Politik Österreich Meinung

Wehrpflicht verlängern oder nicht?

Kein Profil-Bild gefunden.
13.02.2026
2 Min.

Über eine Verlängerung der Wehrpflicht wird wieder intensiv diskutiert. Während manche vom prägenden Dienst erzählen, berichten andere von Langeweile und verlorener Zeit. Auch ich habe viele unterschiedliche Erfahrungen gehört und mich gefragt, wie ich selbst damit umgehen würde.

Sechs Monate im Gleichschritt können verändern. Aber nicht jeder erlebt sie gleich. (Foto: unsplash)

Wenn ich über die Wehrpflicht nachdenke, habe ich viele gemischte Gefühle. In den letzten Monaten wird ja wieder verstärkt über eine Verlängerung diskutiert, weil sich die Sicherheitslage in Europa verschärft hat und das Militär mehr gut ausgebildetes Personal braucht. Einige Politiker und Militär-Experten fordern deshalb, den Grundwehrdienst zu verlängern, damit Soldaten besser vorbereitet sind und das Bundesheer gestärkt wird. Genau das bringt mich dazu, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

In meinem Umfeld habe ich oft gehört, wie unterschiedlich diese Zeit erlebt wird. Ein Freund von mir hat mir erzählt, dass der Dienst ihn extrem verändert hat: Er wurde strukturierter, selbstbewusster und hat gelernt, sich durchzusetzen. Er meinte, das erste Mal in seinem Leben habe er wirklich gemerkt, was Verantwortung bedeutet – nicht nur für sich, sondern auch für andere.

Ein anderer Bekannter hat dagegen eher negative Erinnerungen. Er fand vieles sinnlos, sprach von langen Wartezeiten, Langeweile und dem Gefühl, seine Zeit zu verschwenden. Er war genervt, weil er seine Ausbildung später beginnen musste und sich dadurch im Leben „zurückgeworfen“ fühlte. Diese Geschichten haben mich sehr nachdenklich gemacht.

Ich selbst stelle mir oft vor, wie es wäre, eingezogen zu werden: weg von zuhause, neue Leute, strenge Regeln, kaum Freiheit. Ich glaube, es wäre am Anfang sehr ungewohnt, plötzlich nicht mehr in meinem gewohnten Umfeld zu sein, meine Familie und Freunde weniger zu sehen und mich an einen komplett neuen Alltag anpassen zu müssen. Gleichzeitig stelle ich mir vor, dass man dort Menschen kennenlernt, die man sonst nie treffen würde, und Erfahrungen macht, die einen prägen können.

Einerseits glaube ich, dass man dabei reifer wird, Disziplin lernt und Dinge erlebt, die man sonst nie erleben würde. Andererseits hätte ich Angst, meine eigenen Pläne und Träume aufschieben zu müssen, zum Beispiel Studium oder Ausbildung später zu beginnen und dadurch Zeit zu verlieren. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob ich selbst zum Bundesheer gehen wollen würde, oder ob ich eher einen Zivildienst oder eine andere Form des gesellschaftlichen Engagements bevorzugen würde, bei dem ich direkt Menschen helfen kann.

Eine Verlängerung der Wehrpflicht würde ich nur dann gut finden, wenn sie wirklich sinnvoll gestaltet ist – mit Ausbildung, sozialem Engagement oder Katastrophenschutz. Einfach länger „absitzen“ fände ich unfair. Für mich wäre wichtig, dass diese Zeit Menschen hilft, statt sie auszubremsen, und dass junge Leute das Gefühl haben, etwas Sinnvolles für sich und die Gesellschaft zu tun.

Kommentare