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Reifen flicken statt neuen Schlauch kaufen: Was ich von meinem Vater über Geld gelernt habe

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Volontärin · Höhere Tourismusschule St. Pölten
03.03.2026
2 Min.

Es geht nicht um Sparen um jeden Preis. Weniger Geld auszugeben heißt auch, mehr für die guten Dinge im Leben zu haben. Was ich sonst noch von meinem Vater über Geld gelernt habe.

Leicht gespartes Geld: neue Schläuche sind die einfachere Lösung als Flicken, aber teuer. (Foto: IMAGO/Guido Schiefer)

Mein Vorbild im Umgang mit Geld ist mein Vater. Als Kind habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Geld war einfach da, Rechnungen wurden bezahlt, und das Leben lief.
Erst heute merke ich, wie sehr mich seine Haltung geprägt hat. Mein Vater hat nie viel über Geld geredet. Er hat es einfach ruhig und selbstverständlich geregelt. Wenn eine Rechnung kam, wurde sie bezahlt. Wenn etwas kaputtging, überlegten wir, ob wir es reparieren können, bevor wir etwas Neues kaufen. Diese Ruhe hat mich damals kaum interessiert.

Heute bewundere ich sie. Ich erinnere mich, wie wir einmal meinen kaputten Fahrradreifen geflickt haben. Ich wollte sofort einen neuen kaufen, aber er setzte sich mit mir in den Hof, holte das Flickzeug und sagte: „Probieren wir es zuerst so.“

Nicht Sparen um jeden Preis

Es ging ihm nicht ums Sparen um jeden Preis. Es ging darum, Dinge wertzuschätzen und nicht alles sofort wegzuwerfen. Oder wenn wir im Winter die Heizung etwas niedriger stellten und stattdessen eine Decke holten. Er machte daraus kein Verbot, sondern etwas Gemütliches. „So ist es doch auch schön“, sagte er dann.

Heute verstehe ich: Es ging nicht nur ums Geld, sondern darum, bewusst zu leben. Früher fand ich es nervig, wenn er vor größeren Anschaffungen sagte: „Lass uns noch ein paar Tage überlegen.“ Ich wollte Dinge sofort. Heute mache ich es genauso. Wenn ich etwas Teureres kaufen möchte, warte ich ab. Oft merke ich nach ein paar Tagen, dass ich es gar nicht mehr brauche.

Trends vorbeiziehen lassen

Von ihm habe ich auch gelernt, dass man nicht jeden Trend mitmachen muss. Nur weil Freunde das neueste Handy hatten, hieß das nicht, dass ich auch eines brauchte. Damals war ich enttäuscht. Heute bin ich dankbar, denn ich habe gelernt zu unterscheiden zwischen dem, was ich wirklich will, und dem, was nur gerade alle wollen.

Was mich besonders geprägt hat: Trotz aller Vernunft hat mein Vater nie vergessen zu leben. Für ein Eis nach einem langen Spaziergang, einen spontanen Ausflug an den See oder ein gemeinsames Abendessen war immer Platz. Er hat mir gezeigt, dass Geld nicht dazu da ist, gehortet zu werden, sondern dazu, das Leben bewusst zu gestalten. Heute ertappe ich mich oft bei seinen Sätzen. „Brauchst du das wirklich?“ oder „Warte noch ein bisschen.“ Früher klangen sie streng, heute geben sie mir Orientierung.






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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen

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