Manchmal sitze ich im Unterricht und denke mir: „Wann werde ich das eigentlich einmal brauchen?“ Nicht, weil ich Schule grundsätzlich sinnlos finde. Im Gegenteil. Vieles, was wir lernen, ist wichtig. Aber ich glaube, dass Schule noch viel mehr bieten könnte als Schularbeiten, Tests und auswendig gelerntes Wissen.
Lernen, indem ich etwas selbst mache
Ein Beispiel aus meinem eigenen Schulalltag ist das Kochen. Durch meine Ausbildung an der HBLA Pitzelstätten hatte ich Kochunterricht und habe dabei gemerkt, wie viel ich gleichzeitig lernen kann, wenn ich etwas selbst mache. Wenn ich ein Menü koche, muss ich überlegen, welche Zutaten ich brauche, wie viel davon ich einkaufen muss, was die einzelnen Zutaten kosten und in welcher Reihenfolge ich die Gerichte zubereite. Dann kommt noch dazu, dass am Ende alles gleichzeitig fertig sein sollte.
Das ist für mich viel mehr als nur Kochen. Ich muss planen, rechnen, improvisieren und manchmal auch schnell eine Lösung finden, wenn etwas nicht so funktioniert wie gedacht. Und genau solche Dinge bleiben bei mir viel eher im Kopf, weil ich sie selbst gemacht habe.
Deshalb würde ich mir wünschen, dass es solche praktischen Aufgaben auch in anderen Fächern öfter gibt. In Wirtschaft könnte ich zum Beispiel einmal ein kleines Unternehmen planen. Wie viel Geld brauche ich am Anfang? Was kostet ein Produkt? Wie setze ich einen Preis fest? Und bleibt am Ende überhaupt etwas übrig?
Auch Alltagsthemen könnten meiner Meinung nach mehr Platz bekommen. Wie funktioniert eine Versicherung? Was muss ich bei einem Mietvertrag beachten? Wie funktioniert eine Steuererklärung? Was sollte ich wissen, wenn ich irgendwann meine erste eigene Wohnung habe? Das sind Dinge, die ich wahrscheinlich viel schneller brauchen werde als manche Inhalte, die ich für eine Prüfung auswendig lernen muss.
Mehr Wahlmöglichkeiten
Außerdem würde ich mir mehr Wahlmöglichkeiten wünschen. Nicht jeder interessiert sich für dieselben Themen und nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Manche arbeiten gerne alleine, andere lieber in Gruppen. Manche können sich etwas nach dem Lesen merken, andere verstehen es erst, wenn sie es selbst ausprobieren. Warum sollte ich im Unterricht nicht öfter verschiedene Möglichkeiten bekommen?
Und dann ist da noch das Thema Fehler. In der Schule versuche ich oft, möglichst keinen zu machen. Schließlich kostet ein Fehler manchmal Punkte. Im echten Leben ist es aber völlig normal, dass etwas nicht beim ersten Versuch funktioniert. Beim Kochen kann eine Sauce zu salzig werden oder ein Kuchen zusammenfallen. Dann muss ich überlegen, was schiefgegangen ist, und es beim nächsten Mal anders machen. Genau daraus lerne ich.
Ich wünsche mir deshalb keine Schule, in der wir gar nichts mehr lernen müssen. Ich möchte auch nicht, dass jeder Tag nur aus Projekten besteht. Aber ich glaube, dass Lernen viel interessanter wird, wenn ich merke, wofür ich es eigentlich brauche.
Schule begleitet mich viele Jahre. Sie sollte mich deshalb nicht nur auf die nächste Prüfung vorbereiten, sondern auch auf das Leben danach.
Vielleicht sollte die wichtigste Frage nach einer Unterrichtsstunde nicht sein: „Was muss ich davon für den Test wissen?“, sondern: „Was kann ich damit anfangen?“
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