In den letzten Tagen habe ich angefangen, mehr auf alltägliche Kleinigkeiten zu achten. Es sind nicht die großen oder wichtigen Dinge, sondern die kleinen Momente, die normalerweise schnell vergessen werden. Eigentlich passiert dabei fast nichts, und trotzdem bleiben genau diese Situationen manchmal im Gedächtnis.
Wenn plötzlich alle schneller gehen
Ich gehe nach der Schule zur Bushaltestelle. Mein Rucksack hängt nur auf einer Schulter und rutscht ständig etwas herunter, was ganz schön nervt. Die Straße ist noch warm vom Nachmittag und irgendwo fährt laut ein Motorrad vorbei.
Vor mir läuft ein Mann in einem schwarzen Mantel, vielleicht um die 40. Er hat eine kleine Einkaufstasche in der Hand und geht ganz entspannt. Er wirkt irgendwie müde.
Dann schaut er plötzlich auf seine Uhr.
Warum auch immer, aber sofort fängt er an, schneller zu laufen. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig hektisch, mit kürzeren Schritten, als hätte er gemerkt, dass er zu spät ist.
Das Komische ist: Alle, die hinter ihm sind, machen irgendwie mit. Auch ich. Erst nach ein paar Sekunden merke ich, dass ich selbst schneller geworden bin, obwohl mein Bus sowieso später kommt.
An der roten Ampel stehen dann alle wieder ruhig nebeneinander. Niemand sagt etwas. Diese Hektik verschwindet einfach, als hätte es sie nie gegeben.
Es ist komisch, wie leicht man sich von so etwas mitreißen lässt.
Wenn jemand alleine lachen muss
Im Bus sitzt schräg gegenüber ein Junge, vielleicht in meinem Alter, mit grauer Kapuze und weißen Kopfhörern. Er schaut die ganze Zeit auf sein Handy. Wahrscheinlich TikTok oder irgendein Video, ich habe keine Ahnung.
Dann lacht er plötzlich richtig laut.
Es ist nicht dieses kurze Ausatmen durch die Nase, sondern ein richtig lautes Lachen. Sein Kopf geht nach vorne, und er hält sich sofort die Hand vor den Mund, als hätte er gemerkt, dass alle ihn gehört haben.
Und wirklich – mehrere Leute schauen sofort hoch. Eine ältere Frau mit rotem Schal sieht ihn kurz streng an. Ich musste fast selber grinsen, weil man gesehen hat, wie unangenehm ihm das plötzlich wurde.
Er versucht, wieder ernst auszusehen und schaut wieder auf sein Handy, aber dieses kleine Grinsen geht irgendwie nicht mehr weg.
Ein paar Sekunden später schaut schon wieder niemand hin. Trotzdem bleibt dieser Moment im Kopf, vielleicht weil wirklich jeder schon mal in einer ähnlichen Situation war.
Wenn niemand fragen will
Ich stehe in einem ziemlich vollen Zug. Es riecht nach nassen Jacken und ein bisschen nach Kaffee. Neben dem Fenster sitzt ein älterer Mann mit grauem Bart, dunkler Jacke und einem Rucksack auf dem Sitz neben ihm.
Mehrere Leute schauen beim Vorbeigehen kurz auf den freien Platz, gehen dann allerdings weiter. Eine Frau bleibt sogar kurz stehen, entscheidet sich dann aber doch dagegen.
Alle tun so, als ob sie keinen Sitzplatz gesucht hätten.
Später bleibt eine junge Frau stehen, vielleicht Anfang 20, mit durchnässten Haaren vom Regen. Sie zeigt kurz auf den Sitz und fragt leise: „Ist hier noch frei?“
Der Mann schaut sofort hoch, nimmt den Rucksack weg und nickt freundlich, als wäre das überhaupt kein Problem gewesen.
Dabei denke ich: Warum fragt davor eigentlich niemand? Wahrscheinlich einfach, weil keiner diese zwei Sekunden unangenehm finden will.
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