Wenn unsere Vorstellung von einem Menschen zerbricht

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Volontärin · BRG Kufstein
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21.09.2026
3 Min.

Hast du eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, was dich als Mensch wirklich verletzt? Oft sagen wir: „Die Person hat das und das gemacht. Genau deshalb hat sie mich verletzt.“ Und vielleicht stimmt das auch. Aber vielleicht lohnt es sich manchmal, noch einen Schritt weiterzugehen.

Manchmal verletzt uns nicht nur ein Mensch, sondern auch das Bild, das wir von ihm haben. (Foto: StockSnap auf Pixabay)

Ich hatte einmal eine Freundin, mit der ich mich eigentlich ziemlich gut verstanden habe. Wir waren nicht unbedingt beste Freundinnen, aber wir hatten eine gute Verbindung. Umso komischer war es, als sie mir eines Tages erzählte, dass ihre Cousine einen Unfall gehabt habe und im Krankenhaus liege.

Ich habe ihr natürlich geglaubt. Warum sollte ich auch daran zweifeln? Wenn jemand erzählt, dass ein Mensch im Krankenhaus liegt, denkt man nicht sofort darüber nach, ob diese Geschichte überhaupt stimmt, sondern daran, ob es der Person gut geht.

Irgendwann wollte ich aber genauer wissen, was passiert war. Über Bekannte ihrer Cousine erfuhr ich schließlich: Es hatte diesen Unfall nie gegeben. Die Geschichte war erfunden.

Ich weiß noch, dass ich in diesem Moment nicht einmal richtig wusste, was ich fühlen sollte. Natürlich war ich enttäuscht und verletzt. Aber gleichzeitig war da noch etwas anderes. Ich war nicht nur wütend auf sie. Sie tat mir leid. Denn wenn sie diese Geschichte tatsächlich erfunden hatte, um Aufmerksamkeit oder Mitgefühl zu bekommen, fragte ich mich eher: Wie schlecht muss es einem Menschen gehen, dass er zu so etwas greift?

Heute haben wir keinen Kontakt mehr. Trotzdem ist mir diese Situation im Kopf geblieben. Nicht nur wegen der Lüge, sondern wegen einer anderen Frage: Was genau hat mich daran eigentlich so verletzt?

War es wirklich nur die Lüge? Oder war es vielleicht auch die Tatsache, dass ich von dieser Freundschaft etwas anderes erwartet hatte?

Das Bild, das wir von Menschen haben

Ich glaube, dass wir uns von Menschen oft ein Bild machen, bevor wir sie überhaupt richtig kennen. Wir stellen uns vor, wie sie mit uns umgehen werden, wie sie in bestimmten Situationen reagieren und was sie sagen würden. Vielleicht sogar, wie sich die Freundschaft oder Beziehung irgendwann entwickeln wird.

Und dann kommt der Moment, in dem die Person anders handelt. Nicht unbedingt so, wie wir es uns gewünscht haben. Und auch nicht so, wie wir es erwartet haben. Plötzlich sind wir enttäuscht.

Aber warum eigentlich? Nur, weil die Person etwas Bestimmtes getan hat? Oder weil sie nicht der Mensch war, den wir uns in unserem Kopf ausgemalt haben?

Wir haben eine bestimmte Version dieser Person in unserem Kopf. Eine Version, die uns vielleicht gar nicht bewusst ist. Und wenn die echte Person dann anders handelt, passt sie plötzlich nicht mehr in dieses Bild.

Das ist natürlich keine Ausrede

Damit will ich nicht sagen, dass wir selbst schuld sind, wenn jemand uns schlecht behandelt. Wenn jemand lügt, manipuliert oder bewusst Grenzen überschreitet, dann ist und bleibt das falsch. Nur weil ich Erwartungen an einen Menschen hatte, wird sein Verhalten nicht automatisch okay.

Aber vielleicht hilft es trotzdem, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:

Was hat die Person tatsächlich getan und was davon hat meine eigene Vorstellung von dieser Person zerstört? Denn manchmal trauern wir vielleicht gar nicht nur um die Person selbst. Wir trauern um die Version von ihr, die wir in unserem Kopf erschaffen haben.

Was hat dich wirklich verletzt?

Vielleicht hatte ich von dieser Freundschaft auch eine bestimmte Vorstellung. Ich dachte, ich kenne diese Person und weiß, wie sie ungefähr tickt. Und dann erzählt sie mir etwas, das überhaupt nicht zu dem Menschen passt, für den ich sie gehalten hatte. Möglicherweise war genau das ein Teil dessen, was mich so getroffen hat.

Nach einem Konflikt sollten wir uns deshalb nicht nur fragen: „Was hat diese Person mir angetan?“

Sondern auch:

Was habe ich von dieser Person genau erwartet?

Habe ich gedacht, dass sie genauso denkt wie ich? Dass sie genauso reagiert, wie ich reagieren würde? Dass sie immer für mich da sein wird? Und hat mich möglicherweise genau der Moment verletzt, in dem ich gemerkt habe: Diese Person ist gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe?

Eventuell ist das manchmal der schmerzhafte Teil. Nicht nur zu erkennen, was ein Mensch getan hat, sondern auch zu akzeptieren, dass die Version dieses Menschen, die wir in unserem Herzen geschaffen haben, vielleicht nie wirklich existiert hat.

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