Panorama Österreich Fakten

Was mit unserem Müll passiert

Profile Image
160
1
TOP 25 Autor
Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
1 Kommentar
26.09.2026
4 Min.

In Österreich produziert jeder Mensch im Laufe eines Jahres mehrere hundert Kilogramm Haushaltsmüll. Er verschwindet aus unserem Alltag, doch damit beginnt erst seine Reise. Je nachdem, in welcher Tonne ein Gegenstand landet, wird er verbrannt, recycelt, kompostiert oder weiterverarbeitet.

Auf Förderbändern wird Abfall sortiert und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Was im Müll landet, kann danach unterschiedliche Wege nehmen. (Foto: Shutterstock)

Rund 67 Millionen Tonnen Abfall fielen 2024 in Österreich an. Davon waren etwa 7,1 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle, also Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen. Rund 4,3 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle wurden recycelt, während in Österreich insgesamt jährlich rund vier Millionen Tonnen Abfälle verbrannt oder mitverbrannt werden. Gleichzeitig ist das Abfallaufkommen aus Haushalten 2024 gegenüber dem Vorjahr um mehr als vier Prozent gestiegen.

Müll betrifft dabei nicht nur die Abfallwirtschaft. Für uns als Jugendliche gehört Müll schon längst zum Alltag: beim Getränk in der Plastikflasche, beim Essen zum Mitnehmen oder bei der Verpackung eines neuen Kopfhörers. Gerade als Schüler*innen produzieren wir täglich Abfall und treffen dabei Entscheidungen, die bestimmen, was später mit diesen Dingen passiert. Deshalb lohnt sich der Blick hinter den Mistkübel: Was geschieht eigentlich mit unserem Müll, nachdem wir ihn wegwerfen?

Darüber zu berichten ist auch für eine Schülerzeitung relevant. Wir erleben das Thema jeden Tag selbst – in der Schule, zu Hause und unterwegs. Gleichzeitig betrifft die Frage, wie Österreich mit seinem Abfall umgeht, unsere eigene Zukunft. Als Schüler*innen berichten wir deshalb über ein Thema, das direkt mit unserem Alltag verbunden ist und dessen Folgen uns noch lange begleiten werden.

Ein voller Mistkübel ist für die meisten Menschen das Ende einer Verpackung oder eines alten Gegenstands. Für die Abfallwirtschaft ist er dagegen der Beginn eines langen Prozesses. Nach der Entsorgung wird der Müll gesammelt und zu verschiedenen Anlagen transportiert. Dort wird entschieden, was mit den einzelnen Abfällen passiert. Papier, Glas, Metall und bestimmte Kunststoffverpackungen können wiederverwertet werden. Bioabfälle werden unter anderem zu Kompost oder Biogas verarbeitet. Restmüll wird in Österreich dagegen häufig thermisch verwertet, also verbrannt. Dabei entsteht Energie, die beispielsweise für Strom oder Fernwärme genutzt werden kann.

Warum Mülltrennung wichtig ist

Damit aus Abfall wieder ein neuer Rohstoff werden kann, muss er möglichst richtig getrennt werden. Eine Zeitung gehört zum Altpapier, eine Glasflasche in den entsprechenden Glascontainer und Bioabfall in die Biotonne. Schwieriger wird es bei Verpackungen, die aus mehreren Materialien bestehen. Wenn verschiedene Stoffe miteinander verbunden sind, kann die Verarbeitung aufwendiger werden. Falsch entsorgte Gegenstände können außerdem die Qualität anderer gesammelter Materialien beeinträchtigen.

Besonders beim Kunststoff ist die Situation kompliziert. Nicht jeder Kunststoff lässt sich gleich gut recyceln. Manche Verpackungen bestehen aus unterschiedlichen Kunststoffarten oder enthalten zusätzliche Materialien. Deshalb wird Kunststoffabfall zunächst sortiert und anschließend je nach Material weiterverarbeitet. Aus geeignetem Recyclingmaterial können später wieder neue Produkte oder Verpackungen entstehen.

Was mit Bioabfall passiert

Auch Bananenschalen, Kaffeesatz und andere organische Abfälle haben nach dem Wegwerfen eine weitere Aufgabe. In Kompostieranlagen wird Bioabfall unter kontrollierten Bedingungen abgebaut. Dabei entsteht Kompost, der wieder als Bodenverbesserer eingesetzt werden kann. In Anlagen zur Vergärung entsteht zusätzlich Biogas. Dieses kann zur Energiegewinnung genutzt werden.

Damit dieser Kreislauf funktioniert, darf die Biotonne allerdings nicht mit anderen Abfällen vermischt werden. Plastik oder andere Fremdstoffe müssen aufwendig entfernt werden und können die weitere Verarbeitung erschweren.

Aus Alt wird Neu

Recycling funktioniert nach einem einfachen Grundprinzip: Aus einem gebrauchten Material entsteht wieder ein neuer Rohstoff. Bei Glas kann dieser Kreislauf besonders gut funktionieren, weil Altglas eingeschmolzen und erneut zu Glasprodukten verarbeitet werden kann. Auch Metalle lassen sich wiederverwerten. Papier kann ebenfalls mehrfach recycelt werden, wobei die Papierfasern mit jedem Recyclingvorgang kürzer werden.

Recycling spart dabei Rohstoffe, die sonst neu gewonnen werden müssten. Gleichzeitig benötigt die Verarbeitung von Recyclingmaterial häufig weniger Energie als die Herstellung aus neuen Rohstoffen. Wie groß dieser Effekt ist, hängt allerdings vom jeweiligen Material und vom konkreten Recyclingverfahren ab.

Wenn Müll zu Energie wird

Was sich nicht sinnvoll recyceln lässt, landet teilweise in der thermischen Verwertung. Dabei wird der Abfall bei hohen Temperaturen verbrannt. Die dabei entstehende Wärme kann zur Erzeugung von Strom oder Fernwärme genutzt werden. In Städten wie Wien spielt diese Form der Abfallverwertung eine wichtige Rolle.

Damit verschwindet der Müll also nicht einfach. Er verändert nur seine Form. Aus einer weggeworfenen Verpackung kann am Ende beispielsweise Wärme für Gebäude entstehen.

Der Weg endet nicht bei der Tonne

Wer einen Gegenstand in den Mistkübel wirft, sieht meist nur den letzten Schritt. Dahinter stehen jedoch Müllabfuhr, Sortieranlagen, Recyclingbetriebe, Kompostieranlagen und Verbrennungsanlagen. Jeder dieser Schritte entscheidet darüber, ob aus einem Abfall wieder ein verwendbarer Rohstoff oder Energie entstehen kann.

Der eigentliche Umgang mit Müll beginnt deshalb schon vor der Tonne: bei der Frage, ob ein Gegenstand überhaupt weggeworfen werden muss, ob er wiederverwendet werden kann und in welche Tonne er gehört.






Kommentare