Wir kaufen plötzlich wieder, was wir früher loswerden wollten

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TOP 25 Autorin
Volontärin · BRG Kufstein
29.08.2026
4 Min.

Squishies, Digitalkameras, CDs und Kabelkopfhörer feiern ein Comeback. Was früher alt oder uncool war, ist jetzt wieder begehrt und manchmal steckt dahinter mehr als nur ein neuer Trend.

Was früher in der Schublade lag, ist jetzt wieder draußen. (Foto: Liv Biasi-Bosin / meins)

„Warte mal, hatten wir das nicht schon?“

Wir sitzen im Zug, zu fünft auf einem Viererplatz. In unseren Händen kneten wir unsere neuen Squishies. Wir drücken sie zusammen, lassen sie langsam wieder in ihre Form zurückgehen und lachen darüber, wie viel Spaß so ein kleines Ding eigentlich macht.

Irgendwann sagt eine von uns: „Voll krass, dass das alles wiederkommt.“

Und plötzlich reden wir über früher. Über Pop-Its und Fidget Spinner. Über die Sachen, die damals in unseren Zimmern herumlagen und irgendwann einfach verschwanden. Dabei sind es längst nicht mehr nur Spielzeuge.

Auf einmal stehen wieder kleine Digitalkameras in den Regalen. Kabelkopfhörer hängen um Hälse, obwohl kabellose Kopfhörer längst zum Standard geworden sind. CDs werden wieder gesammelt, alte iPods tauchen auf und selbst Geräte, die einmal als überholt galten, bekommen plötzlich einen neuen Reiz.

Die Vergangenheit scheint gerade erstaunlich gut darin zu sein, zurückzukommen.

Als alt plötzlich wieder besonders aussah

Eine kleine Digitalkamera macht keine perfekten Bilder. Die Fotos sind manchmal zu hell, zu dunkel oder leicht verschwommen. Einen perfekten Filter gibt es auch nicht. Und trotzdem sind genau diese Kameras wieder gefragt.

Der Reiz liegt gerade darin, dass sie anders funktionieren als die Technik, die wir heute gewohnt sind. Man sieht das Foto erst später. Der Blitz ist hart, die Farben wirken manchmal komisch und jedes Bild sieht ein bisschen anders aus.

Auch Kabelkopfhörer sind zurück. Ich selbst habe mir schon 2025 welche zugelegt, und sie werden weiterhin beliebter. Das Kabel, das früher möglichst schnell verschwinden sollte, hängt jetzt wieder ganz selbstverständlich um den Hals.

Und dann sind da noch die CDs. Man kann Musik längst mit einem Fingertipp streamen. Trotzdem kaufen Menschen wieder Scheiben, die man in eine Hülle steckt, aufklappt und in ein Gerät schiebt.

Auch die Zahlen zeigen, dass diese Rückkehr mehr sein könnte als ein paar zufällige Käufe. Der US-Marktforscher Circana berichtete 2026 von einem deutlichen Wachstum bei Spielzeug, das Nostalgie auslöst. Besonders Squishies legten stark zu. Gleichzeitig interessieren sich junge Menschen wieder für Produkte und Designs aus früheren Jahrzehnten.

Die Dinge aus unseren Kinderzimmern

Das Spannende an diesem Trend ist, dass wir dafür gar nicht besonders weit zurückblicken müssen. Manchmal reichen fünf oder zehn Jahre.

Ein Gegenstand, den man als Kind jeden Tag benutzt hat, liegt jahrelang unbeachtet in einer Schublade. Dann sieht man ihn plötzlich wieder – und erinnert sich sofort: an einen bestimmten Sommer, an das eigene Kinderzimmer und vielleicht an jemanden, mit dem man damals ständig gespielt hat.

Nostalgie funktioniert dabei wie eine kleine Zeitmaschine. Laut der Marktforschung wird sie inzwischen gezielt genutzt, um Produkte wieder interessant zu machen. Das betrifft längst nicht nur Spielzeug, sondern auch Mode, Musik, Technik und andere Bereiche.

Wahrscheinlich erklären deshalb auch die aktuellen Trends rund um CDs und alte Musikgeräte einiges. Man könnte die Musik schließlich einfach streamen. Aber darum geht es offenbar gar nicht immer.

Warum wollen wir Dinge, die früher „out“ waren?

Trends funktionieren ein bisschen wie ein Bumerang. Erst kommt etwas Neues. Alle wollen es. Dann wird es langweilig. Etwas noch Neueres erscheint und plötzlich verschwindet das Alte aus unserem Blickfeld. Und Jahre später taucht es wieder auf. Nur fühlt es sich diesmal anders an.

Die alte Digitalkamera gehört plötzlich nicht mehr zu den Dingen, die man loswerden wollte. Sie wird zum besonderen Accessoire. Kabelkopfhörer wirken plötzlich fast absichtlich retro. Eine CD ist nicht mehr einfach ein Datenträger, sondern etwas, das man in der Hand halten kann.

Vielleicht gefällt uns gerade dieses Unperfekte: ein Foto, das man nicht sofort bearbeiten kann. Musik, für die man ein Album auswählen muss. Ein Gegenstand, der nicht gleichzeitig zehn andere Funktionen besitzt.

In einer Welt, in der fast alles schneller, kleiner und digitaler geworden ist, bekommen langsame Dinge plötzlich einen eigenen Wert.

Die Vergangenheit ist wieder da

Auch die Spielwarenbranche beobachtet diesen Wandel. Gwen Ottenberg, die einen Spielzeugladen in Wichita betreibt, erlebt den aktuellen Squishy-Boom direkt in ihrem Geschäft. Sie sagt, viele Menschen hätten das Gefühl, sie „brauchen“ diese Produkte einfach.

Natürlich wird ein Squishy die Welt nicht verändern. Denn es geht bei solchen Trends auch gar nicht nur um das einzelne Produkt. Es geht um das Gefühl dahinter. Darum, etwas in der Hand zu halten, das man schon einmal kannte. Darum, Musik auf einer CD einzulegen, statt nur auf einen Bildschirm zu tippen. Darum, mit einer kleinen Kamera ein Foto zu machen und erst später zu sehen, wie es geworden ist.

Und darum, Dinge wiederzuentdecken, die eigentlich längst Geschichte waren.

Vielleicht sind Trends gar keine geraden Linien

Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt, dass alles irgendwann ersetzt wird. Das alte Handy kommt weg. Die CDs wandern in eine Kiste. Die Digitalkamera landet in einer Schublade. Die Kabelkopfhörer verschwinden, sobald die ersten kabellosen Modelle auftauchen.

Dann vergehen ein paar Jahre und plötzlich sucht jemand genau diese Sachen.

Die Digitalkamera wird aus der Schublade geholt. Der alte iPod bekommt einen neuen Akku. CDs werden wieder gesammelt. Kabelkopfhörer hängen um den Hals. Im Spielzeugladen liegen Squishies, die aussehen wie die aus der eigenen Kindheit.

Und während wir im Zug sitzen und unseren neuen Squishy zusammendrücken, fällt einem auf, wie seltsam das eigentlich ist.

Wir leben in einer Zeit, in der ständig etwas Neues auf den Markt kommt. Und trotzdem kaufen wir gerade die Dinge zurück, die wir einmal loswerden wollten.

Der Squishy in unserer Hand wird langsam wieder groß. So wie die anderen alten Dinge auch. Sie waren nie wirklich weg.

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