Als ich klein war, war Weihnachten kein Termin. Es war ein Gefühl. Ein Gefühl von Geborgenheit, Freude und Besinnung.
Es begann mit Mehl an den Fingern und Teig unter den Nägeln. Mama rollte den Plätzchenteig aus, Papa stahl heimlich einen noch warmen Keks vom Blech, meine Geschwister und ich durften mit viel zu großen Förmchen Sterne ausstechen. Mehl lag überall, und trotzdem lachten wir. Draußen fiel leise der Schnee, in der Küche flackerte der Kerzenschein, der Duft von Keksen und Weihrauch lag in der Luft.
Ich stand oft am Fenster und sah zu, wie die Flocken die Welt langsamer machten. Autos fuhren vorsichtig, Geräusche wurden gedämpft, alles wirkte plötzlich weicher, und mir wurde warm ums Herz. Der Schnee gehörte für mich zu Weihnachten wie der Duft von Zimt und Lebkuchen.
Nach dem Backen gingen wir hinaus. Die eisige Kälte färbte unsere Bäckchen rot, die Nase fror ein, aber es störte uns keineswegs. Wir hinterließen Spuren im frischen Schnee, bauten schiefe Schneemänner und warfen uns lachend Schneebälle zu. Wenn es langsam dunkel wurde, leuchteten die Fenster der Häuser warm und gelb, und ich wusste: Gleich gibt’s Mamas leckeren Kakao.
Heute scheint der Schnee seltener zu fallen. Oder vielleicht nehmen wir ihn nur nicht mehr so wahr. Weihnachten kommt zwischen Verpflichtungen, Terminen und Erwartungen. Jeder ist gestresst, denn alles muss perfekt sein. Der Zauber der Weihnacht geht verloren.
Doch manchmal erinnere ich mich. An kalte Hände, warme Herzen und daran, wie wenig es brauchte, um glücklich zu sein. Ein paar Kekse, ein wenig Schnee und Menschen, die Zeit füreinander hatten.
Der Zauber der Weihnacht liegt nicht im Stress, alles richtig zu machen. Er liegt darin, innezuhalten, so wie der Schnee alles kurz zum Schweigen bringt, und zufrieden zu sein mit dem, was wir haben.
Vielleicht sollten wir die Welt wieder einmal durch Kinderaugen betrachten.
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