Weltweit sind schätzungsweise zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung von Computerspielsucht betroffen, mit höheren Raten in asiatischen Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die „Gaming Disorder“, also die Computerspielsucht, im Jahr 2018 offiziell als Krankheit anerkannt. Studien zeigen, dass vor allem Jugendliche gefährdet sind. Während der Corona-Pandemie stieg die Abhängigkeit bei 10- bis 17-Jährigen auf etwa 4,3 Prozent.
Viele kennen die Situation: Kaum wurden ein bis zwei Stunden am Computer gespielt, kommen die Eltern ins Zimmer und wollen das Spielen verbieten. „Deine Augen werden noch viereckig“, heißt es dann oft. Doch sind Computerspiele wirklich so schlecht, wie viele Eltern behaupten?
Immer nur negativ?
Natürlich gibt es einige Nachteile beim Computerspielen, doch häufig werden die positiven Seiten übersehen. Vor allem bei schnellen Spielen verbessert sich die Reaktionsfähigkeit – das ist nicht unbedingt etwas Negatives. Außerdem können Fantasie und Kreativität gefördert werden, die bei vielen Kindern im Schulalltag leider zu kurz kommen.
Auch kognitive Fähigkeiten lassen sich durch Computerspiele trainieren. Dazu gehören geistige Prozesse der Informationsverarbeitung, wie logisches Denken, Problemlösungsstrategien, Konzentration, Aufmerksamkeit für die Umgebung sowie das langfristige Gedächtnis.
Nur positiv ist ein Traum
Leider gibt es auch Nachteile, besonders, wenn täglich mehr als ein bis zwei Stunden gespielt wird. Bei Spielen wie Fortnite stehen häufig Wettbewerb, Frustration oder auch aggressive Inhalte im Vordergrund. Da es sich um ein Shooter-Spiel handelt, werden jüngere Kinder mit Szenen konfrontiert, die nicht altersgerecht sind, beispielsweise Darstellungen von Gewalt oder Tod.
Auch wenn die Auswirkungen nicht sofort auffallen, können sie bei Minderjährigen unter 18 Jahren langfristige Folgen haben, etwa eine erhöhte Reizbarkeit oder sich langsam entwickelnde Aggressionsprobleme.
Die Angst vor der Sucht
Die größte Sorge vieler Eltern ist eine mögliche Abhängigkeit ihrer Kinder. Problematisch ist, dass Anzeichen oft erst spät erkannt werden. Typische Symptome sind beispielsweise ständige Gedanken ans Spielen oder die Tatsache, dass das Spiel wichtiger wird als Treffen mit Freunden oder Zeit mit der Familie. In schweren Fällen kann sich daraus sogar eine depressive Verstimmung entwickeln.
Viele Eltern möchten ihre Kinder schützen, wissen jedoch nicht genau, wie. Häufig folgen dann strenge Maßnahmen wie ein komplettes Laptop-Verbot oder eine starre Begrenzung auf zwei Stunden täglich. Wenn jedoch bereits eine Abhängigkeit besteht, führt das einfache Wegnehmen der Geräte selten zum Erfolg. Sinnvoller sind klare Regeln, die von Anfang an gemeinsam festgelegt werden, damit spätere Konflikte vermieden werden können.
Gesundes Gaming
Für ein gesundes Gaming sind folgende Punkte wichtig:
- Täglich nicht mehr als ein bis zwei Stunden spielen.
- Auf eine ausgewogene Freizeitgestaltung mit verschiedenen Hobbys achten.
- Keine brutalen oder nicht altersgerechten Spiele wählen.
- Regelmäßige Pausen einlegen, aufstehen und für einige Minuten nicht auf den Bildschirm schauen.
- Während des Spielens nicht essen, da das Sättigungsgefühl dabei oft weniger bewusst wahrgenommen wird.
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