Diese Frage beschäftigt mich besonders, weil ich später Sport und Biologie auf Lehramt studieren möchte. Ich stelle mir schon jetzt vor, wie ich einmal selbst vor einer Klasse stehe. Und ich weiß ziemlich genau, welchen Unterricht ich meinen Schülerinnen und Schülern gerne bieten würde.
Ich möchte verstehen, nicht nur wiederholen
Beim Lernen für eine Schularbeit oder für einen Test merke ich immer wieder, wie leicht es ist, kurzfristig Wissen in den Kopf zu bekommen. Schwieriger ist es, dieses Wissen später noch anzuwenden.
Gerade im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz wird das für mich immer wichtiger. Eine KI kann heute innerhalb weniger Sekunden einen Begriff erklären, ein Arbeitsblatt ausfüllen oder eine komplizierte Frage beantworten. Deshalb glaube ich, dass reines Auswendigwissen in der Schule an Bedeutung verliert.
Natürlich brauche ich Grundlagen. In Biologie muss ich wissen, was eine Zelle ist oder wie ein bestimmter Vorgang funktioniert. Aber ich möchte im Unterricht häufiger an einen Punkt kommen, an dem ich dieses Wissen wirklich benutzen muss.
Statt nur zu fragen, welche Funktion ein bestimmtes Organ hat, könnte eine Lehrkraft eine konkrete Situation vorgeben: Ein Schüler fühlt sich nach dem Sport ständig erschöpft. Woran könnte das liegen? Welche Rolle spielen Schlaf, Ernährung oder Training?
Dann müsste ich nachdenken, Zusammenhänge herstellen und mein Wissen anwenden.
Auch Künstliche Intelligenz könnte dabei sinnvoll eingesetzt werden. Ich könnte eine KI eine biologische Erklärung erstellen lassen und anschließend überprüfen, was daran stimmt und was nicht. So würde ich nicht nur lernen, eine KI zu benutzen. Ich würde lernen, ihre Antworten zu hinterfragen.
Das halte ich für eine Fähigkeit, die ich später definitiv noch brauchen werde.
Klassenzimmer Natur: Warum Biologie nicht hinter Wände gehört
Besonders deutlich wurde mir mein Wunsch nach mehr praktischem Unterricht in einer Biologiestunde.
Wir beschäftigten uns mit Pflanzen und ihren Lebensbedingungen. Wir arbeiteten mit dem Schulbuch, übernahmen Informationen und machten unsere Aufgaben. Ich konnte den Stoff für die Schularbeit lernen.
Trotzdem saß ich dabei und dachte: Warum schauen wir uns das eigentlich nicht draußen an?
Wir hätten auf unserem Schulgelände verschiedene Pflanzen suchen können. Wir hätten vergleichen können, an welchen Stellen sie wachsen, wie viel Licht sie bekommen oder wie feucht der Boden ist. Ein paar Fotos, Messungen und Notizen hätten aus dem Thema plötzlich etwas gemacht, das mit unserer eigenen Umgebung zu tun hat.
Diese Art von Unterricht würde mir mehr im Kopf bleiben.
Dasselbe wünsche ich mir für Sport. Ich möchte später nicht nur Übungen vorzeigen und anschließend Noten vergeben. Ich würde mit einer Klasse zum Beispiel einen eigenen Trainingsplan entwickeln und über mehrere Wochen beobachten, was sich verändert.
Was passiert mit der Ausdauer? Wie wirkt sich regelmäßiges Training aus? Welche Bedeutung haben Schlaf und Ernährung?
Ich möchte Schülern auch Verantwortung geben
Eine weitere Erfahrung begleitet mich durch meinen Schulalltag: Häufig ist bereits vor Beginn einer Aufgabe klar, was wir machen, in welcher Reihenfolge wir es machen und welches Ergebnis am Ende herauskommen soll.
Das kann hilfreich sein. Aber manchmal würde ich gerne selbst mehr entscheiden.
Ein Beispiel wäre ein Projekt zur Ernährung. Statt eine fertige Tabelle zu bekommen, könnten wir selbst untersuchen, wie viel Zucker in verschiedenen Getränken steckt. Wir könnten Daten sammeln, vergleichen und anschließend unsere Ergebnisse präsentieren.
Ich glaube, dass Schüler nicht nur dann lernen, wenn alles funktioniert. Ich selbst merke mir Fehler oft länger als eine perfekt gelöste Aufgabe. Deshalb würde ich später als Lehrer gerne Aufgaben stellen, bei denen nicht schon jeder einzelne Schritt vorgegeben ist.
Was sich durch KI in der Schule ändern sollte
Für mich hängen diese drei Wünsche zusammen. Wenn eine KI Fakten schnell liefern kann, sollte Schule stärker darauf achten, was wir mit diesen Fakten anfangen.
Wenn wir Informationen überall abrufen können, müssen wir sie bewerten können. Wenn eine KI einen Text schreiben kann, wird es wichtiger, selbst eine gute Idee zu haben, Fragen zu stellen und eine Antwort kritisch zu prüfen.
Das bedeutet für mich nicht, dass wir weniger lernen sollten. Es bedeutet, dass wir anders lernen sollten. Ich möchte lieber eine Aufgabe bekommen, bei der ich eine Lösung entwickeln muss, als zehn Begriffe auswendig aufzusagen, die ich eine Woche später wieder vergessen habe.
So möchte ich später unterrichten
Ich weiß jetzt schon, dass nicht jede Unterrichtsstunde spektakulär sein kann. Es wird auch dann Arbeitsblätter geben, Prüfungen und Themen, die einfach gelernt werden müssen. Trotzdem möchte ich mich später an meine eigene Schulzeit erinnern, wenn ich vor einer Klasse stehe. An die Stunden, in denen ich etwas nur für eine Prüfung gelernt habe. An die Stunden, in denen ich mir gedacht habe, dass eine praktische Aufgabe viel interessanter gewesen wäre.
Und auch an die Momente, in denen ich selbst etwas ausprobieren durfte und deshalb wirklich verstanden habe, worum es geht. Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern nicht versprechen, dass jede Stunde spannend wird. Aber ich möchte ihnen möglichst oft einen Grund geben, sich zu fragen: Was kann ich mit diesem Wissen anfangen?
Vielleicht ist das die wichtigste Änderung, die ich mir für Schule wünsche: Mehr verstehen, mehr ausprobieren und mehr selbst denken.
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