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Was ich in der Schule lernen will, bevor ich es wirklich brauche

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
18.08.2026
4 Min.

Bruttogehalt, Kündigungsfrist, Probezeit. Drei Begriffe stehen in meinem ersten Arbeitsvertrag. Ich lese die Zeilen noch einmal. Wie viel von meinem Bruttogehalt landet eigentlich auf meinem Konto? Was bedeutet die Kündigungsfrist für mich? Und was darf während der Probezeit passieren? Wahrscheinlich würde ich mein Handy nehmen und anfangen zu googeln.

Mehr Wissen fürs echte Leben, ein sinnvoller Umgang mit KI und besser verteilte Prüfungen: Es gibt einige Änderungen, die unseren Schulalltag verbessern könnten. (Foto: Shutterstock)

Noch habe ich diesen ersten Arbeitsvertrag nicht unterschrieben. Aber lange dauert es nicht mehr, bis solche Fragen für mich wichtig werden. Ich bin 17 und habe viele Jahre Schule hinter mir. Ich habe Formeln gelernt, Texte interpretiert und Vokabeln auswendig gelernt. Einen Arbeitsvertrag gemeinsam durchgegangen bin ich im Unterricht bisher nicht.

Das würde ich ändern. Ich möchte wissen, wie viel von meinem ersten Gehalt nach Abzügen übrig bleibt, worauf ich bei einem Mietvertrag achten muss oder welche Versicherungen ich später wirklich brauche. Nicht aus einem Schulbuch mit anschließendem Test. Wir könnten einen echten Mustervertrag auf den Tisch legen und versuchen, ihn zu verstehen. Oder mit einem fiktiven ersten Gehalt durchrechnen, was nach Miete, Lebensmitteln, Öffis und anderen Ausgaben noch übrig bleibt.

Wenn mir KI Mathematik erklärt

Bei Mathematik sitze ich vor einem Rechenweg und komme nicht weiter. Die Erklärung aus dem Unterricht hat mir nicht geholfen. Also öffne ich ChatGPT und lasse mir den Rechenweg noch einmal erklären. Einen Schritt verstehe ich immer noch nicht, also frage ich nach. Dann noch einmal. Irgendwann macht es Klick.

In diesem Moment hilft mir KI tatsächlich beim Lernen. Sie gibt mir nicht einfach eine Lösung, sondern erklärt mir etwas auf eine andere Art. Ich kenne aber auch die andere Variante. Innerhalb weniger Sekunden könnte eine fertige Antwort vor mir stehen. Die Versuchung, sie einfach zu übernehmen, ist ziemlich groß. Meine Aufgabe wäre dann zwar erledigt, verstanden hätte ich trotzdem wenig.

Diesen Unterschied würde ich gerne stärker im Unterricht behandeln. Nicht nur: Was dürfen wir mit KI und was nicht? Sondern: Wie erkenne ich eine falsche Antwort? Wie überprüfe ich Informationen? Wie stelle ich Fragen so, dass mir KI beim Lernen hilft, statt mir das Denken abzunehmen?

Elias, 17, kennt das aus seinem Schulalltag ebenfalls. Er verwendet ChatGPT nach eigener Aussage fast jeden Tag, vor allem beim Lernen oder wenn er etwas nicht verstanden hat. „Wir reden zwar manchmal über KI, aber meistens geht es darum, was wir damit nicht machen dürfen“, sagt er. Wie er überprüfen könne, ob eine Antwort stimmt, oder wie KI sinnvoll beim Lernen hilft, komme dagegen kaum vor.

„Ein Verbot bringt wenig, weil die meisten sie sowieso verwenden. Viel wichtiger wäre zu lernen, wie man sie richtig nutzt, ohne einfach alles zu übernehmen“, sagt Elias.

Sonntagabend und vier Dinge warten auf mich

Sonntagabend schaue ich auf die kommende Schulwoche. Für eine Schularbeit muss ich lernen, daneben wartet Stoff für einen Test, ein Referat muss vorbereitet werden und eine Abgabe ist ebenfalls fällig. Ich überlege nicht mehr, womit ich mich wirklich beschäftigen möchte, sondern womit ich überhaupt anfangen soll.

Dann springe ich beim Lernen zwischen den Aufgaben hin und her. Erst ein Fach, dann das nächste, zwischendurch noch am Referat arbeiten. Besonders nervig ist es, wenn kurz danach eine Woche kommt, in der kaum eine größere Prüfung ansteht.

Ich möchte deshalb nicht weniger Prüfungen oder weniger lernen. Mir würde schon helfen, wenn größere Termine stärker aufeinander abgestimmt wären. Lieber bereite ich mich ordentlich auf eine Sache vor, als mehrere Aufgaben gleichzeitig irgendwie fertigzubekommen.

Einmal sehen statt zehn Seiten lesen

Auch bei anderen Themen merke ich, wie viel es ausmacht, ob ich etwas nur aus einem Buch kenne oder selbst erlebe. Über Politik, Wirtschaft oder Berufe können wir seitenlang lesen. Interessanter wird es für mich, wenn ich sehe, wie diese Dinge außerhalb des Klassenzimmers tatsächlich funktionieren.

Deshalb würde ich häufiger raus aus der Schule gehen. Eine Gerichtsverhandlung besuchen, in einem Unternehmen sehen, wie dort gearbeitet wird, ins Parlament fahren oder einen Tag an einer Universität verbringen. Danach könnte im Unterricht besprochen werden, was wir gesehen haben. So hätte der Ausflug auch wirklich etwas mit dem Stoff zu tun.

In der Oberstufe würde ich außerdem gerne stärker selbst entscheiden, womit ich mich beschäftige. Wenn mich Medizin interessiert, könnten Naturwissenschaften einen größeren Teil meines Stundenplans einnehmen. Interessiere ich mich für Wirtschaft, Politik, Informatik oder Sprachen, könnte ich dort Schwerpunkte setzen. Je näher der Schulabschluss kommt, desto sinnvoller finde ich diese Wahlmöglichkeiten.

Ich will keine Schule, in der ich weniger lernen muss. Ich will eine, in der ich öfter weiß, warum ich etwas lerne. Damit ich meinen ersten Arbeitsvertrag irgendwann nicht nur unterschreibe, sondern auch verstehe, was ich da eigentlich unterschreibe.




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