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Meine Mama sitzt jeden Monat am Küchentisch und legt Geld zur Seite. Was sie damit bezweckt

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02.03.2026
3 Min.

Ich erinnere mich noch genau an Momente, in denen meine Mama am Küchentisch saß und jeden Monat einen festen Betrag zur Seite legte. Oft habe ich daneben gesessen und mich gefragt, warum sie so diszipliniert ist, und heute merke ich, dass sie mir damit mehr beigebracht hat als jede Tabelle oder App.

Eine Mutter zeigt, wie Sparen richtig geht. Kommt aber nicht immer gut an. (Foto: shutterstock)

Am Ende des Monats saß meine Mutter oft am Küchentisch, vor ihr lagen Kontoauszüge, ein Notizbuch und ihr Taschenrechner. Ich erinnere mich, wie ich als Kind danebenstand und nicht verstand, warum sie so genau rechnete. Es war kein besonders aufregender Moment, nichts Dramatisches und trotzdem blieb er mir im Kopf. Egal, wie eng es gerade war, sie überwies immer einen festen Betrag auf ihr Sparkonto. Ohne Diskussion, ohne Zögern. Sparen war für sie keine Option, sondern selbstverständlich.

Wenn ich heute an meinen eigenen Umgang mit Geld denke, führt mich dieser Anblick sofort zu ihr zurück. Meine Mutter war keine Finanzexpertin, hatte keine Aktien-Apps oder komplizierten Tabellen – aber sie hatte etwas viel Wertvolleres: Klarheit, Disziplin und ein gesundes Bauchgefühl. Wir sind nicht im Überfluss aufgewachsen, aber es hat uns nie etwas gefehlt. Und genau das beeindruckt mich bis heute.

Sparen als Gewohnheit, nicht als Zwang

Schon als Kind habe ich beobachtet, dass sie jeden Monat einen festen Betrag zur Seite legte – egal, wie angespannt die Situation gerade war. Als ich mit zwölf mein erstes Taschengeld bekam, wollte ich es am liebsten sofort ausgeben. Stattdessen setzte sie sich mit mir an den Küchentisch und sagte: „Teile es in drei Teile: ausgeben, sparen, zurücklegen für etwas Größeres.“

Mit 14 wollte ich unbedingt ein neues Handy. Sie hätte es mir vielleicht kaufen können, aber stattdessen machte sie mit mir eine kleine Rechnung. Wir schrieben auf, wie viel ich monatlich sparen müsste und wie lange es dauern würde. Zuerst war ich genervt, weil ich das Gefühl hatte, alle anderen wären schneller als ich. Doch als ich Monate später mit meinem ersparten Geld im Laden stand und selbst bezahlte, fühlte es sich anders an als jedes Geschenk zuvor. Ich war stolz, fast ein bisschen erwachsen, und merkte: Ich kann mir Dinge selbst erarbeiten. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit trage ich bis heute in mir.

Bewusst entscheiden statt spontan reagieren

Meine Mutter kaufte größere Dinge nie impulsiv. Vor jeder größeren Anschaffung schlief sie mindestens eine Nacht darüber. Dieses Prinzip habe ich übernommen.

Vor zwei Jahren wollte ich mir spontan ein sehr teures Fahrrad kaufen – einfach, weil ich dachte: „Das gönne ich mir jetzt.“ Im Laden war ich begeistert, gleichzeitig spürte ich ein leichtes Ziehen im Bauch. Brauche ich das wirklich? Oder ist es nur ein kurzer Impuls?

Ich gab mir bewusst 48 Stunden Bedenkzeit. In dieser Zeit schwankte ich zwischen Begeisterung und Zweifel. Ich verglich Preise, rechnete aus, wie viele Stunden ich dafür arbeiten müsste, und stellte mir vor, wie oft ich es tatsächlich nutzen würde. Am Ende entschied ich mich für ein günstigeres Modell – und war genauso zufrieden, vielleicht sogar zufriedener, weil die Entscheidung bewusst getroffen war.

Sicherheit gibt Freiheit

Was ich am meisten von ihr gelernt habe, ist die emotionale Seite von Geld. Sie sagte oft: „Ein kleines Polster schläft besser als ein volles Konto ohne Plan.“

Als bei uns einmal die Waschmaschine kaputtging, war das ärgerlich, aber kein Drama. Sie blieb ruhig, weil sie Rücklagen gebildet hatte. Diese Gelassenheit in einer unerwarteten Situation hat mich nachhaltig geprägt.

Heute merke ich, wie sehr mich das beeinflusst. Ich führe bewusst ein Haushaltsbuch, plane größere Ausgaben im Voraus und lege automatisch Geld zurück, bevor ich es ausgebe. Erst letzte Woche wollte ich mir spontan neue Kopfhörer bestellen. Früher hätte ich sofort auf „Kaufen“ geklickt. Stattdessen schlief ich eine Nacht darüber und stellte fest, dass meine alten noch völlig ausreichen.

Auch bei der Urlaubsplanung oder kleinen Alltagskäufen wirkt diese Haltung nach. Ich plane frühzeitig, setze mir ein Budget und genieße es dann umso mehr, weil ich weiß: Es passt. Diese Struktur gibt mir nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch innere Ruhe.

Geld als Werkzeug

Von meiner Mutter habe ich gelernt: Geld ist kein Statussymbol, sondern ein Werkzeug. Es schafft Möglichkeiten, wenn man klug damit umgeht. Diese Haltung begleitet mich privat und schulisch – und beeinflusst sogar, wie ich insgesamt Entscheidungen treffe: überlegt, langfristig und mit Blick auf die Konsequenzen.

Meine Mutter hat mir keine komplizierten Finanzstrategien beigebracht. Aber sie hat mir etwas viel Wichtigeres mitgegeben: Verantwortung, Geduld und das gute Gefühl, vorbereitet zu sein. Und genau das ist bis heute mein größter finanzieller Gewinn.

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