Mein erstes Bild von einem Anwalt stammte nicht aus dem echten Leben, sondern aus einer Serie. „Suits“. Spät abends, das Handy in der Hand, schaute ich noch „eine Folge“. Alle wirkten selbstsicher, schlagfertig und perfekt gekleidet. Ich hatte nie große Gedanken daran verschwendet, dass es sich dabei um einen echten Beruf handelt, mit echten Menschen und echten Problemen.
Bis ein Freund von mir wirklich zu einem Anwalt musste. Er hatte mir zunächst nur geschrieben: „Ich habe richtig Mist gebaut, glaube ich.“ Mehr nicht.
Die Belastung eines Freundes
Am Abend zuvor trafen wir uns draußen, auf einer Bank bei unserem alten Schulhof. Es war dunkel und kalt, und er stand die ganze Zeit auf und setzte sich wieder hin. Er erzählte, dass er bei einer Party dabei war, bei der etwas kaputtging, eine teure Sache, und jetzt behaupten mehrere Personen, er sei schuld. Er sagte immer wieder: „Ich schwöre, ich war es nicht so, aber was, wenn mir das keiner glaubt?“
Man merkte deutlich, wie sehr ihn das belastete. Nicht nur wegen des Geldes, sondern weil er Angst hatte, dass die Sache Ärger mit der Schule, mit seinen Eltern und vielleicht sogar mit der Polizei geben könnte. Er fragte, ob so etwas „einen Eintrag“ geben kann und ob das sein Leben „verkackt“. So hat er das wirklich gesagt.
Der erste Kontakt mit einem Anwalt
Ich konnte ihm nicht helfen. Gar nicht. Ich saß nur da und hörte zu. Am nächsten Tag gingen er und seine Eltern zu einem Anwalt. Nach dem Termin schrieb er mir: „War okay. Der Typ war normal.“
Luft zum Atmen
Später schickte er mir Sprachnachrichten und erzählte, dass der Anwalt zuerst einfach wollte, dass er alles in Ruhe erzählt. Ohne Unterbrechen und ohne Druck. Er sagte sogar: „Du musst keine Angst haben, wir schauen uns das Schritt für Schritt an. Mein Freund meinte, das habe ihm zum ersten Mal seit Tagen ein wenig Luft zum Atmen gegeben. Das ist mir wirklich im Gedächtnis geblieben.
Neue Perspektiven
Seitdem denke ich anders über Anwälte. Wenn ich selbst einmal dort sitzen würde, wäre mir egal, wie schick das Büro ist oder wie teuer der Anzug. Ich würde einfach wollen, dass jemand merkt, wie durcheinander ich innerlich bin. Dass ich Dinge erklärt bekomme, ohne mich zu schämen. Und dass ich nicht das Gefühl habe, nur irgendein Fall zu sein.
In Serien geht es darum, zu gewinnen. Im echten Leben geht es vielleicht eher darum, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und wenn ich nach einem Gespräch ein kleines bisschen ruhiger bin als zuvor, dann ist das schon viel. Vielleicht sind gute Anwälte also nicht die Lautesten oder Coolsten. Sondern diejenigen, bei denen man sich traut, ehrlich zu sein.
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