Als ich Chiara (17) treffe, liegen ihre Lernunterlagen schon ordentlich neben ihr auf dem Tisch. Sie ist mitten drin im Maturastress, hat es jetzt aber fast geschafft.
Auf die Frage, wann sie angefangen habe zu lernen, muss Chiara selbst lachen. „Viel zu spät“, gibt sie zu. „So richtig intensiv erst ein paar Monate vorher.“
An guten Tagen lerne sie vier bis sechs Stunden, an schlechten manchmal gar nicht. Einen fixen Plan habe sie zwar, „zumindest in der Theorie“. Doch oft werde daraus eher ein Mix aus Struktur und Chaos.
Am liebsten lerne sie nicht zu Hause. „Da lenkt mich alles ab. Ich gehe oft in die Bibliothek oder ins Café. Hauptsache, ich komme in einen Fokus rein.“
Ihr Stresslevel?
„Schon hoch“, sagt sie nach kurzem Überlegen. „Es ist nicht immer extrem, aber es ist immer da. Wie ein Dauerrauschen im Kopf.“
Die Matura beeinflusse längst ihren Alltag. Freunde treffe sie seltener, Schlaf werde unregelmäßiger. „Wenn ich viel im Kopf habe, liege ich oft lange wach.“
Zweifel, Druck und kleine Strategien
Besonders zu schaffen mache ihr Mathematik. „Da sitze ich manchmal ewig an einer Aufgabe“, erzählt sie. Wenn sie nicht weiterkomme, helfe nur eines: Abstand. „Kurz verzweifeln, dann Freunde fragen, ein bisschen tanzen und Pause machen.“
Ganz anders als erwartet sei für sie vor allem der Druck. „Ich dachte, es geht nur um viel Stoff. Aber es ist dieses Gefühl, dass es jetzt wirklich zählt.“
Auf die Frage, ob es Momente gebe, in denen alles zu viel werde, nickt sie sofort. „Ja, die gibt es. Aber man muss sich klar machen: Es geht vorbei.“
„Es geht nicht darum, perfekt zu sein“
Was sie antreibe, sei der Blick nach vorne. „Das Gefühl danach einfach frei zu sein“, sagt sie. Sommer, keine Prüfungen mehr, ein neuer Abschnitt.
Ihr Rat an alle, die die Matura noch vor sich haben:
„Fangt früher an, als ihr denkt. Und macht euch nicht zu viel Druck. Es geht nicht darum, alles perfekt zu können, sondern genug.“
Als wir uns verabschieden, packt Chiara ihre Unterlagen wieder ein. Für sie geht es zurück zum Lernen.
Ich bleibe noch kurz sitzen und denke an diesen Satz aus dem Unterricht.
„Das braucht ihr für die Matura.“
Vielleicht stimmt das. Aber was wir wirklich brauchen, ist etwas anderes: Durchhaltevermögen, Ehrlichkeit zu uns selbst und die Fähigkeit, auch im Stress nicht ganz den Kopf zu verlieren.
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