Wenn Freunde plötzlich nicht mehr da sind, waren sie vielleicht nie wirklich welche

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TOP 10 Autorin
Volontärin · BRG Kufstein
08.08.2026
3 Min.

Früher, so sagt meine Oma, haben wir in Krisen wahre Freunde erkannt. Heute scheint es manchmal genau andersherum zu sein: Wir verlieren Freunde gerade dann, wenn wir sie am meisten brauchen würden.

Könnt ihr mit euren Freunden durch Dick und Dünn gehen? (Foto: shutterstock)

Letztens saß ich im Auto, während mein Vater und meine Oma sich unterhielten. Ich hörte nur halb zu, bis meine Oma plötzlich sagte: „Früher hat man in den Krisen die wahren Freunde gemacht, heute verliert man ‚Freunde‘ in den Krisen.“ Dieser Satz ist mir hängen geblieben, weil ich selbst schon erlebt habe, wie sehr sich Freundschaften verändern können, wenn es einem nicht gut geht.

Es gab eine Zeit, in der ich mit einer persönlichen Situation zu kämpfen hatte und trotzdem kaum darüber gesprochen habe. Nicht, weil ich niemanden gebraucht hätte, sondern weil ich nicht wollte, dass jemand denkt, ich würde Aufmerksamkeit suchen. Gleichzeitig habe ich mit der Zeit gemerkt, dass Menschen, die ich eigentlich als Freunde bezeichnet hatte, immer weniger da waren.

Bei manchen gab es nicht einmal einen Streit. Sie waren einfach irgendwann weg. Keine große Diskussion, kein Abschied, kein bestimmter Moment, an dem ich sagen könnte: Ab hier war die Freundschaft vorbei. Einfach weniger Nachrichten, weniger Gespräche und irgendwann fast gar kein Kontakt mehr.

Bei anderen war es komplizierter. Es entstand das Gefühl, dass zwischen uns etwas nicht mehr stimmte. Trotzdem sprach niemand darüber. Kein „Was ist eigentlich los?“, kein klärendes Gespräch. Und genau das machte es für mich noch schwieriger. Denn wenn niemand ausspricht, was eigentlich passiert ist, bleibt nur das eigene Nachdenken: Habe ich etwas falsch gemacht? Ist die andere Person sauer auf mich? Oder bilde ich mir das alles nur ein?

Während ich selbst schon mit meiner eigenen Situation beschäftigt war, musste ich mich also zusätzlich damit auseinandersetzen, dass Menschen, von denen ich dachte, sie würden bleiben, plötzlich nicht mehr da waren.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich der Satz meiner Oma so beschäftigt. Krisen zeigen nicht immer, wer deine besten Freunde sind. Manchmal zeigen sie dir auch, wer plötzlich nicht mehr da ist.

Wo sind plötzlich alle?

Es ist interessant, wie schnell sich Freundschaften verändern können, sobald es einem selbst nicht gut geht. Solange alles passt, ist es einfach, gemeinsam zu lachen, etwas zu unternehmen und sich gegenseitig zu erzählen, was gerade passiert.

Aber was passiert, wenn plötzlich ein Problem da ist?

Ich kenne dieses Gefühl selbst. Es gab Situationen, in denen ich mit einem Problem zu kämpfen hatte und plötzlich gemerkt habe, dass die Personen, die ich eigentlich als Freunde bezeichnet hatte, gerade nicht da waren. In solchen Momenten fragt man sich irgendwann, warum ausgerechnet dann alles schwieriger werden muss, wenn man ohnehin schon genug im Kopf hat.

Und manchmal wird es noch schlimmer

Besonders schwierig wird es, wenn ausgerechnet in dieser Zeit noch ein Streit dazukommt. Eigentlich bräuchte man jemanden, der einfach zuhört. Stattdessen wird aus einem schlechten Moment plötzlich ein noch größerer Konflikt.

Vielleicht war die Freundschaft ohnehin nicht so stabil, wie wir gedacht hatten. Vielleicht hat die Krise aber auch nur etwas sichtbar gemacht, das vorher niemand bemerkt hatte.

Vielleicht sind Krisen deshalb ein Test

Eine Krise muss nicht unbedingt zeigen, wer perfekt zu uns passt. Vielleicht zeigt sie einfach, wer bleibt. Wer nicht sofort eine Lösung braucht. Wer akzeptiert, dass wir gerade anders sind. Und wer auch dann noch da ist, wenn wir selbst gerade nicht die beste Version von uns sind.

Vielleicht hatte meine Oma also doch recht. Vielleicht findet man in Krisen nicht nur Freunde.

Vielleicht findet man dort auch heraus, welche Freundschaften eigentlich nie wirklich welche waren.


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