Wie finden Erstwähler ihren politischen Platz? Und was hat Joghurt damit zu tun?

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Volontärin · HAK1 Klagenfurt - Handelsakademie & Handelsschule
20.04.2026
4 Min.

Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht wirklich angesprochen. Im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Laurenz Ennser-Jedenastik wird deutlich, warum populistische Parteien gerade auf Jugendliche oft stark wirken und weshalb es einen großen Unterschied macht, ob junge Menschen wählen gehen oder nicht.

In der Politik ist es wie beim Joghurt: Die perfekte Wahl gibt es manchmal nicht (Foto: Shutterstock)

„Das ist so, wie wenn ich im Supermarkt zwischen drei Joghurts unterscheiden kann und ich finde die alle nicht so super.“ Mit diesem Vergleich bringt Politikwissenschaftler Laurenz Ennser-Jedenastik von der Uni Wien im Online Meeting genau das auf den Punkt, was viele junge Menschen vor ihrer ersten Wahl beschäftigt.

Wenn Politik auf einmal ganz nah wirkt

Ich bin 18 Jahre alt, gehe noch zur Schule und wähle heuer zum ersten Mal. Genau deshalb spricht mich dieser Satz sofort an. Er klingt nicht nach einer auswendig gelernten Politikerantwort, sondern nach etwas, das man wirklich versteht.

Am 20. April sitze ich im Zoom Call mit vielen anderen Schülerinnen und Schülern. Im Chat kommen laufend Fragen herein, und schnell wird klar: Es geht nicht um trockene Theorie, sondern um unsere Unsicherheiten als junge Wählerinnen und Wähler. Wie stark wirkt Populismus auf junge Menschen? Was bringt Wählen überhaupt, wenn keine Partei ganz passt? Und lohnt es sich, sich mit 18 schon so intensiv mit Politik auseinanderzusetzen?

Warum Populismus oft überzeugend wirkt

Auf die Frage, warum populistische Parteien auf junge Menschen oft anziehend wirken, antwortet Ennser Jedenastik sehr direkt. Solche Parteien würden komplizierte Probleme einfacher machen, emotionaler und greifbarer. Genau das sei ihre Stärke. Wer politische Debatten noch nicht jahrelang verfolgt, reagiere oft stärker auf klare Botschaften als auf vorsichtige und komplizierte Erklärungen.

Gerade das finde ich einleuchtend. Klassische Politik kann auf viele junge Menschen oft distanziert, technisch und schwer verständlich wirken. Populistische Aussagen kommen schneller auf den Punkt. Sie klingen entschlossen und geben das Gefühl, dass endlich jemand handelt. Gleichzeitig lässt Ennser-Jedenastik diesen Eindruck nicht einfach stehen. Er sagt auch, warum genau darin eine Gefahr liege. Einfache Antworten würden zwar stark klingen, lösten politische Probleme aber nicht automatisch.

Besonders spannend finde ich, dass der Politikwissenschaftler auch ein verbreitetes Klischee relativiert. Auf die Frage, ob junge Menschen eher populistische Parteien wählen, antwortet er klar, dass das in Österreich gar nicht so eindeutig sei. Gerade dieser Punkt bleibt mir hängen, weil politische Diskussionen oft viel pauschaler klingen.

Wenn keine Partei perfekt ist

Eine Frage aus dem Chat trifft genau das, was viele Erstwähler beschäftigt: Was soll man tun, wenn man sich von keiner Partei zu hundert Prozent vertreten fühlt? Genau darauf reagiert Ennser-Jedenastik mit dem Joghurtvergleich. Für mich ist das einer der stärksten Momente des ganzen Calls, weil dieses Bild sofort verständlich ist.

Wählen heiße oft nicht, die perfekte Partei zu finden. Es ginge darum, sich zu fragen, welche Themen einem besonders wichtig sind und welches Gesamtpaket noch am ehesten passt. Ennser-Jedenastik spricht das sehr offen aus. Niemand könne in jedem einzelnen Bereich genau das wählen, was perfekt zu den eigenen Vorstellungen passt. Gerade deshalb wirkt sein Vergleich so gut. Er nimmt jungen Menschen die Vorstellung, dass man sich nur dann entscheiden darf, wenn alles zu hundert Prozent stimmt.

Frust ist verständlich, Rückzug hilft nicht

Noch spannender wird es, als es um politische Enttäuschung geht. Eine Frage im Call lautet, was man jungen Menschen sagen kann, die von Parteien so frustriert sind, dass sie gar nicht mehr wählen gehen wollen. Ennser-Jedenastik reagiert darauf nicht belehrend, sondern verständnisvoll. Er sagt , dass er diesen Frust gut nachvollziehen könne. Dann setzt er mit einem Satz nach, der mir besonders im Kopf bleibt: „Politik ist nicht nur was ich mir einfach anschaue. Das ist nicht nur ein Konsumakt.“

Genau dieser Satz verändert für mich viel. Ennser-Jedenastik beschreibt Politik nicht als etwas, das man nur beobachtet, bewertet und dann wegklickt. Er beschreibt sie als etwas, an dem man selbst beteiligt ist. Im Gespräch nennt der Wissenschaftler dafür auch ganz konkrete Beispiele. Etwa Engagement in der Schule, in der Gemeinde oder in einer Partei. Plötzlich wirkt Politik nicht mehr wie etwas Fernes, sondern wie etwas, das auch im Kleinen beginnt.

Zählt meine Stimme überhaupt?

Ein weiterer wichtiger Teil des Meetings dreht sich um die Frage, ob junge Menschen in einer alternden Gesellschaft überhaupt noch echte Mitbestimmung haben. Diese Sorge ist für mich nachvollziehbar. Es gibt mehr ältere als jüngere Wählerinnen und Wähler, und dadurch kann natürlich ein Ungleichgewicht entstehen.

Ennser-Jedenastik spricht das offen an, ohne es kleinzureden. Gleichzeitig warnt er davor, daraus sofort einen reinen Konflikt zwischen Jung und Alt zu machen. Viele politische Unterschiede verliefen nicht nur zwischen Generationen, sondern auch innerhalb derselben Altersgruppen.

Für mich ist vor allem ein anderer Satz entscheidend: „Jede Stimme zählt gleich viel.“ Gerade als Erstwählerin ist das für mich der wichtigste Gedanke des ganzen Calls. Junge Menschen sind vielleicht weniger, aber ihre Stimmen sind nicht weniger wert. Dazu kommt noch etwas, das ich vorher so nie sah: Wer jung ist, hat noch viele Wahlen vor sich. Auch der langfristige Einfluss zählt also.

Was mir vom Call bleibt

Die große Erkenntnis dieses Meetings liegt für mich darin, dass ich Politik nicht mehr nur als Schlagwort erlebe, sondern als Gespräch über echte Fragen. Ennser-Jedenastik spricht nicht abstrakt über Demokratie. Er reagiert auf Fragen, die direkt aus dem Chat kommen und die viele von uns wirklich betreffen. Genau dadurch wirkt der Call lebendig.

Ich nehme aus diesem Gespräch mit, dass Frust verständlich ist, aber kein Grund, sich komplett zurückzuziehen. Populistische Parteien wirken oft stark, weil sie einfache Antworten geben. Aber genau deshalb muss man genauer hinschauen. Wählen ist vielleicht nicht perfekt. Trotzdem bleibt es eine echte Form von Mitbestimmung. Und gerade wenn man das Gefühl hat, dass andere sowieso immer entscheiden, wird die eigene Stimme umso wichtiger.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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