„Man kann es eigentlich rational nicht erklären, warum Menschen in so großer Menge wählen gehen," sagt Politikwissenschaftler Laurenz-Ennser-Jedenastik von der Uni Wien. "Weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzige Stimme den Ausschlag gibt, sehr gering ist.“
Im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Laurenz Ennser-Jedenastik von der Uni Wien spreche ich darüber, warum das so ist und welchen Einfluss junge Wähler und Wählerinnen tatsächlich auf politische Entscheidungen und unsere eigene Zukunft haben.
Warum populistische Parteien oft so überzeugend wirken
Populistische Parteien sprechen junge Menschen häufig sehr direkt an. Sie nutzen einfache, klare Botschaften und setzen stark auf Emotionen statt auf komplexe politische Erklärungen. Das wirkt oft verständlicher und näher am echten Leben.
Klassische Politik klingt dagegen häufig weniger greifbar. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass Politik „weit weg“ ist und wenig mit unserem alltäglichen Leben zu tun hat, während populistische Aussagen unmittelbarer und einfacher wirken. Auch wenn sie oft stark vereinfachen.
Warum die Jugend immer mehr hinterfragt und kritisch betrachtet
Im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Ennser-Jedenastik wird deutlich, dass dieser Unterschied auch mit der politischen Prägung im persönlichen Umfeld zu tun hat. Ich frage mich, wieso junge Menschen heutzutage so wirken, als ob sie mehr Zweifel gegenüber der Politik offen aussprechen als früher.
Ennser-Jedenastik sagt, früher seien Menschen häufiger in Parteien eingebunden oder durch ihre Familie stärker an bestimmte politische Richtungen gebunden und hätten Sachen nicht so genau hinterfragt. Heute seien Jugendliche unabhängiger, kritischer und würden mehr vergleichen. Auch durch soziale Medien.
Ist Nichtwählen legitim?
Während des Interviews geht es viel ums Nichtwählen. Auch um die Folgen des Nichtwählens vor allem bei Jugendlichen. Wenn Jugendliche nicht wählen, haben sie weniger Einfluss darauf, welche Themen in der Politik Priorität bekommen. Parteien richten sich dann stärker an jene Gruppen, die zuverlässig wählen gehen. Das kann dazu führen, dass jugendrelevante Themen wie Bildung, Wohnen oder Klimapolitik weniger Aufmerksamkeit bekommen.
Mehr junge Wählerinnen würden also auch mehr Anreiz für Parteien bedeuten, jugendrelevante Themen ernst zu nehmen und stärker in ihre Programme aufzunehmen. Denn auch wenn eine einzelne Stimme klein wirkt, betont Ennser-Jedenastik: „Der Einfluss von jedem Einzelnen ist vielleicht nicht riesig, aber in Summe sind die Wähler extrem mächtig.“ Genau deswegen ist es so wichtig, als junger Mensch seine Stimme zu nutzen.
Hinschauen, wählen, Einfluss nehmen
Am Ende geht es weniger um die Frage, ob eine einzelne Stimme „entscheidend“ ist, sondern ob eine ganze Generation bereit ist, sie zu nutzen. Populistische Parteien wirken oft deshalb so stark, weil sie einfache Antworten auf komplexe Fragen geben. Doch genau deshalb ist es wichtig, genauer hinzuschauen und sich nicht nur von schnellen Antworten leiten zu lassen. Denn je mehr junge Menschen tatsächlich wählen gehen, desto offensichtlicher wird es für die Politik, dass sie diese Themen ernst nehmen müssen.
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