Wir sollten aufpassen, wem wir uns anvertrauen. Nicht jeder Freund ist ein echter Freund

Kein Profil-Bild gefunden.
85
TOP 100 Autorin
Volontärin · GRG10 Laaerberg Gymnasium
20.09.2026
3 Min.

Manchmal beobachte ich eine ganz normale Situation und plötzlich frage ich mich, warum Menschen sich eigentlich so verhalten. Heute ist mir etwas aufgefallen, das mich nicht mehr loslässt: Wie schnell wir anderen Menschen vertrauen und wie viel wir ihnen über uns erzählen.

Freundschaft und Vertrauen brauchen Zeit, um zu wachsen. (Foto: Unsplash; Jarritos Mexican Soda)

„Ich hatte gestern wieder Streit zu Hause“, erzählt ein Mädchen ihrer Freundin. Sie spricht darüber, wie sie sich dabei gefühlt hat. Die andere hört aufmerksam zu und verspricht ihr, dass sie es niemandem erzählen wird.

Ich sitze daneben und werde hellhörig. Die beiden kennen sich eigentlich noch gar nicht so lange, zumindest wirkt es auf mich so. Trotzdem erzählt das Mädchen ihr etwas sehr Persönliches. Ich frage mich: Wie kann man jemandem schon so viel anvertrauen, wenn man ihn noch gar nicht so lange kennt?

Vielleicht kennen sich die beiden aber auch schon besser, als ich denke. Vielleicht fühlt sich das Mädchen bei ihrer Freundin einfach sicher. Genau das kann ich von außen gar nicht beurteilen. Trotzdem bringt mich dieser Moment zum Nachdenken: Wie schnell sollte ich jemandem wirklich persönliche Dinge erzählen?

Wenn aus Vertrauen plötzlich Streit wird

Ich denke dabei an Situationen, in denen Freunde sich plötzlich streiten. Am Anfang erzählen sich zwei Personen alles. Sie schreiben jeden Tag, treffen sich nach der Schule und erzählen sich Dinge, die sonst niemand weiß. Sie denken vielleicht: Wir bleiben sowieso Freunde.

Aber dann passiert etwas. Eine Person fühlt sich verletzt oder ausgeschlossen. Plötzlich wird aus dem Geheimnis, das einmal nur zwischen zwei Personen bleiben sollte, etwas, das auch andere wissen.

Genau das finde ich schwierig. Ich kann jemandem heute etwas erzählen und mich dabei völlig sicher fühlen. Aber niemand weiß, wie eine Freundschaft in ein paar Monaten aussieht. Vielleicht sitze ich dann mit dieser Person im Streit und merke plötzlich, dass sie Dinge über mich weiß, die ich selbst niemals anderen erzählen würde.

Dabei geht es um ganz normale Dinge. Jemand erzählt seiner besten Freundin, in wen er verliebt ist, obwohl er es sonst niemandem sagen möchte. Eine andere Person erzählt, dass es zu Hause Probleme gibt. Oder jemand erzählt, dass er wegen einer schlechten Note Angst vor der Reaktion seiner Eltern hat.

In dem Moment kann es guttun, mit jemandem darüber zu sprechen. Aber wenn eine Freundschaft später zerbricht, können solche persönlichen Informationen plötzlich weitererzählt werden.

Vertrauen kommt nicht sofort

Deshalb finde ich es wichtig, nicht jedem Menschen sofort alles über mich zu erzählen. Das bedeutet nicht, dass ich niemandem vertrauen soll. Freundschaften sind wichtig. Es ist schön, eine Person zu haben, bei der ich mich wohlfühle und mit der ich über persönliche Dinge sprechen kann.

Aber Vertrauen braucht Zeit. Nur weil jemand seit ein paar Wochen oder Monaten meine Freundin oder mein Freund ist, weiß ich noch nicht automatisch, wie diese Person mit meinen persönlichen Dingen umgeht, wenn wir einmal Streit haben.

Menschen lernt man schließlich nicht nur in schönen Momenten kennen. Auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, enttäuscht werden oder etwas schiefgeht, merke ich, wie jemand mit mir umgeht.

Trotzdem sollte niemand denken, dass er jedes Problem alleine behalten muss. Wenn jemand zu Hause Angst hat, sich sehr schlecht fühlt oder ernsthafte Probleme hat, kann es wichtig sein, mit einer Person zu sprechen, der er wirklich vertraut – zum Beispiel mit einer verlässlichen erwachsenen Person oder einer Beratungsstelle. Sich Hilfe zu holen, ist etwas anderes, als ein persönliches Geheimnis einfach weiterzuerzählen.

Deshalb denke ich: Ich sollte nicht jedem alles erzählen, nur weil ich mich gerade sehr nahe mit jemandem fühle. Vertrauen darf wachsen. Und manche Dinge darf ich auch erst einmal für mich behalten.

Denn eine Person, die heute mein größtes Geheimnis kennt, ist vielleicht nicht für immer Teil meines Lebens. Nicht jede Freundin ist eine Freundin.

Kommentare