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Wie unser Online-Feed unseren Blick auf die Welt prägt

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28.05.2026
3 Min.

Hast du in den sozialen Medien schon einmal ganz viele Videos zu einem bestimmten Thema gesehen, die alle die gleiche Meinung unterstützen? An irgendeinem Punkt hast du dann plötzlich ein Video gesehen, das die gegensätzliche oder einfach eine andere Meinung vertritt, und dir wurde klar, dass es auch andere Ansichten gibt? Dieses Phänomen ist eine Echokammer, wie ich in einem Online-Gespräch mit Annie Waldherr, Kommunikationswissenschaftlerin der Uni Wien, erfahren habe.

Sympathischen Personen glauben wir im Internet eher, als vertrauenswürdigen. (Foto: Robin Worall (Unsplash))

Annie Waldherr beschäftigt sich an der Universität Wien mit den Themen „Wie werden Themen groß in den Sozialen Medien?“ und „Soziale Bewegungen und Proteste“. Dafür führt sie Inhaltsanalysen durch und beforscht Algorithmen auf beispielsweise Facebook, TikTok und dem ehemaligen Twitter. Wichtig sind für sie auch die Informationen, wer wie vernetzt ist und was online geteilt wird.

Laut der Wissenschaftlerin beeinflussen uns verschiedene Plattformen individuell stark. Es hängt davon ab, auf welchem Medium man viel Zeit verbringt und von wo man seine Informationen bezieht. Momentan steigt zum Beispiel der Anteil der Menschen, die Neuigkeiten über YouTube, Facebook (dortt sind eher die älteren Generationen), Instagram und weitere Online-Plattformen erfahren.

Je extremer, desto besser! Aber wieso?

Durch das Aneignen unserer jeweiligen Präferenzen bestärken die Algorithmen unsere Meinung und andere werden sozusagen überdeckt. Das nennt sich „confirmation bias“, also voreingenommen bestätigend, da uns ausschließlich unsere Meinung in unserem Online-Feed gezeigt wird. Wenn zufällig eine gegensätzliche Meinung auftaucht, reagieren wir meist mit einer abwertenden Haltung oder typischem „Hate“. Besonders eher zugespitzter, wenig sachlicher Content löst stärkere Reaktionen aus.

Aber wieso sind so zugespitzte, extreme Inhalte für uns überhaupt interessanter als sachlich belegte, die wahrscheinlich eher stimmen? Meist ist es so, dass Videos oder Inhalte dieser Art mehr Reaktion auslösen, was heißt, dass sie öfter geteilt werden als sachliche, betont Waldherr. Dadurch sind sie mehr verbreitet, erfolgreicher und tauchen bei mehr Leuten im Feed auf.

So ist es beispielsweise wissenschaftlich bestätigt, dass Leute mit extremen politischen Meinungen mehr und „größer“ posten, wodurch sie wie die Mehrheit wirken. Dabei stimmt das gar nicht und es gibt nur ein paar Personen, die diese Meinung vertreten, darum aber einen großen Wirbel machen. Außerdem zeigen unprofessionelle Inhalte häufig viel zu einfache und dadurch unrealistische Lösungen für komplizierte Probleme, was sie attraktiver erscheinen lässt.

Gefangen in Filterblasen

Die Situation, die ich zu Beginn beschrieben habe, bei der wir nur Content online sehen, der eine bestimmte Meinung vertritt, ist eine Echokammer, wie schon erwähnt. In solch einer Echokammer werden wir immer und immer wieder in unserer eigenen Meinung bestätigt, da es die einzige vertretene Meinung im Feed ist, erklärt Waldherr.

Dabei spielen sogenannte „Filterblasen“ eine wichtige Rolle. Sie filtern den Algorithmus so, dass eben nur einseitige Ansichten gezeigt werden. Treten diese beiden Phänomene in einem gewissen Ausmaß auf, bilden sie etwas, das „Information Cocoon“ genannt wird. Wie der Name schon sagt, gelangen praktisch nur bestimmte Informationen und Ansichtsweisen zu der Person, die sich in diesem Kokon befindet.

Realistisch gesehen ist es also eigentlich ziemlich einfach, in so eine Echokammer geraten, ohne es zu bermerken. Jedenfalls, wenn wir nur eine einzige Quelle haben, aus der wir zum Beispiel politische Informationen beziehen. Jedoch nutzen viele Menschen heute mehrere Informationsquellen und bewegen sich in unterschiedlichen Online-Communities. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit sinken, in einem Information Cocoon zu landen. Interessant zu wissen ist hierbei, dass genau so Memes viral werden: durch Menschen, die in verschiedenen Bubbles unterwegs sind und Memes auf diese Weise verbreiten, das wird übrigens „Long Ties“ (lange Verbindungen) genannt.

Jung und Alt vor Fake News schützen

Abschließend hat uns Annie Waldherr noch ein paar Tipps mitgegeben, wie wir uns vor Echokammern, Information Cocoons und somit auch Fake News am besten schützt: Extreme oder hetzende Inhalte sollte man unbedingt zuerst überprüfen, denn oft stammt aggressiver Content von unprofessionellen Content-Erstellern, die durch sensationelle, ausgedachte Neuigkeiten mithilfe von mehr Klicks Geld verdienen wollen.

Wir sollten uns also fragen, welches Motiv die postende Person hat und natürlich sollten wir die Vertrauenswürdigkeit hinterfragen. Fake News sind immerhin nicht illegal und deshalb weit verbreitet. Wichtig ist also für jeden, der im Internet unterwegs ist: Seid aufmerksam, gerade, wenn es um wichtige Dinge wie die Politik geht!

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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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