Ich liege abends im Bett und gehe im Kopf noch einmal eine Szene vom Training durch. Warum habe ich in dieser Situation nicht anders reagiert? Wie hätte ich schneller sein können? Und was kann ich beim nächsten Training besser machen? Eigentlich bin ich längst zu Hause und die Eishalle ist schon Stunden her. Trotzdem bin ich gedanklich noch mitten auf dem Eis.
In den letzten zwei Wochen hatte ich ein Eishockeycamp. Am Anfang war es einfach ein Camp, auf das ich mich gefreut habe: Training, Spiele, ein paar neue Sachen lernen und natürlich möglichst oft auf dem Eis stehen.
Nach ein paar Tagen war ich komplett drin. Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich immer noch über das Training nachgedacht. Ich habe mir überlegt, was gut funktioniert hat und was ich beim nächsten Mal besser machen könnte. Manche Situationen aus dem Training sind mir auch später noch durch den Kopf gegangen.
Es war fast so, als würde der Tag nicht wirklich aufhören, nur weil ich die Eishalle verlassen hatte.
Und dann ist es plötzlich vorbei
Und dann war das Camp vorbei. Auf einmal kein tägliches Training mehr, keine Kabine, kein Eis und keine Leute, mit denen ich gerade zwei Wochen lang jeden Tag zusammen war.
Eigentlich dachte ich, dass ich jetzt erst einmal genug von Eishockey haben müsste. Aber so war es nicht. Ich hatte immer noch Lust darauf. Gleichzeitig ist aber etwas anderes passiert.
Ich bin Rad gefahren.
Nur eine normale Runde, nichts Besonderes. Aber schon nach kurzer Zeit war ich wieder komplett im Radfahrmodus. Ich habe über meine Strecke nachgedacht, über Geschwindigkeit und darüber, wo ich als Nächstes hinfahren könnte. Da habe ich gemerkt: Das passiert mir irgendwie öfter.
Ich mache selten etwas nur halb
Beim Eishockey ist es besonders stark. Wenn ich gerade viel spiele, interessiert mich Eishockey einfach exteem. Dann will ich besser werden und denke auch außerhalb des Trainings darüber nach.
Beim Radfahren ist es ähnlich. Wenn ich gerade viel fahre, habe ich plötzlich tausend Ideen, wo ich noch hinfahren könnte. Und wenn ich vor der PlayStation sitze, kann ich mich genauso verlieren. Dann spiele ich nicht einfach nur ein bisschen. Ich bin irgendwann einfach voll drin.
Das Interessante ist aber: Ich vergesse die anderen Sachen deswegen nicht. Sie sind nur für eine Weile weniger wichtig.
Warum eigentlich?
Ich habe mich gefragt, warum das bei mir so ist. Vielleicht brauche ich immer etwas, auf das ich mich richtig konzentrieren kann. Wenn ich etwas nur halb mache, macht es mir meistens auch nicht so viel Spaß.
Vielleicht ist es auch dieses Gefühl, etwas immer besser können zu wollen. Beim Eishockey will ich besser skaten, besser spielen und bessere Entscheidungen treffen. Beim Radfahren will ich längere oder schwierigere Strecken schaffen. Selbst bei der PlayStation will ich natürlich gewinnen.
Ich glaube, ich mag es einfach, wenn ich merke: Da geht noch mehr.
Vielleicht ist das gar nichts Schlechtes
Früher hätte ich wahrscheinlich gar nicht darüber nachgedacht. Ich hätte einfach gesagt: Ich fahre gern Rad und ich spiele gern Eishockey. Jetzt finde ich aber das Dazwischen interessanter.
Es ist nicht unbedingt die Sportart oder das Hobby, das mich soo packt. Es ist dieses Gefühl, gerade für etwas richtig zu brennen. Für ein paar Wochen kann das Eishockey sein. Dann reicht eine Radtour und plötzlich ist es wieder das Fahrrad.
Vielleicht brauche ich gar nicht immer dasselbe Hobby. Vielleicht brauche ich einfach immer etwas, für das ich mich gerade richtig begeistern kann. Und wenn ich etwas finde, das mich interessiert, dann mache ich es eben nicht halb. Dann bin ich erstmal voll drin.
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