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Wenn Vorurteile Alltag werden

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TOP 100 Autorin
Volontärin · BRG 4
01.08.2026
2 Min.

Antisemitismus zeigt sich nicht immer offen – oft steckt er in beiläufigen Bemerkungen, Vorurteilen oder Beiträgen in sozialen Medien.

Antisemitismus in den sozialen Medien: Jüdische Influencer wehren sich (Foto: Shutterstock )

Vor einigen Wochen ist mir auf TikTok ein Video zum Holocaust angezeigt worden. Das Video sollte an die Opfer erinnern. Als ich die Kommentare gelesen habe, war ich schockiert. Zwischen vielen respektvollen Nachrichten standen Aussagen wie „Der Holocaust ist eine Lüge“ oder „Sechs Millionen? Das glaubt doch niemand.“ Andere Nutzer machten sich mit Memes oder Witzen über das Thema lustig. Mir wurde klar, dass Antisemitismus nicht nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist, sondern auch heute in sozialen Medien verbreitet wird.

Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass antisemitische Inhalte auf fast allen großen Plattformen vorkommen. Die Anti-Defamation League (ADL) dokumentiert regelmäßig Beiträge auf TikTok, Instagram, X und Telegram, in denen der Holocaust geleugnet oder verharmlost wird. In ihrem Bericht über TikTok zeigt die Organisation Beispiele von Accounts, die behaupten, Jüdinnen und Juden würden Medien, Banken oder Regierungen kontrollieren – ein klassisches antisemitisches Verschwörungsnarrativ. Andere Nutzer verbreiten die Behauptung, der Holocaust habe nie stattgefunden oder die Zahl der Opfer sei erfunden. Solche Inhalte werden oft mit Musik, Memes oder kurzen Videos kombiniert und erreichen dadurch besonders viele junge Menschen.

Rechtsextremisten aktiv

Auch bekannte Rechtsextremisten nutzen soziale Medien gezielt. Der US-amerikanische Influencer Nick Fuentes verbreitet auf X, Telegram und anderen Plattformen seit Jahren antisemitische Verschwörungserzählungen und relativiert den Holocaust. Seine Beiträge werden immer wieder weiterverbreitet und erreichen auch Menschen, die sich vorher kaum mit solchen Inhalten beschäftigt haben. Experten warnen deshalb davor, dass Algorithmen extremistische Inhalte verstärken können.

Gegenbewegung wird stärker

Neben den Hassbeiträgen gibt es aber auch jüdische Creator, die darüber aufklären. Die TikTok-Creatorin @livschreiber berichtet regelmäßig über antisemitische Kommentare, die sie unter ihren Videos erhält, und zeigt, wie schnell Hass im Netz verbreitet wird. Auch Organisationen wie das World Jewish Congress oder die Anti-Defamation League veröffentlichen auf ihren Social-Media-Kanälen Beispiele für antisemitische Inhalte und erklären, warum bestimmte Aussagen nicht einfach Kritik an Israel, sondern antisemitische Hetze sind.

Bei meiner Recherche ist mir außerdem aufgefallen, dass viele antisemitische Beiträge bewusst verschlüsselte Begriffe oder Schreibweisen verwenden, um die Moderation der Plattformen zu umgehen. Statt „Holocaust“ schreiben manche Nutzer beispielsweise „hol0caust“ oder verwenden Begriffe wie „Holohoax“. Solche Codes sind in Berichten von Experten dokumentiert und zeigen, wie Hass im Internet verbreitet wird.

Nach dieser Recherche sehe ich soziale Medien mit anderen Augen. Antisemitismus zeigt sich dort oft nicht als offene Hassrede, sondern in Form von Memes, Verschwörungserzählungen oder scheinbar ironischen Kommentaren. Gerade deshalb ist es wichtig, solche Inhalte nicht einfach weiterzuleiten oder zu ignorieren, sondern sie kritisch zu hinterfragen und zu melden.



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