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Was wir von einer kleinen Fliege lernen können

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Redakteur · BG / BRG Schwechat
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28.08.2026
3 Min.

Eine kleine Fliege fliegt immer wieder gegen eine Glasscheibe, obwohl direkt daneben das Fenster offensteht. Was zunächst lustig aussieht, bringt mich plötzlich auf einen Gedanken: Wie oft machen wir Menschen eigentlich genau dasselbe? Wir kämpfen uns an Problemen ab, obwohl die Lösung vielleicht längst offen neben uns liegt.

Wir müssen einfach nur die Augen öffnen und schon sehen wir Lösungen vor uns. (Foto: shutterstock)

Ein amüsantes Scheitern am Abend

Ich saß in meinem Zimmer, die Dämmerung war draußen längst in die Nacht übergegangen, und durch den offen stehenden Fensterflügel strömte die erste kühle Luft des Tages herein. Plötzlich summte eine kleine Fliege durch den Raum. Sie steuerte zielgerichtet auf das Licht von draußen zu, und knallte mit einem leisen, trockenen Tack gegen die Scheibe.

Sie prallte ab, krabbelte zwei Zentimeter zur Seite, nahm erneut Anlauf und flog wieder dagegen. Das Absurde daran: Das Fenster war nur zur Hälfte geschlossen. Direkt neben dem Glas stand der Rahmen sperrweit offen. Ein winziger Schwenk nach links hätte gereicht, und das Tier wäre in der Freiheit der Nacht gewesen. Stattdessen verharrte die Fliege minutenlang in dieser sturen Schleife: Anlauf, Aufprall, Verwirrung, neuer Versuch.

Ich saß da und musste erst einmal schmunzeln. Es hatte etwas fast Komisches, diesem kleinen Geschöpf bei seiner Aussichtslosigkeit zuzusehen. Ein Tier, gefangen von Reizen und Instinkten, unfähig, die Transparenz des Glases zu begreifen.

Der Blick zurück auf mich selbst

Doch mein Schmunzeln hielt nicht lange an. Denn noch während ich die Fliege beobachtete, erwischte ich mich bei etwas anderem: Ich saß seit über einer Stunde vor einer Aufgabe, bei der ich absolut nicht weiterkam. Ich hatte denselben Satz bereits fünfmal umformuliert, war gedanklich dreimal im selben Kreis gelaufen und spürte, wie der Frust langsam stieg.

Ich hätte einfach aufstehen können. Kurz durchatmen, die Perspektive wechseln, etwas komplett anderes machen. Der Ausweg aus der Blockade stand im Grunde sperrweit offen. Aber stattdessen drückte ich meinen Kopf immer wieder gegen dieselbe gedankliche Wand. Ich machte in diesem Moment genau dasselbe wie die Fliege: Ich rannte gegen ein Hindernis an, das nur in meiner eigenen Gewohnheit existierte.

Die durchsichtigen Wände unseres Alltags

Wenn man den Gedanken weiterdenkt, wird aus der amüsanten Szene am Abend eine beunruhigende Erkenntnis. Wie viele dieser unsichtbaren Scheiben bauen wir uns im Alltag eigentlich selbst auf?

Wir stecken in Erwartungen fest, die niemand an uns gestellt hat. Wir verharren in Verhaltensweisen, nur weil wir uns an den Widerstand gewöhnt haben. Wir glauben fest daran, ein Problem nur auf genau eine bestimmte Weise lösen zu können, weil das Licht am Ende des Tunnels uns dorthin zieht, und übersehen dabei völlig, dass direkt daneben eine ganz andere Tür offensteht.

Das Glas für die Fliege ist physikalisch echt, aber für sie unsichtbar. Unsere eigenen Scheiben sind physikalisch gar nicht vorhanden, aber in unseren Köpfen wie aus Beton gegossen. Wir bilden uns viel auf unsere menschliche Logik ein, rennen aber erschreckend oft gegen Scheinprobleme, weil wir verlernen, einmal kurz innezuhalten und das Blickfeld zu weiten.

Der Schritt neben die Scheibe

Die Fliege fiel schließlich entkräftet auf die Fensterbank. Sie blieb kurz regungslos sitzen, putzte ihre Flügel, hob wieder ab, und schwirrte diesmal in einem leichten Bogen nach links genau durch die Öffnung hinaus in die Dunkelheit.

Vielleicht liegt darin der eigentliche Kern: Nicht stur weiterzurennen, nur weil wir meinen, dort müsse es doch durchgehen. Sondern in dem Moment, in dem wir zum zehnten Mal mit dem Kopf an der Wand landen, die Hand anzuhalten. Sich umzusehen. Und zu begreifen, dass die Lösung meistens nicht hinter dem Hindernis liegt, sondern gleich einen Schritt daneben.


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