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Wenn Mütter alles allein stemmen und Väter einfach aussteigen

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12 Kommentare
11.02.2026
3 Min.

Wenn sich Eltern trennen, bleibt oft eines gleich: Die Mutter trägt weiter die Verantwortung, nur ohne Partner und ohne Pause.

Ein leiser, inniger Moment zwischen Mutter und Kind ist unbezahlbar. (Foto: Bild: KI-generiert)

Während manche Väter nach einer Trennung neu anfangen, bleibt für viele Frauen der Alltag derselbe, nur mit doppelter Last. Sie kümmern sich um Kinder, Haushalt, Arbeit und emotionale Bedürfnisse, oft ohne Unterstützung. Selbst im Jahr 2026 gilt es für Frauen weiterhin als selbstverständlich, diese Aufgaben zu übernehmen.

Offensichtliche Ungerechtigkeiten

Warum dürfen Väter Verantwortung ablegen, während Mütter weiterhin funktionieren und sich dabei selbst zurückstellen müssen? Obwohl Gleichberechtigung ein breit diskutiertes Thema ist, zeigt sich im Alltag oft ein anderes Bild. Nach einer Trennung übernehmen viele Mütter den Großteil der Betreuung, während Väter deutlich weniger Alltagsverantwortung tragen. Einige bleiben engagiert und präsent. Doch manche Väter lösen sich nicht nur aus der Partnerschaft, sondern auch aus der Beziehung zu ihren Kindern. 

Für die Kinder ist das oft besonders schmerzhaft. Der Papa, der sich jahrelang gekümmert, gesorgt und gespielt hat, scheint sich plötzlich nicht mehr dafür zu interessieren. Dieses Erlebnis hinterlässt Spuren, und viele Kinder verstehen nicht, warum jemand, der sie doch geliebt hat, sie einfach verlässt.

Zurück bleiben Frauen, die funktionieren müssen. Am Ende des Tages fehlen oft Kraft und Zeit für sich selbst. 

Die Mütter tragen täglich die Emotionen ihrer Kinder mit. Sie spüren jede Veränderung, jede Enttäuschung, jede Unsicherheit. Sie durchleben jede Phase der Gefühle ihrer Kinder, vom Kummer bis zur Hoffnung, und versuchen, stark zu bleiben, auch wenn sie selbst müde sind.

Die Aussagen von Hakima Hopfgartner, Expertin für psychosoziale und Elternberatung, verdeutlichen eine strukturelle Überlastung von Müttern. „Während Work-Life-Balance meist im beruflichen Kontext diskutiert wird, bleibt die Realität vieler Mütter unsichtbar“, sagt sie. Mütter übernehmen parallel Betreuung, Organisation des Familienalltags, emotionale Begleitung und Krisenbewältigung, oft ohne geregelte Pausen oder ausreichende gesellschaftliche Anerkennung. Von Frauen erwartet das Umfeld Stärke, unabhängig vom eigenen Zustand. Klagen gilt schnell als Schwäche. Dabei zeigt gerade diese Überforderung, wie groß die tägliche Verantwortung ist.

Finanzielle Grenzen

Hinzu kommt die finanzielle Belastung. Viele geschiedene Frauen arbeiteten jahrelang Teilzeit oder pausierten zugunsten der Familie. Nach einer Trennung fehlt wirtschaftliche Sicherheit. Das Einkommen reicht häufig kaum für den Alltag.

Juristisch scheint vieles geregelt, im Alltag zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Juristin Petra Baischer, Familienberaterin beim Bezirksgericht Braunau, erklärt: „Rechtliche Vereinbarungen existieren zwar, ihre Umsetzung scheitert jedoch häufig an fehlender Verlässlichkeit sowie an der mangelnden Trennung zwischen Paarebene und Elternebene.“ Erschwerend komme oft eine finanziell belastende Situation hinzu. Auf dem Papier wirke vieles fair, im täglichen Leben bleibe die Hauptverantwortung für die Kindererziehung jedoch häufig bei einer Person.

Verantwortung darf keine Option sein. Kinder brauchen beide Eltern. Präsenz im Leben eines Kindes endet nicht mit einer Trennung. Frauen sollten nicht länger die stillen Trägerinnen eines Systems bleiben, das ihre Belastung als Normalität behandelt.

Für Kinder zählt weniger, was Erwachsene vereinbaren, sondern wer für sie da ist. Sie erleben den Alltag in Wiederholungen, wer morgens mit ihnen aufsteht, wer sie abholt, wer zuhört. Bleibt diese Präsenz aus, suchen Kinder nach Erklärungen, oft bei sich selbst. Präsenz gibt Sicherheit, ihr Fehlen hinterlässt Fragen, die lange bleiben und prägen.



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Kommentare

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    am 12.02.2026 Mitzi Engelbutzeder
    Herzlichen Dank für deine Zeilen, die mich sehr berührt haben, nicht zuletzt aufgrund persönlicher Anleihen. Gerade die letzten beiden Sätze ("Bleibt diese Präsenz aus, suchen Kinder nach Erklärungen, oft bei sich selbst. Präsenz gibt Sicherheit, ihr Fehlen hinterlässt Fragen, die lange bleiben und prägen.") machen deutlich, warum beide Elternteile (wenn gesund in ihrer Erziehung und von Anfang an vorhanden gewesen) eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen spielen.
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    am 13.02.2026 Hakima Hopfgartner
    Liebe Jasmine,
    dein Text zeugt von einer bemerkenswerten analytischen Tiefe und gesellschaftlichen Sensibilität. Mit 18 Jahren ein derart komplexes Thema differenziert, sachlich und zugleich empathisch zu beleuchten, ist keineswegs selbstverständlich.

    Du hast strukturelle Ungleichgewichte benannt, ohne zu pauschalisieren. Du hast emotionale Realitäten sichtbar gemacht, ohne zu dramatisieren. Vor allem aber hast du Verantwortung eingefordert nicht anklagend, sondern reflektiert und argumentativ fundiert. Genau diese Haltung braucht eine konstruktive gesellschaftliche Debatte.

    Dein Beitrag verdeutlicht, dass Gleichberechtigung nicht allein eine juristische Frage ist, sondern sich im gelebten Alltag manifestiert. Du lenkst den Blick auf die oftmals unsichtbare Belastung von Müttern und erinnerst daran, dass Kinder nicht Vereinbarungen erleben, sondern verlässliche Präsenz. Damit leistest du einen wichtigen Impuls für Bewusstsein und Weiterentwicklung in unserer Gesellschaft.

    Es erfüllt mich mit großer Wertschätzung und Stolz, deine gedankliche Klarheit, deine Ausdrucksstärke und deine Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verantwortung zu beobachten. Du zeigst, dass junge Menschen nicht nur Teil der Zukunft sind, sondern bereits heute relevante Stimmen im öffentlichen Diskurs darstellen.

    Mit Anerkennung und Respekt,
    deine Mutter
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    am 13.02.2026 Sabinr Nimmervoll
    Liebe Jasmina,
    ein wirklich sehr aktueller, gelungener Artikel! herzliche Gratulation, deine Familie kann sehr stolz sein auf dich 🤩
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    am 13.02.2026 Eva Eder
    Liebe Jasmine,
    danke für diesen wertvollen Beitrag, der dieser so oft unsichtbar bleibende Seite von Müttern nach einer Trennung eine Stimme gibt.
    Alles Liebe, Eva
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    am 15.02.2026 Petra Baischer
    Liebe Jasmine,
    Ich habe dich als eine außergewöhnlich reflektierte Interviewerin erlebt – mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und einem bemerkenswerten Verantwortungsbewusstsein gegenüber diesem Thema. Dein Artikel ist dir wirklich hervorragend gelungen. Dazu gratuliere ich dir sehr herzlich und wünsche dir für deinen weiteren Weg von Herzen alles Gute und viel Erfolg.
    Alles Liebe,
    Petra
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    vor 2 Wochen Abdessamad El hinani
    Liebe jasmine
    Dein Artikel hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Du sprichst eine Realität an, die oft übersehen wird. Respekt für deine klare und empathische Art zu schreiben.
    Alles liebe
    Samad
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    vor 2 Wochen Amira Alic
    Liebe Jasmin, danke, dass du dich zu diesem wichtigen Thema geäußert hast. Du sprichst etwas an, das oft als selbstverständlich gesehen wird und über das viel zu wenig offen geredet wird. Nach einer Trennung wird häufig erwartet, dass die Frau einfach alles übernimmt, ohne dass jemand fragt, wie es ihr damit geht oder ob sie das überhaupt schaffen kann. Genau deshalb sind deine Worte so wichtig. Ich wünsche mir von Herzen, dass Frauen in solchen Situationen mehr Verständnis und mehr Unterstützung bekommen.

    Alles Liebe 🤍
    Amira
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    vor 2 Wochen Fatma Haggag
    Liebe Jasmine,
    dein Artikel war stark und eindrucksvoll, und du hast das Thema auf eine Weise behandelt, die großes Bewusstsein und ein deutliches menschliches Mitgefühl zeigt. Mir hat gefallen, dass du nicht nur Ideen wiedergegeben hast, sondern versucht hast, die verschiedenen Dimensionen des Themas und seine Auswirkungen auf Kinder und Mütter aufzuzeigen. Das zeigt eine reife Denkweise und analytische Fähigkeiten. Ich gratuliere dir von Herzen zu diesem Erfolg und wünsche dir auf deinem weiteren Weg alles Gute, viel Erfolg und Glück.
    Alles Liebe
    Fatma
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    vor 2 Wochen Jamila Al Hamad
    Liebe Jasmine,
    Vielen Dank, dass du dieses schwierige Thema so mutig und offen ansprichst. Du gibst vielen Müttern eine Stimme.
    Es ist so wichtig, über die unsichtbaren Kämpfe von Müttern nach einer Trennung zu sprechen.
    Respekt für diese Worte!
    Ich wünsche dir für deine Zukunft nur das Beste, viel Erfolg und die nötige Kraft für alles, was kommt.

    LG
    Jamila
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    vor 2 Wochen Karima Shatah
    🌸 Ich bin sehr stolz auf dich. Deine Worte sind schön.
    🤍 Deine Arbeit ist berührend und ehrlich.
    ✨ Du hast das toll gemacht. Eine schöne Zukunft wartet auf dich.
    🌷 Deine Worte haben mein Herz berührt. Mach weiter so.
    🌟 Dein Text ist reif und schön
    LG.Karima
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    vor 2 Wochen Ibrahem Alabid
    Ein sehr starker Artikel! Besonders wichtig finde ich, dass du die Belastung der Mütter beleuchtest. Oft vergessen wir, dass Kinder in dieser Zeit eine enorme Achterbahn der Gefühle durchmachen: von der Angst, die eigene Sicherheit zu verlieren, bis hin zu dem schweren Gefühl, sich zwischen den Eltern entscheiden zu müssen. Danke, dass du dieses Thema so offen ansprichst
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    vor 2 Wochen Jasmina Jasmina
    Liebe Jasmin,
    Das ist großartig das du deine Stärke und Liebe ins diesem Thema einbringen würdest, voll Respekt🍀!
    Deine Text ist bis meine Herz gekommen, mach weiter so 💫🌏.
    Meine moto an allen " bleibt wie du bist, lass dir von niemandem deine Persönlichkeit verändern 🍀🌺"
    Ganz liebe Grüße Jasmina