Es war der dritte Tag unseres Urlaubs. Ich war mit zwei Freundinnen am Strand und wir wollten ins Wasser. Vorher standen wir noch eine Weile bei unseren Handtüchern. Meine Freundin machte Musik an und fing einfach an zu tanzen. Nicht, weil irgendjemand zugeschaut hat, sondern einfach, weil sie gute Laune hatte.
Ich weiß noch, dass ich automatisch gedacht habe: Ob die Leute das jetzt komisch finden? Ich habe kurz über den Strand geschaut. Überall waren Menschen. Familien spielten mit ihren Kindern, Jugendliche machten Fotos, jemand las ein Buch, andere schliefen in der Sonne. Ein Mann lief mit einer riesigen aufblasbaren Flamingo-Matratze vorbei, zwei Kinder stritten sich lautstark um ein Eis und ein älteres Ehepaar spielte Karten. Und dann ist mir etwas aufgefallen.
Niemand hat hingeschaut
Meine Freundin tanzte bestimmt eine Minute lang. Ich habe extra darauf geachtet. Aber niemand hat sich nach ihr umgedreht. Niemand hat gelacht, niemand hat getuschelt. Die Menschen waren einfach mit ihrem eigenen Urlaub beschäftigt. In diesem Moment habe ich gemerkt, dass ich selbst oft glaube, andere würden mich viel mehr beobachten, als sie es tatsächlich tun. Dabei denkt wahrscheinlich jeder gerade darüber nach, ob er genug Sonnencreme aufgetragen hat, wo das Handy liegt oder was es später zum Abendessen gibt.
Eigentlich sind wir alle mit uns selbst beschäftigt
Seit diesem Moment achte ich viel mehr darauf. Nicht nur im Urlaub, sondern auch zu Hause. Wenn ich durch die Stadt laufe oder mir Gedanken darüber mache, ob mein Outfit passt oder ob etwas peinlich wirken könnte. Mir fällt immer öfter auf, dass die Menschen gar nicht so sehr auf andere achten. Sie führen ihre eigenen Gespräche, schauen auf ihr Handy oder überlegen, was sie als Nächstes machen.
Eine Beobachtung, die geblieben ist
Das war wahrscheinlich die unspektakulärste Erkenntnis meines Urlaubs – und gleichzeitig die, die mir am meisten gebracht hat. Seitdem erinnere ich mich in Situationen, in denen ich zu viel über die Meinung anderer nachdenke, an diesen Strand. An meine tanzende Freundin. Und daran, dass niemand hingeschaut hat. Vielleicht verschwenden wir viel zu viel Zeit damit, uns zu fragen, was andere über uns denken. Dabei sind die meisten Menschen genauso beschäftigt mit ihrem eigenen Leben wie wir mit unserem.
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