Was mir jetzt erst aufgefallen ist und die ganze Zeit über so wichtig war

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Volontärin · BRG Kufstein
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04.04.2026
3 Min.

Oft höre ich, das Leben solle nicht zu „deep“ gesehen werden. Der Ausdruck „it’s not that deep“ bedeutet, dass nicht alles so wichtig ist, wie es im ersten Moment wirkt. Aber stimmt das wirklich immer? Ist es sinnvoll, alles einfach hinzunehmen, ohne genauer darüber nachzudenken? Oder gehen dabei genau die Dinge verloren, die eigentlich wichtig wären?

Wir sollten den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge richten. (Foto: shutterstock)

Älter werden

Zurzeit besuche ich einen Teil meiner Familie in Slowenien. Auch wenn es schwer ist, merke ich deutlich, wie Menschen älter werden, und wie wenig Zeit manchmal bleibt.

Ich sehe diese Familie nur selten. Mein letzter Besuch liegt Jahre zurück. Vielleicht fällt es mir deshalb schwer, eine enge Bindung zu ihnen aufzubauen. Trotzdem fühlt sich genau das nicht gut an.

Besonders ist mir meine Großtante aufgefallen. Als ich aus dem Auto steige und sie nach so langer Zeit wiedersehe, nehme ich sie in den Arm und spüre sofort, wie sehr sie sich verändert hat. Später im Haus beobachte ich sie genauer. Ihre linke Hand zittert. Leicht, aber unaufhörlich, und dieses Zittern zieht sich durch ihren ganzen Körper.

In der Küche beginnt sie etwas zu schneiden, obwohl es eigentlich nichts zu tun gibt. Ich stehe daneben und bin unsicher, ob ich helfen soll. Am Ende mache ich nichts, weil sie so wirkt, als wolle sie alles noch alleine schaffen – stark wie immer. Genau das macht es noch schwieriger, einfach nur zuzusehen.

Es macht mich traurig zu merken, wie wenig Zeit ich wirklich mit ihnen verbracht habe. Gleichzeitig erfahre ich jetzt Dinge über meine Familie, die ich früher nie gewusst habe.

Naturkatastrophen

Wenn ich etwas nicht selbst erlebt habe, bleibt es schwer greifbar. Das gilt auch für Naturereignisse. Die letzten Tage in Slowenien waren extrem windig. Der Wind war so stark, dass sich die 15 Grad viel kälter angefühlt haben. Erst in solchen Momenten wird mir bewusst, wie viel Kraft hinter so etwas steckt.

Einheimische erzählen, dass Zäune und sogar Dächer beschädigt wurden. Solche Geschichten wirken anders, wenn man selbst vor Ort ist und den Wind spürt.

Eine Situation, die mir besonders im Kopf geblieben ist, habe ich in Kufstein erlebt. Es war während der Corona-Zeit. Tagelang hat es geregnet, und der Fluss Inn ist immer weiter angestiegen.

Ich erinnere mich an die Nächte: Der Regen hörte nicht auf, und beim Blick aus dem Fenster sah ich, wie das Wasser immer höher stieg. Wir haben die wichtigsten Sachen aus dem Keller geholt, aus Angst, dass er überflutet wird.

Auf unserer Seite blieb es ruhig, doch auf der anderen stand das Wasser teilweise knietief. Sandsäcke lagen überall, die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Am Ende liefen kleinere Bäche über und überfluteten Teile der Stadt.

Auch unsere Schule war betroffen. Für uns war das ein Schock, selbst wenn es anderswo noch schlimmer war.

Zeit und Alltag

Mir fällt immer öfter auf, wie schnell Zeit vergeht, ohne dass ich es wirklich merke. Oft verschiebe ich Dinge auf „später“ oder „irgendwann“. Doch dieses „irgendwann“ kommt nicht immer. Tage fühlen sich lang an, aber Wochen und Monate vergehen plötzlich sehr schnell.

Gerade jetzt, während ich meine Familie wieder sehe, wird mir bewusst, wie viel Zeit vergangen ist. Menschen verändern sich, Situationen verändern sich und ich mich auch.

Vielleicht ist genau das der Punkt: Vieles wirkt im Alltag oberflächlich oder „nicht so wichtig“. Doch wenn ich genauer hinschaue, merke ich, dass es manchmal doch mehr Bedeutung hat, als ich zuerst denke.

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