In der Pause gehe ich durch die Schulgänge. Jugendliche schreien, harte Beschimpfungen fallen, sie schubsen sich gegenseitig. Sie schreien sogar ältere Schüler an, und ich bin erstaunt, wie sie sich so etwas trauen.
Unwillkürlich muss ich an meine eigene Kindheit denken. Damals hätte ich mich nicht einmal getraut, Schüler aus der Oberstufe anzuschauen, geschweige denn, sie zu beschimpfen oder respektlos zu behandeln. Respekt war nichts Besonderes, sondern selbstverständlich. Man sagte „Bitte“ und „Danke“, hörte zu, wenn Erwachsene sprachen, und wusste, wo die Grenze war.
Fehlende Grenzen
Heute scheint diese Grenze verschwommen. Man sieht es überall: im Bus, wenn ältere Menschen stehen bleiben und niemand aufsteht. Auf der Straße, wenn ein „Entschuldigung“ schon zu viel verlangt ist. Oder in Gesprächen, in denen man sofort dazwischenredet, weil die eigene Meinung wichtiger erscheint als jede andere. Auch das Augenverdrehen mancher Mädchen, wenn etwas von ihnen verlangt wird, spricht für sich.
Vielleicht liegt es nicht nur an den Kindern. Vielleicht haben viele Eltern verlernt, klare Regeln zu setzen und Vorbilder zu sein. Sie haben verlernt, ihren Kindern das Normalste und zugleich Wichtigste beizubringen: Respekt vor Älteren und das Wissen, wie man sich ihnen gegenüber verhält. Eine Frage bleibt für mich offen: Wird die nächste Generation das jemals wieder neu lernen oder ist dieser Respekt bereits für immer verloren gegangen?
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