Oma und ich sitzen beim warmen Stubenofen. Wieder einmal erzählt sie mir von früher und dem harten Leben während der Kriegszeit: "Alle hatten wenig! Zu Weihnachten gab es als Geschenk einen großen, roten Apfel. Für jeden Wunsch musste man lange sparen." Nachdenklich greift sie in die Tasche ihrer Schürze und holt ein paar Münzen heraus: "Heute fehlt es euch Jungen an nichts, ihr habt alles, was ihr braucht. Wenn ihr etwas wollt, dann bekommt ihr es sofort. Sparen braucht ihr nicht mehr!"
Das stimmt. Dadurch verlieren aber Dinge auch schnell an Wert. Wenn wir etwas nicht mehr benötigen, dann schmeißen wir es weg – auch wenn es nicht kaputt ist - und kaufen uns etwas Neues.
Verändertes Spar- und Konsumverhalten
Außerdem wurden früher Häuser über viele Jahre gebaut. So auch von meinen Großeltern. Beim Bezug war nur das Parterre mit Küche, Bad/WC, provisorischem Wohnzimmer, Schlafzimmer und einem Kinderzimmer für alle drei Kinder zusammen fertig. Das ganze obere Stockwerk war leer und das Haus unverputzt. Heute jedoch soll alles in kurzer Zeit fertig sein. Niemand zieht mehr in einen Rohbau ein. Bei unseren Nachbarn war sogar schon der Rollrasen verlegt und die Ziersträucher gepflanzt. Die Leute sind bereiter, Schulden aufzunehmen, vielleicht auch deshalb, weil meist beide Elternteile verdienen und so einen Kredit leichter zurückbezahlen können.
Heute können aber auch leichter beide Elternteile arbeiten. Meist haben sie nur ein oder zwei Kinder. Drei in einer Familie sind heute schon viel! Oma und Opa unterstützen sie bei der Betreuung, weiters gibt es Kinderkrippen, Tageseltern, Kindergärten und Nachmittagsbetreuung. Und in manchen Familien steht nicht deshalb mehr Geld zur Verfügung, weil die Eltern besonders gute Jobs haben, sondern weil es noch kinderlose Verwandte gibt, die gerne einen finanziellen Zuschuss leisten. Sie bessern das Taschengeld auf, ermöglichen die neuesten Handys und exklusive Urlaube.
Wie ich mit meinem Geld umgehe
Das Leben ist teurer geworden, die Staatsschulden höher – und trotzdem wird scheinbar auf allen Ebenen fröhlich weiterkonsumiert. Das ist wichtig, damit die Wirtschaft funktioniert. Man gibt Geld aus, das man nicht hat. Das stimmt mich nachdenklich: Wohin soll das Führen?
Schon als Kind haben mir meine Eltern das Sparen gelernt. Gemeinsam warfen wir Geldgeschenke in meine Sparbüchse. Am Weltspartag spazierte ich dann damit stolz in die Bank, nicht wegen dem Geschenk – das manchmal eh nichts Besonderes war. Mich haben die vielen bunten Gasluftballons, die Atmosphäre und die Münzzählmaschine beeindruckt und dass so viele Kinder das Gleiche taten wie ich.
Sparen ist Erziehungssache
Von Mama und Papa lernte ich, dass man sich genau überlegen soll, was man sich kaufen will. Bei Schulausflügen brachte ich oft noch etwas von meinem Taschengeld mit nach Hause, während andere bis zum letzten Cent alles verbraucht hatten, nur damit es ausgegeben war. Zur Belohnung durfte ich mir den Rest immer behalten.
Wir haben ein altes Haus und fast jedes Jahr eine Baustelle, weil mein Papa und mein Opa viel selbst machen. Schulden haben wir keine, obwohl die Materialkosten stark gestiegen sind. Wir machen immer so viel, wie wir uns leisten können. Zeit kostet es viel, die uns dann z. B. für gemeinsame Urlaubsreisen fehlt. Aber muss man alles haben? Und inzwischen reise ich schon mit meinen Freundinnen.
Ich lerne auch selbst dazu
Derzeit besuche ich die HAK und absolviere ein Praktikum in einer Bank. Dadurch gewinne ich einen guten Einblick in das Geldwesen und lerne, sorgfältig damit umzugehen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ein Kind mit seinem Sparschwein kommt und es stolz ausleeren lässt. Ich selbst habe inzwischen ein Jugendkonto und verwalte mein Taschengeld und mein Erspartes selbständig. Noch nie war ich knapp bei Kasse, obwohl ich nicht das Gefühl habe, sparen zu müssen. Ich kann mir alles leisten, was ich möchte.
Deshalb glaube ich, dass der Umgang mit Geld eine Fähigkeit ist, die man von klein auf lernen sollte, so wie vieles andere im Leben auch.
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