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Wenn Eistee plötzlich nach Wasser schmeckt: Wie die Industrie klammheimlich an der Qualität spart

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Redakteur · BG / BRG Schwechat
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04.09.2026
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Von weniger Fruchtsaft bis zum Tee-Extrakt: Während die Preise im Supermarkt steigen, verändern Hersteller schrittweise Inhaltsstoffe bekannter Produkte. Was auf der Verpackung als „neue Rezeptur“ oder „noch cremiger“ beworben wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung oft als Qualitätsminderung. Ein Blick auf Zutatenlisten, Hersteller-Stellungnahmen und die rechtlichen Lücken im österreichischen Anti-Mogelpackungs-Gesetz.

Erst der genaue Blick auf die Inhaltsstoffe verrät, ob Hersteller bei gewohnter Verpackung heimlich an Zutaten sparen. (Foto: Gustavo Fring via Pexels)

Eigentlich wollte ich mir nur einen Fuze Tea Pfirsich kaufen, weil ich das Getränk zuletzt vor Jahren getrunken hatte und es noch mal probieren wollte. Doch schon beim ersten Schluck kam mir der Geschmack flacher, wässriger und weniger nach echtem Tee vor. Ein Blick auf die Rückseite der Flasche bestätigte meinen Verdacht: Wo früher ein Teeaufguss zum Einsatz kam, steht bei der neuen Variante nun knapp „Extrakt statt Tee“. Auch der Pfirsichsaftanteil wurde gesenkt, der Teegehalt insgesamt reduziert.

Die Flasche sieht aus wie immer, der Preis an der Kassa ist derselbe. Doch die Rezeptur hat sich verändert. Dieser Moment war der Auslöser für meine Recherche. Wenn schon bei einem alltäglichen Eistee die Zusammensetzung verändert wird, ohne dass sich Verpackung oder Preis auf den ersten Blick ändern, stellt sich die Frage: Wo passiert das noch?

Bei meiner Recherche stieß ich schnell auf Analysen der Verbraucherzentrale Hamburg, die das Phänomen systematisch dokumentiert. Der Fachbegriff dafür lautet Skimpflation. Er leitet sich vom englischen „to skimp“ ab, was so viel wie knausern oder geizen bedeutet.

Drei Produkte, ein Prinzip

Das Prinzip ähnelt sich bei den untersuchten Produkten: Die Verpackungsgröße und der Preis bleiben gleich oder verändern sich zumindest nicht offensichtlich, während bei den Zutaten an teureren Rohstoffen gespart wird. Diese werden teilweise durch günstigere Zutaten oder andere Bestandteile ersetzt. Drei konkrete Beispiele zeigen, wie sich die Rezepturen im Alltag verändern können.

1. Fuze Tea: Extrakt statt Teeaufguss

Bei Fuze Tea Pfirsich wurde der ursprüngliche Teeaufguss durch Tee-Extrakt ersetzt. Gleichzeitig sank der Fruchtsaftgehalt.

  1. Stellungnahme des Herstellers (Coca-Cola): Das Unternehmen verweist auf standardisierte Produktionsprozesse und Geschmacksanpassungen. Der Einsatz von Tee-Extrakt ermögliche eine gleichbleibende Qualität und Haltbarkeit über verschiedene Abfüllstandorte hinweg. Gleichzeitig orientiere man sich geschmacklich an den Präferenzen der Konsumenten.

(Anmerkung zur Abbildung: Vergleichsdaten und Produktabbildungen basieren auf den Marktanalysen der Verbraucherzentrale Hamburg.)

Vergleich zweier Fuze-Tea-Flaschen mit Hinweis auf veränderte Inhaltsstoffe

Fuze Tea nutzt bei der neuen Rezeptur Tee-Extrakt statt eines Teeaufgusses. Zusätzlich wurde der Pfirsichsaftanteil gesenkt. Verbraucherzentrale Hamburg / vzhh.de

2. Capri-Sun Orange: Weniger Saft

Auch beim bekannten Trinkpäckchen Capri-Sun Orange wurde die Rezeptur verändert. Der Orangensaftgehalt sank von 7 auf 5 Prozent, der Gesamtfruchtgehalt von 12 auf 10 Prozent. Dadurch änderte sich auch die rechtliche Einordnung des Getränks.

  1. Stellungnahme des Herstellers: Capri-Sun begründete die Anpassung gegenüber Verbraucherschützern mit Verfügbarkeitsengpässen und stark gestiegenen Preisen auf den Rohstoffmärkten für Orangensaftkonzentrat. Um die Preisstellung im Handel halten zu können, sei eine Anpassung der Rezeptur unumgänglich gewesen.

Vorher-Nachher-Vergleich der Capri-Sun-Verpackung zum Orangensaftgehalt

Der Orangensaftgehalt sank von 7 auf 5 Prozent. Das entspricht nur noch knapp zwei Teelöffeln Saft pro Beutel. Verbraucherzentrale Hamburg / vzhh.de

3. Kühne Cocktail Sauce: „Jetzt noch cremiger“

Wie sich eine Rezepturveränderung gleichzeitig als Vorteil für Konsumenten darstellen lässt, zeigt das Beispiel der Kühne Cocktail Sauce. Ein auffälliger Sticker verspricht „Jetzt noch cremiger“. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt, wie diese Konsistenz erreicht wird: Der Anteil an Tomatenmark wurde deutlich gesenkt, während der Anteil von Fett und Zucker stieg.

  1. Stellungnahme des Herstellers (Kühne): Der Hersteller betont, dass Rezepturanpassungen regelmäßig auf Basis von Konsumententests durchgeführt werden. Die veränderte Zusammensetzung diene dazu, ein mundgerechteres und cremigeres Geschmacksprofil zu erreichen, das von vielen Verbrauchern in Befragungen bevorzugt worden sei.

Produktvergleich der Kühne Cocktail Sauce mit Hinweis auf mehr Fett und Zucker

Der Aufdruck verspricht mehr Cremigkeit, während der Tomatenmark-Anteil sinkt und der Anteil von Fett und Zucker steigt. Verbraucherzentrale Hamburg / vzhh.de

Das perfekte Schlupfloch

In Österreich gilt seit April 2026 das Anti-Mogelpackungs-Gesetz, das Konsumenten vor versteckten Preiserhöhungen schützen soll. Allerdings erfasst diese Regelung das Phänomen der Skimpflation nicht.

Das österreichische Gesetz greift ausschließlich unter bestimmten Voraussetzungen:

  1. Es gilt, wenn bei unveränderter Verpackungsgröße die tatsächliche Füllmenge in Gramm oder Millilitern reduziert wird (Shrinkflation).
  2. Eine Kennzeichnungspflicht am Regal besteht nur dann, wenn der Grundpreis pro Maßeinheit steigt und die Mengenreduktion nicht deutlich auf der Vorderseite der Verpackung hervorgehoben wird.
  3. Das Gesetz verpflichtet vor allem größere Supermarktketten ab einer bestimmten Filialzahl und Verkaufsfläche. Kleinere Geschäfte und Direktvermarkter sind ausgenommen.

Qualitätseinbußen durch den Austausch von Rohstoffen bei gleichbleibender Füllmenge fallen damit nicht unter diese Regelung. Für Hersteller besteht keine entsprechende Pflicht, geänderte Rezepturen am Regal auszuweisen. Wer wissen möchte, ob das Lieblingsprodukt noch dieselben Inhaltsstoffe enthält wie im Vorjahr, muss deshalb weiterhin selbst vergleichen. Der genaue Blick auf die Zutatenliste und die prozentualen Angaben bleibt beim Einkauf die wichtigste Möglichkeit, Veränderungen zu erkennen.

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