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TikTok als Todesfalle: Für ein Berg-Selfie in Lebensgefahr

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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22.07.2026
3 Min.

Immer mehr junge, unerfahrene Menschen steigen nach TikTok-Videos ins Hochgebirge und geraten dort in Lebensgefahr. Eine Katastrophe, meint die Bergrettung.

Lebensgefahr durch TikTok: Die schönen Bilder auf Social Media lassen die Herausforderungen des Hochgebirges vergessen. (Foto: Shutterstock)

Der Großglockner ist mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs und jeden Sommer ein Sehnsuchtsziel für tausende Bergsteigerinnen und Bergsteiger. Wie schnell die Traumtour zum Notfall werden kann, zeigte der 4. Juli diesen Jahres: Innerhalb weniger Stunden mussten Hubschrauber zwei Schwerverletzte vom Berg holen, laut Polizei wurden am selben Wochenende in Tirol insgesamt vier Bergsteiger bei Unfällen schwer verletzt.

Zehn Meter freier Fall am Stüdlgrat

Ein 29-jähriger Tscheche stieg an diesem Samstag gemeinsam mit seiner 24-jährigen Ehefrau als Zweierseilschaft über den Stüdlgrat Richtung Gipfel auf, eine der anspruchsvollsten Standardrouten auf den Großglockner. Auf einer Höhe von rund 3.700 Metern sicherte sich der Mann laut Polizei mit einer Selbstsicherungsschlinge an einem gebohrten Standhaken und setzte sich in seinen Sitzgurt. Dann riss die Schlinge.

Der Mann stürzte rund zehn Meter rückwärts über nahezu senkrechtes Felsgelände ab und kam schwer verletzt auf einem kleinen Felsvorsprung zum Liegen, der einen weiteren Absturz verhinderte. Ein befreundeter Bergsteiger aus der vorausgehenden Seilschaft stieg sofort zu ihm ab und leistete Erste Hilfe. Wegen starken Windes und Nebels konnte der Notarzthubschrauber den Verletzten zunächst nicht bergen, erst ein nachgeforderter Polizeihubschrauber schaffte laut Tiroler Tageszeitung die Taubergung.

Ein Fehltritt im weichen Schnee

Nur wenige Stunden später, gegen 13.30 Uhr, verunglückte ganz in der Nähe ein 39-jähriger Deutscher. Der Mann hatte den Gipfel in Begleitung eines Bergführers bereits erfolgreich bestiegen und befand sich am Ködnitzkees auf dem Abstieg über den Normalweg. Auf rund 3.000 Metern Höhe brach er laut Polizei mit dem rechten Fuß in der weichen Schneeauflage des Gletschers ein, verlor das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich, dass er sich schwere Verletzungen zuzog. Der Notarzthubschrauber flog ihn ins Bezirkskrankenhaus Lienz. Der Fall zeigt, dass selbst geführte Touren auf der einfachsten Route kein Sicherheitsversprechen sind, wenn Hitze und Schneeschmelze die Verhältnisse am Gletscher verändern.

Die Statistik hinter den Einzelfällen

Die Unfälle am Großglockner sind Teil eines größeren Bildes. Laut der Alpinunfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und der Alpinpolizei kamen im Jahr 2024 insgesamt 309 Menschen in Österreichs Bergen ums Leben, deutlich mehr als im Zehnjahresmittel von 284. Zusätzlich wurden 9.324 Verletzte in der Alpinunfalldatenbank erfasst, während der langjährige Durchschnitt bei knapp 8.000 liegt. Auffällig ist dabei, dass die Zahl der Verunfallten seit Jahren steigt, weil immer mehr Menschen in die Berge drängen, viele davon ohne ausreichende Erfahrung, Ausrüstung oder Tourenplanung.

Wenn TikTok die Tourenplanung bestimmt

Genau diese Entwicklung bereitet den Rettungskräften zunehmend Sorgen. Die Bergrettung im Tiroler Ehrwald beobachtet rund um die Zugspitze, dass sich immer mehr junge Bergtouristen durch Videos auf TikTok oder Instagram zu riskanten Touren inspirieren lassen, allein in der laufenden Saison mussten dort laut Einsatzkräften bereits rund 30 Personen gerettet werden, viele davon jünger als 20 Jahre. Zuletzt steckten mehrere junge Wanderer in einem Schneefeld fest, nachdem sie trotz einer bestehenden Wegsperre weitergegangen waren. „Es fehlt ihnen jede Erfahrung und jedes Gespür für die Berge“, sagt Robin Lutnig, Leiter der Bergrettung Ehrwald, gegenüber der Kronen Zeitung. Fehlende Planung, falsche Ausrüstung und die Überschätzung der eigenen Fitness zählen laut Bergrettung generell zu den häufigsten Ursachen für alpine Notfälle.

Was vor der Tour zählt

Für alle, die diesen Sommer selbst in die Berge wollen, lautet die Botschaft der Fachleute: Der Berg beginnt nicht am Einstieg, sondern bei der Planung zu Hause. Dazu gehören ein realistischer Blick auf die eigene Kondition, ein aktueller Wetterbericht, passendes Schuhwerk und die Bereitschaft, eine Tour abzubrechen, wenn sich die Bedingungen verschlechtern. Im Notfall gilt in ganz Österreich der Alpinnotruf 140, über den die Einsatzleitung der jeweiligen Bergrettungs-Ortsstelle alarmiert wird. Die beiden Verletzten vom Großglockner hatten trotz allem Glück im Unglück, ihre Unfälle zeigen aber, dass zwischen Gipfelfoto und Hubschrauberbergung manchmal nur ein einziger Fehltritt liegt.







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