bewusst geworden.
Ich komme bestimmt wieder.
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