Es ist seltsam, wenn man darüber nachdenkt. Für manche bin ich ein Name, den sie schon lange nicht mehr ausgesprochen haben. Irgendwo denkt vielleicht gerade jemand an den Menschen, der ich einmal war, obwohl es diese Version von mir längst nicht mehr gibt.
Gleichzeitig gibt es Menschen, die mich noch gar nicht kennen. Für sie beginnt meine Geschichte erst morgen, nächste Woche oder vielleicht erst in ein paar Jahren. Sie werden mich nicht mit meiner Vergangenheit vergleichen. Sie lernen einfach die Person kennen, die ich dann bin.
Jeder kennt einen anderen Menschen
Vielleicht ist das das Merkwürdigste am Leben: Niemand erlebt denselben Menschen. Meine Eltern kennen eine Version von mir, die meine Freunde nie gesehen haben. Meine Freunde kennen Seiten, die den Fremden verborgen bleiben. Und selbst ich kenne Gedanken und Gefühle, die niemand jemals sehen wird.
Vielleicht gibt es deshalb kein endgültiges „Ich“. Vielleicht besteht ein Mensch aus tausend verschiedenen Erinnerungen. Aus all den Momenten, in denen er für jemanden etwas bedeutet hat oder auch gar nichts.
Während ich versuche herauszufinden, wer ich eigentlich bin, bin ich für andere längst Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Und irgendwo erinnert sich vielleicht gerade jemand an einen Satz von mir, den ich selbst längst vergessen habe.
Manchmal reicht ein Blick
Am Ende hinterlassen wir nicht nur Spuren durch große Taten. Manchmal reicht ein kurzer Moment, ein Gespräch oder ein Blick, um für immer Teil der Geschichte eines anderen Menschen zu werden ohne es jemals zu erfahren.
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