Wenn mich jemand fragt, worauf ich mich in den Sommerferien am meisten freue, denken viele zuerst an Ausschlafen oder Urlaub. Darauf freue ich mich natürlich auch. Trotzdem gibt es etwas, das für mich einfach zum Sommer dazugehört: Segeln. Schon wenn ich morgens am Hafen ankomme und die Boote leicht im Wind schaukeln, bekomme ich gute Laune. Ich weiß dann, dass ich die nächsten Stunden wahrscheinlich nicht einmal daran denken werde, auf mein Handy zu schauen.
Jeder Segeltag beginnt anders
Bevor wir überhaupt losfahren, gibt es immer etwas zu tun. Die Segel werden vorbereitet, Leinen kontrolliert und jeder hilft mit. Früher wollte ich am liebsten sofort ablegen. Mittlerweile gehört genau dieses gemeinsame Vorbereiten für mich schon dazu.
Den Moment, wenn das Boot den Steg verlässt, mag ich trotzdem am meisten. Anfangs hört man nur das Wasser gegen den Rumpf schlagen. Dann wird das Großsegel gesetzt, es flattert kurz und plötzlich greift der Wind hinein. Das Boot nimmt langsam Fahrt auf. Obwohl ich das schon oft erlebt habe, fühlt sich dieser Moment jedes Mal besonders an.
Langweilig? Ganz bestimmt nicht
Viele glauben, Segeln sei eigentlich nur Herumsitzen. Ein Freund von mir war davon fest überzeugt. Nach seiner ersten Ausfahrt musste er selbst lachen.
„Ich dachte wirklich, wir sitzen den ganzen Tag in der Sonne. Stattdessen war ich die ganze Zeit beschäftigt.“
Genau so ist es. Man schaut ständig auf den Wind, zieht eine Leine nach, hilft beim Wenden oder übernimmt kurz das Steuer. Wenn plötzlich eine stärkere Böe kommt, muss jeder aufmerksam sein. Gerade das macht für mich den Reiz aus. Man ist die ganze Zeit beschäftigt, ohne dass es sich wie Arbeit anfühlt.
Das Handy wird plötzlich unwichtig
Etwas, das mir erst später aufgefallen ist: Beim Segeln vergesse ich mein Handy komplett. Normalerweise schaut man zwischendurch doch immer wieder kurz aufs Display. Auf dem Wasser passiert das fast nie.
Meine Mutter sagt deshalb oft lachend: „Eigentlich sollten alle Jugendlichen segeln. Dann wären die Handys wenigstens einmal ein paar Stunden still.“
Ganz unrecht hat sie nicht. Statt auf einen Bildschirm zu schauen, beobachtet man die Wellen, sucht nach der nächsten Windböe oder schaut einfach in den Himmel. Das klingt vielleicht kitschig, fühlt sich aber tatsächlich so an.
Kleine Momente bleiben am längsten
Ich erinnere mich an eine Ausfahrt, bei der wir fast keinen Wind hatten. Anfangs waren wir alle ein bisschen enttäuscht, weil wir nur langsam vorangekommen sind. Irgendwann haben wir einfach aufgehört, uns darüber zu ärgern. Wir haben geredet, gelacht und sind ganz gemütlich über den See geglitten. Im Nachhinein war das einer meiner schönsten Segeltage.
An einem anderen Tag war genau das Gegenteil der Fall. Der Wind wurde immer stärker, das Boot legte sich deutlich zur Seite und plötzlich musste jeder mithelfen. Als wir später wieder im Hafen waren, waren wir alle komplett erledigt, aber niemand hätte früher aufhören wollen.
Man lernt mehr, als man denkt
Mein Vater sagt beim Segeln oft: „Den Wind kannst du nicht ändern. Du musst lernen, mit ihm umzugehen.“
Früher fand ich den Satz einfach nur lustig. Heute denke ich manchmal daran, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Irgendwie passt er nicht nur aufs Wasser.
Vielleicht gefällt mir Segeln genau deshalb so gut. Man kann nicht alles kontrollieren. Man muss sich auf neue Situationen einstellen, gemeinsam Lösungen finden und manchmal einfach Geduld haben.
Warum ich jedes Jahr wieder aufs Wasser möchte
Nach einem Segeltag bin ich meistens müde. Die Haare sind zerzaust, manchmal riechen die Hände noch nach den Leinen und oft habe ich sogar einen leichten Sonnenbrand, obwohl ich mir vorgenommen hatte, öfter Sonnencreme nachzulegen.
Trotzdem steige ich jedes Mal mit einem Grinsen vom Boot. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als mit Freunden oder der Familie draußen unterwegs zu sein und den Wind zu nutzen, statt einen Motor einzuschalten.
Deshalb freue ich mich jeden Sommer wieder darauf. Nicht, weil jeder Segeltag perfekt ist, sondern weil keiner dem anderen gleicht. Genau das macht dieses Hobby für mich so besonders.
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