Die Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft (ab Juni in den USA, Kanada und Mexiko) sind ausgelost. Österreich landete in Gruppe J, zusammen mit Argentinien, Algerien und Jordanien. Doch auf diesem Auslosungsprozess lag gar nicht der Fokus – weder in meinem Artikel, noch am Abend selber. Denn viel mehr Augenmerk lag auf der politischen Inszenierung des Events.
Ablauf
Pünktlich begann die Übertragung aus Washington mit einer Eröffnung des italienischen Opernsängers Andrea Bocelli. Auch die Moderatoren Kevin Hart und Danny Ramirez, sowie Moderatorin Heidi Klum, betraten die Bühne. Kurz darauf stieß FIFA-Präsident Gianni Infantino dazu. Anschließend gab es einen musikalischen Act von Robbie Williams und Nicole Scherzinger, bevor es weiter zur Verleihung des FIFA-Friedenspreises ging. Nach der Präsentation des WM-Pokals, der Ziehung der Austragungsländer und weiterem Warten wurde endlich gelost.
Der FIFA-Friedenspreis
Diese neue Auszeichnung wurde erst Anfang November ausgelobt und soll Personen auszeichnen, die „außergewöhnliche Taten für Frieden und Einheit der Welt“ vollbracht haben. Diese Personen brauchen keinen Fußball-Bezug. Die Medien haben bereits im Vorfeld von diesem Preis berichtet, was da bereits zu Irritationen führte: Die Kriterien für die Wahl des Siegers blieben völlig im Dunkeln und auch eine Komission gab es nicht.
Trotz dieses fragwürdigen Prozesses wurde US-Präsident Donald Trump vom FIFA-Präsidenten, der als sein enger Verbündeter gilt, die Auszeichnung überreicht und somit offiziell von der FIFA für „herausragende Handlungen zur Föderung von Frieden“ anerkannt.
Der Ablauf? Groß Inszeniert. Vor dem Auftritt lief ein zweiminütiges, eingespieltes Werbevideo, das Trump ehrte und lobte. Als er dann die Bühne betrat, erhielt er nicht nur eine Medaille, die er sich selbst umhängte, sondern auch eine Urkunde und eine goldene Statue mit Händen, welche die Welt halten. Er selbst sprach in seiner Rede gerührt von „einer der größten Ehrungen“ seines Lebens.
Rewind
Also nochmal, aber kürzer: Der FIFA-Friedenspreis. Neu geschaffen. Verliehen an Donald Trump... Warum wohl?
Wohl eher nicht, weil der Präsident (nach eigenen Angaben) Abermillionen von Menschen gerettet hat und viele Kriege beenden konnte, manche „bevor sie ausgebrochen sind“.
Ein Grund, der viel wahrscheinlicher ist, ist, dass im Oktober die Vergabe des Friedensnobelpreis stattfand, welchen Trump oft für sich selbst gefordert hatte. Dieser ging allerdings nicht an ihn, sondern an Maria Machado, die sich in Venezuela für Demokratie einsetzt. Kritiker und Kritikerinnen behaupten, dass Infantino den Preis extra für Trump geschaffen habe.
Kritik
Die Verleihung dieses Preises ist für den Fußballverband grenzwertig, denn eigentlich müsste er neutral in Politik und Religion bleiben. Infantino hat laut Kritikern und Kritikerinnen diese Grenze schon lange überschritten. Auch Miguel Maduro, der korrektes Verhalten im Verband überwacht, kritisierte, dass Infantino Stellung zu politischen Debatten in den USA nimmt.
Kontroverse
Worüber ich mir an diesem Abend aber am meisten Gedanken gemacht habe, war folgende Aussage Trumps: „Es wird hier eine fantastische Veranstaltung geben. Wir arbeiten sehr eng mit Kanada und Mexiko zusammen, die Beziehung ist fantastisch. Ich möchte Ihnen danken.“ Denn war nicht er derjenige, welcher eine Mauer zwischen den USA und Mexiko errichten ließ? War nicht er derjenige, der behauptete, Angriffe in Mexiko seien okay, um Drogen zu stoppen?
Wie kontrovers ist es, bei dieser Veranstaltung einen Friedenspreis zu erhalten, die Zusammenarbeit mit einem Land zu loben, zu welchem man eine Grenzmauer errichten ließ, und anschließend noch zu behaupten, dass Amerika das tollste Land der ganzen Welt sei? Einfach unglaublich meiner Meinung nach.
Vorfreude auf die WM
Trotz dieser irritierenden Aspekte sollten wir uns auf die WM freuen, denn es ist schließlich das erste Mal seit 28 Jahren, dass wir wieder daran teilnehmen. Die WM ist meiner Meinung nach noch immer ein wichtiges Event, das gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und Menschen, Kulturen und Länder verbindet.
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